Music Review | verfasst 07.12.2018
Félicia Atkinson & Jefre Cantu-Ledesma
Limpid As The Solitudes
Shelter Press, 2018
Text Kristoffer Cornils
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Redaktion
Cover Félicia Atkinson & Jefre Cantu-Ledesma - Limpid As The Solitudes

Shelter Press ist eine Entschleunigungsmaschine, musikalisch ebenso wie in Sachen Design: Behäbige Langform trifft auf allgemeine Aufgeräumtheit. Zum Ende des Jahres 2018 werden aber noch schnell gleich zwei nachträgliche Anwärter für die Bestenlisten veröffentlicht. Einerseits legen Peter Rehberg und Stephen O’Malley mit ihrem Projekt KTL ein neues Album vor, andererseits haben sich Shelter Press-Mitbetreiberin Félicia Atkinson und Jefre Cantu-Ledesma zum bereits zweiten Mal für eine LP zusammengetan. »Limpid As The Solitudes« zeigt schon auf dem Cover, in welche Richtung es geht: In nostalgisch-verwaschenes Pink eingebettete Blue Jeans mit Extra-Distressed-Ästhetik sehen sehr twee aus, nach verblichenen Teenager-Tagen eigentlich, und die vier Tracks des Albums bestätigen das auf die hintergründigste Art und Weise. Obwohl »And The Flower Have Time For Me« mittels Field Recordings noch viel Realitätseffekte gegen Trauerdrones stellt und »Her Eyelids Say« mit seinem cleanen Vogelgezwitscher-Sampling eher nüchtern wirkt, steckt viel Emotion in der Zusammenkunft zwischen der Französin und dem in San Francisco beheimateten Root Strata-Mitbegründer. Auf »Indefatigable Purple« lässt Atkinson ihre Stimme hören. Sie schiebt ein eindringliches Flüstern durch den Mix, schichtet es über zirkuläre, dumpfe Gitarrenklänge. Derweil der musikalische Throwback Richtung shoegazigem Teenie-Pathos über drei Tracks eher melancholisch wirkt, löst »All Night I Carpenter« zum Schluss alles in 18 Minuten Wohlklang auf. Ein gigantischer Track, der klingt, als hätten Oval damals bei »94 Diskont« aufs Stottern der Maschinen verzichtet, ein Klangteppich mit sanftem Tapser-Beat, der auf orchestralem Ambient à la Celer endet. Der perfekte, generalentschleunigte Schlusspunkt für ein Album, dessen Nostalgie mal ausnahmsweise nicht reaktionär, sondern aufrichtig zeitgenössisch klingt. Musik über bessere Zeiten in denkbar schlechten Zeiten braucht es Ende 2018 schließlich umso mehr als sonst.

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