Music Review | verfasst 01.02.2019
Jedi Mind Tricks
Violent By Design
Babygrande, 2019
Text Nils Schlechtriemen
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8.6
Redaktion
Cover Jedi Mind Tricks - Violent By Design

Mit »Violent By Design« entfernten sich Jedi Mind Tricks lyrisch wie beatbezogen von der metaphysischen SciFi-Paranoia des Debüts und brachten ihre vollmundigen Hooks von Area 51 zurück auf die Straßen Philadelphias. Das zweite Album des Trios war mit seinen brutal schlagfertigen Lyrics mehr Hardcore als vieles, was sich damals in den US-amerikanischen Rap-Charts tummelte, wurde aber ironischerweise über einen Zeitraum von neun Monaten im Schlafzimmer von Beatbastler Stoupe the Enemy of Mankind zusammengeschraubt. Nie groß beworben, verkauften Vinnie Paz, Stoupe und Jus Allah von »Violent By Design« schon in der ersten Woche mehr als 50.000 Einheiten – da waren Spotify und Konsorten noch ein Crackpfeifentraum der unerwartet nahen Zukunft.

»Der Mensch ist des Menschen Wolf« scheint als ironisch-bissiger Befund des neoliberalen homo oeconomicus über dem Album zu prangen. Zwar birgt es viele Bezüge zur dunklen Seite des Menschen in Texten und Sprachsamples (von Darren Aronofskys »Pi« bis zum Poeten Wilfred Owen), macht sie aber nicht wie gewohnt als irgendeine naturgegebene Konstitution aus, sondern als Resultat kultureller Prägung. Vinnie und Jus nehmen in 25 Tracks und 76 Minuten vom Protestantismus über Konsumschizophrenie und militärisch-industrielle Komplexe bis zur ätzenden Heuchelei der bürgerlichen Sphäre eben diese Kultur auseinander, in der sie und ihre Fans groß wurden. Formell sind viele Battle-Tracks zu finden, inhaltlich gehen die jedoch erfrischend oft über eine bloße Demonstration griffiger Gleichnisse hinaus. Da werden Figuren vergangener Jahrhunderte zitiert, mythologische Referenzen eingeworfen und kryptische Botschaften entschlüsselt. Getragen von ungemein dicht arrangierten Beats aus Film-Soundtracks, lateinamerikanischen Einflüssen und Turntablism, wurde »Violent By Design« nicht ohne Grund schon damals von der US-Kritik als »new method of hip-hop artistry« gefeiert. 18 Jahre später hat dieses Album nichts von seiner Vehemenz eingebüßt – und auch leider nichts von seiner Aktualität.

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