Music Review | verfasst 12.08.2019
Shakti
Verboden Dromen
Stroom, 2019
Text Nils Schlechtriemen
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Redaktion
Cover Shakti - Verboden Dromen

Als während der ausgehenden 1980er Jahre im Heizwerk am alten Ostbahnhof in Berlin noch Fernwärme für den Bezirk Friedrichshain produziert wurde, ravten sich Aspiranten der gerade im Entstehen begriffenen Techno-Kultur schon im Destelbergener Nachtclub Boccaccio in Belgien die Sohlen wund. Wo das Koks beim Lachen aus vielen Nasen in noch mehr Drinks rieselte, blieben die jungen Leute damals das ganze Wochenende, von Freitagmorgen 1 Uhr bis Montagabend um 6. Praga Khan und Nikkie Van Lierop waren zusammen mit Chris Inger und Tejo De Roeck dabei, als auf dem vorläufigen Peak belgischer Clubkultur hier der New Beat ins Leben gerufen wurde: EBM von 45 rpm runter auf 33, Pitch rauf und über den schleppenden Beatstrukturen mit erotischen Voice-Samples filmreife Soundscapes hochziehen. Shakti beherrschten wie nur die wenigsten ihrer Zeitgenossen diesen neuen Style so gut, dass sie ihn von bloßer Tanzbarkeit zu emanzipieren verstanden. Dem Four-to-the-Floor-Stampfen blieben sie auf dem Debüt »Demonic Forces« und der ersten Vinyl 12“ »Forbidden Dreams/The Awakening« zwar dennoch treu, ließen die Vision eines hypnotischeren Narrativs aus qualmigem Synthpop und Exoten-Instrumentarium aber bereits durchscheinen. Bauchige Pauken, Taal-Becken, Nay-Flöten, Darboukas und 72-saitige Sitars sollten unter anderem noch dazukommen, um unartige Episoden aus 1001 Clubnacht zu beschwören. Hier darf tatsächlich von »organischem Sound« die Rede sein. Im mystisch verklärten Nitrazepam-Haze des Nachfolgers »Shakti Featuring Jade 4 U« schien die Synthese für alle Beteiligten wohl endlich vollkommen, war das Projekt danach doch Geschichte und ging in den Lords Of Acid auf. Bei den Belgiern von STROOM erschien nun der knackige Schaffensquerschnitt »Verboden Dromen«, der die erste und letzte Siebung aus dem Shakti-Backkatalog darstellt. Ziemlich gelungen, selbst wenn man nichts für die Achtziger übrig hat.

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