Music Review | verfasst 06.04.2020
Minor Science
Second Language
Whities, 2020
Text Kristoffer Cornils
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Redaktion
Cover Minor Science - Second Language

Wenn Musik tatsächlich eine Universalsprache ist, wie gerne behauptet wird – welche Bedeutung hat denn ein Four-to-the-Floor-Beat, welche ein A-Dur-Akkord? Das ist die Krux mit Musik: Was sie bedeutet, auslöst und nach sich zieht, das ist nur schwer zu übersetzen. Wie es schon beim Musikmachen nicht leicht fällt, Ideen, Gefühle und so weiter in Klang und Rhythmen zu übersetzen. »Parce que c’est plus facile d’écrire sans style«, zitiert Angus Finlayson den Dramatiker Samuel Beckett und was das übersetzt heißt, das steht in deutscher Sprache auf dem Frontcover seines Debütalbums »Second Language«. Der Ire Beckett meinte damals dezidiert seine Zweitsprache Französisch und Finlayson offenkundig die Musik. Denn tatsächlich schreibt der Musikjournalist und seit dem Jahr 2014 als Minor Science aktive Brite auf den zehn Stücken seines Debüts weitgehend ohne Stil, zumindest ohne einheitlichen: »Second Language« setzt auf hybride Formen und stellt im Gesamten ein Potpourri dar, das zuerst überbordend wirkt. Denn ob Finlayson mit Bassline und Hi-Hat Techno antäuscht und scharfkantigen, vershuffelten Electro anbietet (»Polyglottal«) oder gar (Speed-)Garage-Rhythmen aufblubbern lässt und darüber pointillistischen Trance laufen lässt: Hier herrscht ein Mit- und Gegeneinander von Übersetzungs(-fehl-)leistungen zwischen den verschiedenen Idiomen, die ein insgesamt disparates Sprachbild eröffnen. Das ist vor allem von britischer Bassmusik (der Muttersprache?) sowie Electro, Techno und House (den Zweitsprachen?) geprägt, bildet aber über dichte 37 Minuten auch sein eigenes Argot aus. Nur gelingt es Finlayson in dieser angenehm stillosen, soll heißen konventionsbefreiten Mischung noch nicht wirklich, damit auch wirklich seine eigene Geschichte zu erzählen. »Second Language« bringt spannende Miniaturen zusammen, die wie der Closing-Track »Voice and Unvoiced« vor Brillanz wortlos schimmern. Als Album jedoch übersetzt es seine ursprüngliche Idee, so hat es den Anschein, noch nicht mit vergleichbarer Konsequenz.

»Second Language« von findest du bei HHV Records: LP.
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