Music Review | verfasst 28.07.2020
Minyo Crusadres / Frente Cumbiero
Minyo Cunbiero
Mais Um Discos, 2020
Text Harry Schmidt
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Redaktion
Cover Minyo Crusadres / Frente Cumbiero - Minyo Cunbiero

»From Tokyo to Bogota« steht auf dem knallbunten Cover dieser vor Lebensfreude strotzenden EP zu lesen. Darauf zu hören ist ein überaus ungewöhnlicher Kulturtransfer, dessen Ausgangspunkt vor zwei Jahren beim japanischen Fuji Rock Festival zu suchen ist. Dort trafen die kolumbianischen Cumbia-Erneuerer Frente Cumbiero erstmals auf das Weltmusik-Kollektiv Minyo Crusaders, das japanische Folklore mit karibischen Rhythmen, Latin-Grooves, Afro-Funk und Ethio-Jazz verschränkt. Überrascht stellte man fest, wie viele Gemeinsamkeiten zwischen den vermeintlich unterschiedlichen Stilrichtungen bestehen. Daraufhin lud Mario Galeano Toro, der Bandleader von Frente Cumbiero, die zehnköpfige Band um Katsumi Tanaka nach Bogota ein, wo die vier Tracks von »Minyo Cumbiero« innerhalb von zwei Tagen eingespielt wurden. »Am ersten Tag haben wir gegessen, am zweiten Tag wurde aufgenommen. Jetzt sind wir eine Familie«, beschreibt Tanaka den Prozess. Tatsächlich erinnert der Stilmix an lateinamerikanisch-asiatische Fusionküche: Wo „Mambonegro Dai Sakusen“ das Thema eines chinesischen Computerspiels in eine Salsa-Boogaloo-Melange transformiert, nimmt »Cumbia Del Monte Fuji« sich eines Cumbia-Klassikers von Pedro Laza an. »Tora Joe« und »Opekepe« wiederum basieren auf japanischen Folksongs, die mal in Richtung Shangaan-Electro ausgelegt, mal im Dancehall-Dub-Style interpretiert werden. Manchem mag das ein wenig zuviel des Guten sein. Dennoch ist diesem Team-up zugute zuhalten, dass es im gleichen Zug Puristen wie Rassisten vor den Kopf stößt, indem es essentialistische Klischees, etwa das von Ethnien, die »den Rhythmus im Blut« haben, mit großer Spielfreude ad absurdum führt. Eine wilde Sause voller treibender Bläsersätze, mit gewaltigem Drive serviert.

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