Dulce Neves ist offizielle Botschafterin der Musik ihres Heimatlandes Guinea-Bissau – und dafür in unseren Breitengraden ziemlich unbekannt. Mit der 7-Inch T’chuba T’chiba hat das Pariser Label Hot Casa jetzt zwei Songs ihres Albums Mundo Rabida als Vinyl-Auskopplung neu veröffentlicht.
Gerade der zum Tanz zwingende Titeltrack zieht mit seinen Melodiewechseln, den behutsam geschichteten Chören und dem erdigen Vibrato Neves’ in seinen Bann. »Nubdade da Terra« bewegt sich deutlich zurückgelehnter um seine Call-and-Response-Figuren zwischen Gesang und Gitarre herum. Neben den typischen Elementen aus Gumbe und Afro-Zouk findet sich dabei auch eine zeitlose Weltläufigkeit. Das hat seine Gründe: Schon in den 70ern, kurz nach dem Ende der portugiesischen Kolonialherrschaft in Guinea-Bissau, stellte Neves als weibliche Sängerin der legendären Band Super Mama Djombo gesellschaftliche Normen infrage. Später prangerte sie in ihren Texten den Reichtum der politischen Elite an und wurde dafür mehrfach verhört und zensiert. Auch ihr Job als Bankangestellte tat dem umtriebigen Geist ihrer Musik keinen Abbruch. Dass all das in nur zwei Songs mitschwingt und gleichzeitig die flockigen Rhythmen nichts von ihrer Wärme einbüßen, darin liegt die Stärke von Dulce Neves und von dieser Platte.

T'chuba T'chiba