Manche Platten können die Welt auf einen Schlag vergrößern, auch wenn man glaubt, über den darauf abgebildeten Teil der Erde schon etwas zu wissen. In den vergangenen Jahren haben die Innovationen des Ethio-Jazz-Pioniers Mulatu Astatke größere Bekanntheit erlangt. Das Spektrum an Klängen der Compilation Ethiopian Music 1971 von Ragnar Johnson und Ralph Harrisson stellt dagegen die traditionellen Musiken des Landes vor. Der Ethnologe Johnson reiste im Juli und August 1971 mit Harrisson durch Äthiopien, um Field Recordings zu sammeln. Die Aufnahmen wurden in den Siebzigern auf Schallplatte veröffentlicht, ein Teil davon erschien 2017 als Wiederveröffentlichung bei Sub Rosa unter dem Titel Ethiopian Urban and Tribal Music: Mindanoo Mistiru / Gold From Wax. Nun hat das Label weitere Aufnahmen aus dieser Zeit herausgebracht, von denen nur ein Teil zuvor veröffentlicht wurde.
Man hört die Sängerin Mary Armede, die ihre heiser-tiefe Stimme im gut 13- minütigen »Love Song« an der banjoartigen Craar begleitet, die rhythmisch auffälligen Synkopen des »Tej Beit Songs“, die wie eine Riesenmaultrommel schnarrende Kastenleier Bagana. Oder den »Fila Flute Dance«, der Teil eines religiösen Rituals der Gidole-Bauern war. Wer wissen will, wie man mit den repetitiven Sounds der Washint-Eintonflöten eine Trance der heftigeren psychoaktiven Sorte erlangt, kann bei diesem Tanz furchtlos lauschen. Die Klangqualität ist klar und direkt. Hammer.

Ethiopian Musics 1971