Protestmusik braucht keinen Mitklatsch-Marschrhythmus. Sie braucht auch keine Hymne als Melodie. Sie kann sich einfach über einem entspannten polyrhythmischen Groove aus Bläsersätzen und Soli langsam entfalten. Wie Protest ja auch nicht bloß ein einziges Stadium kennt, sondern sich allmählich entwickeln kann. Der Afrobeat-Star Fela Kuti war auf solche musikalischen Protestformen spezialisiert, und Lekan Animashaun, der in Kutis Band Afrika 70 das Baritonsaxofon spielte, stand ihm darin in nichts nach.
Die Musik entfaltet sich auf seinem 1979 erschienenen Album Low Profile (Not for the Blacks) wie oben beschrieben, wobei es nicht ganz ohne Text zugeht. Nach knapp sechs Minuten beginnt ein Call-and-Response-Gesang, in dem die Worte des Albumtitels deutlich zu verstehen sind, doch auch die sind rhythmisch einigermaßen komplex; skandierte Parolen braucht Animashaun keine. Gute elf Minuten dauert die erste Seite mit »Low Profile«, dann ist fast alles gesagt. Knapp zwölf Minuten Zeit nimmt sich »Se Rere« von der Rückseite, mit einem Bläsersatz, der kaskadenartig absteigende Akkorde spielt. Später dann ebenfalls wieder Call-and-Response. Gegen die Botschaft des Titels kann man im Übrigen nichts haben. Sie lautet: Gutes tun.

Low Profile Not For The Blacks