Klar, auch in den Achtzigern war der Einfluss von Übervater Fela Kuti in Nigeria noch präsent. Nigeria 80 lässt aber ebenso wenig Zweifel daran, dass es erstens schon immer auch andere musikalische Traditionslinien gab und zweitens der Afrobeat weitergedacht wurde.
Ein Vierteljahrhundert nach Nigeria 70 bietet Nigeria 80 einen ebenso essenziellen Einblick in nigerianische Musik jenseits von Fela Kuti. »Se Rere« von Lekan Animashaun führt den klassischen Afrobeat vor, den Animashaun schon mit Fela Kutis Band Africa 70 spielte. Juju, ein populärer Stil in den 1970er- und 1980er-Jahren bekommt von Chief Commander Ebenezer Obey & His Inter-Reformers Band eine Funk-Injektion mit Wahwah. In »Ocheme Mia« präsentiert Prince Nico Mbarga eine modernisierte Highlife-Variante. Mit »Advice / Oge Chi KanmaG von I.C. Rock ist eine frühe Hip-Hop-Aneignung vertreten. Evi-Edna Ogholi experimentiert auf »The World« mit Reggae. In diesem Zusammenhang auffällt, dass hier mehr Frauen eine Stimme bekommen als auf früheren Ausgaben der Reihe. Auch daran zeigt sich Duncan Brookers kuratorische Arbeit. Nigeria 80 ist breit aufgestellt und auch deshalb wertvoll, weil die Originale meist kaum erhältlich sind.

Nigeria 80