Als Daniel Castrejón im Jahr 2006 Umor Rex gründete, folgte das mexikanische Label dem digitalen Ansatz vieler damaliger Netlabels und diente vorrangig als Plattform für Künstler:innen aus dem lateinamerikanischen Raum. Ab Beginn der 2010er-Jahre diversifizierte sich Umor Rex jedoch zunehmend. Till Human Voices Wake Us des iranischen Komponisten und Soundscapisten Siavash Amini war ein frühes Kassetten-Release und ist eines von vier Alben, die anlässlich des 20. Label-Geburtstags erstmals auf Vinyl erscheinen.
Amini hat sich mit Veröffentlichungen auf Labels wie Room40, Hallow Ground und American Dreams weltweit einen Namen gemacht. Die zehn Stücke auf Till Human Voices Wake Us sind bereits von den theoretischen Überlegungen und ästhetischen Prozessen geprägt, die spätere Werke auszeichnen sollten. Aminis Musik entsteht oft im Verbund mit anderen Kunstformen, von der Fotografie bis zur Literatur. Mit Feldaufnahmen, subtilen E-Gitarren-Melodien und viel digitaler Manipulation tritt Amini in einen Dialog mit dem Œuvre des modernistischen Schriftstellers T. S. Eliot.
Der Titel zitiert die letzte Zeile aus »The Love Song of J. Alfred Prufrock«, lässt jedoch die letzten Worte weg: »and we drown«. Diese fatalistische oder zumindest melancholische Note zieht sich dennoch als roter Faden durch das Album. Es ist ein dichtes und zugleich minimalistisches Werk, das Introspektion mit verdeckten expressionistischen Gesten verbindet – ein frühes Highlight in der Diskografie sowohl von Amini als auch Umor Rex.

Till Human Voices Wake Us