Review

Akira Umeda

1988-2018

Lugar Alto • 2023

Erstmal kurze geografische Einordnung, sie scheint notwendig, weil der Künstler Akira Umeda heißt. Wir befinden uns aber in Brasilien, nicht in Japan. In São Paulo, um genau zu sein, in Umedas Haus, wo diese Kassetten rumfuhren, aus dem sich der Wahnsinn, der »Akira Umeda (1988-2018)« ist, zusammensetzt. Weitere definitive Bestimmungen sind kaum zu machen. Akira Umeda war ein umtriebiger Mann, das hier zusammengetragene Material aus Musik und Non-Music spricht Bände. Weil: Was ist das? So ziemlich alles. Mindestens ein Einblick in ein sammelndes Hirn, aber sie ist viel mehr: Klangarchiv, atmosphärisches Destillat, Zeitdokument, Tagebuch, Schuhkarton, Dateichaos. Man wird von distorded House zu dieser Experience begrüßt und dann auf eine Reise durch tausend kleine Türchen geschickt, wird Zeuge dieser Zettelwirtschaft, bekommt das Gefühl, ein anderes Leben zu leben und gelebt zu haben, ist an ganz vielen Orten gleichzeitig, die aber im Archivierungswahn hier zu einem verdichtet wurden. Es ist, als würde man in ein Zimmer blicken, in dem Cartoons auf einer kaputten Videokassette laufen, hängen, sich verspulen, während es endlos im Widerhall eines Traumes an der Tür klingelt, irgendwo kommt Beat her, wabernd, lose. Suppenküchen, Telefonate von Geistern. Da ertönt ein Gameboy, dann Ficklaute, es kann dann zu so etwas wie brasilianischem Grunge kommen, alles verliert sich im Bandsalat, im Glitch, bevor sich Voice-Recordings in einer Codein-Session im Maschinenraum auflösen. Ein Trommel-Solo. Blade Runner. Enter The Void. Dreifach gebrochen schwebt hier jemand über dem eigenen Körper.