Wir wissen nicht, ob Tyondai Braxton gerne mit seinem Vater verglichen werden möchte: dem Multiinstrumentalisten Anthony Braxton, der seit Ende der 1960er-Jahre Free Jazz und zeitgenössische klassische Musik zusammenbringt. Aber genau wie der alte Braxton tanzt auch der jüngere auf vielen Hochzeiten: Er war Gründer von der Math-Rock-Band Battles und stieg gleich wieder aus. Dann komponierte er Orchesterwerke und Kammermusik. Auf seinem fünften Soloalbum Splayed Werks schlägt Braxton wieder einen Haken in eine andere Richtung.
Mit mathematischer Präzision stellt er elektroakustische Experimente an und liefert zusätzlich eine Handvoll elektronischer Tracks, die sich auch auf dem Dancefloor wohlfühlen. Das klingt verspielt und heimelig wie bei einer Klanginstallation, dann wiederum lässt Braxton die Breakbeats klöppeln, als wäre die Uhr 1995 stehen geblieben. Dazu gibt es komplex verschachtelte Tracks, zu denen Autechre wohlwollend mit den Köpfen nicken würden. Und immer wieder drängt sich der Name Aphex Twin als Referenzpunkt auf. Genau wie der hat auch Braxton seine Freude daran, den Todernst der elektronischen Musik mit seltsamen Zwischentönen zu sabotieren.

Splayed Werks