Music Review | verfasst 25.08.2020
Arşivplak
Mirror. Turkish Disco Folk
Arşivplak, 2020
Text Kristoffer Cornils
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Redaktion
Cover Arşivplak - Mirror. Turkish Disco Folk

Wer bitteschön ist Arşivplak? Die simple Antwort: Arşivplak ist ein Label, das allem Anschein nach zum erweiterten Umfeld von Mr. Bongo gehört und sich auf türkische Musik spezialisiert hat, von Disco bis Folk. Arşivplak ist aber auch das Pseudonym von irgendjemandem und diese Person(en?) schiebt (beziehungsweise schieben) zwischen Reissues von Özdemir Erdoğan, Şenay oder Barış Manço seit Gründung des Imprints im Jahr 2012 zunehmend Edits zwischen die Neuveröffentlichungen. Nach der LP »Moog Edits« aus dem Jahr 2016 folgt nun mit »Mirror« eine Platte, die sich der nicht so ganz offensichtlichen Verschränkung von Disco und Folk – gemeint sind eher folkloristische Motive und Instrumente denn klassisches, traditionelles Liedgut – in den 1970er und 1980er Jahren verschrieben hat. Discogs-Musik, die parallel zur verstärkten Rezeption türkischer und insbesondere anatolischer Musik in den vergangenen Jahren passt. Ein bestimmter psychedelischer Hauch liegt über den Dingen, der angefangen vom saturierten Funk (»Ah Halime, Ah«) über die bräsigen Synthie-Stabs und grellen Orgeltöne (»Nikriz Longa«) hin zu gniedeligen Saz-Motiven (»Seker Oglan«) und Jazz-Anleihen (»Fusion«) überwiegend auf instrumentaler Ebene ausgerollt wird: Gesang gibt es nur wenig zu hören, und wenn dann wird er ornamental in Tracks eingeflochten, von denen nicht wenige auf abgehangenen Hip-Hop-Beats platziert werden. Das verleiht »Mirror« einen nicht selten gespenstischen Charakter. Was wohl nur eben gut zur Geheimniskrämerei rund um das Projekt Arşivplak passt, die hier ein paar obskure Perlen durchaus konsequent neu aufbereitet haben.

»Mirror. Turkish Disco Folk« von Arşivplak findest du bei HHV Records: auf LP.
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