Review

Ana Frango Elétrico

Little Electric Chicken Heart

Mr Bongo • 2019

Sich kurz fassen muss man können. Ana Frango Elétrico hat diese Fähigkeit vergangenes Jahr auf ihrem halbstündigen Album »Me Chama De Gato Que Eu Sou Sua« demonstriert, mit charmant kondensiertem brasilianischem Boogie. Vier Jahre früher hatte das auf »Little Electric Chicken Heart« ebenfalls schon prima geklappt. Nur war die Platte nur in Brasilien und Japan erschienen. Das britische Label Mr Bongo hat nun Abhilfe geschaffen. Stilistisch knüpft Ana Frango Elétrico darauf stark an die Sechziger an, Rock, Jazz und Samba werden mit vermeintlich handgespielten Instrumenten sanft verschmolzen, gerne mit dabei: Bläsersätze aller Art, teils mit Effekten bearbeitet, oft in kammermusikalischer Konstellation eingesetzt. Geschrieben wird das Material überwiegend vom »elektrischen Huhn«, so die Übersetzung des Künstlernamens, selbst.

Von der historischen Notwendigkeit, dieses Album noch einmal in großem Stil zu veröffentlichen, kann man sich am besten überzeugen, wenn man es sich anhört. Gesang, Melodien, Arrangements, Groove: Alles stimmt, nichts klingt altbacken. Nostalgie mag dabei eine Rolle spielen, aber wenn es das herbeigesehnte Früher ohnehin nie gegeben hat, kann man streng genommen auch nichts einfach kopieren. Und selbst wenn: Ana Frango Elétrico macht spätestens mit ihrer Stimme ihr eigenes Ding daraus.