Review

Ana Frango Elétrico

Me Chama De Gato Que Eu Sou Sua

Mr Bongo • 2023

Wie es aussieht, war die Presse für Ana Frango Elétrico hierzulande bisher übersichtlich. Mit dem dritten Album der Künstlerin und Produzentin aus Rio de Janeiro gibt es jetzt Gelegenheit, das zu ändern. Ihre Neuinterpretation von brasilianischem Boogie präsentiert sich auf »Me Chama De Gato Que Eu Sou Sua« mit schlank swingenden Produktionen, doch fehlt in diesen Song nichts von dem, was in Música Popular Brasileira so zum Einsatz kommt: sei es die vielfältige Perkussion, Schlagzeug und Drum Computer inbegriffen, umfangreiche Bläsersätze oder bei Bedarf auch Streicher. Ana Frango Elétricos Stimme ist dabei, ihrerseits traditionell eingesetzt, charmant zurückhaltend in Ausdruck und Lautstärke, manchmal darf ein wenig Verzerrung ins Spiel kommen, eines der Details, mit denen die Musik in Erinnerung ruft, dass sie keine nostalgische Angelegenheit, sondern selbstbewusste Aneignung für die Gegenwart ist. So singt die nichtbinäre Ana Frango Elétrico unter anderem von heutigen Dingen wie Gender. Stilistisch knüpft sie funky an die Achtziger an, beschwört schwelgerisch-üppig die Sechziger herauf oder führt ihre Elemente einfach so zusammen, dass es vor allem nach heute klingt, das allerdings hörbar auf einem historischen Fundament stehend. Ana Frango Elétrico braucht dafür nicht sonderlich viel Zeit, zweinhalb oder drei Minuten genügen ihr in der Regel, um das unterzubringen, was sie in einem Song zu sagen hat. Macht eine gute halbe Stunde Platte, eine sehr gute sogar.