Music Review | verfasst 11.02.2021
Stella Chiweshe
Ambuya!
Piranha, 2021
Text Kristoffer Cornils
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Redaktion
Cover Stella Chiweshe - Ambuya!

Die Musik von Stella Chiweshe strahlt dermaßen viel Freude aus, dass sich darüber schnell die Widrigkeiten vergessen ließen unter denen sie entstanden ist. Als sie im Teenage-Alter dem Sound der Mbira verfällt, herrscht nach Jahrzehnten britischen Kolonialismus in ihrer Heimat politisches Chaos und sogar Bürgerkrieg. Auch die rechtliche Situation für Frauen ist weiterhin miserabel: Als die das Gros der auf der vor drei Jahren veröffentlichten Compilation »Kasahwa: Early Singles« versammelten Songs bereits veröffentlicht hat und sie zum Star aufgestiegen ist, wird den Frauen des noch jungen Staats Simbabwe erst das Wahlrecht zugesprochen. Auch dass sie die Mbira spielt, ist ungewöhnlich, um nicht zu sagen revolutionär: Von der Kirche wurde diese verfemt, Auftrittsmöglichkeiten boten sich insbesondere für Frauen nur im Rahmen illegaler Zeremonien. Im Jahr 1987 aber gestaltet sich die Situation bereits anders und das nicht nur, weil Chiweshe mittlerweile auch in Westberlin lebt. Nach über einem Jahrzehnt im offiziellen und legalen Geschäft veröffentlicht sie mit »Ambuya?« ihr Debütalbum als zweite Katalognummer auf dem deutschen Label Piranha. Die Zeiten stehen günstig: Der World-Music-Hype ist auf seinem Zenit, die bleiche Wohlstandsgesellschaft holt sich begierig als traditionell missverstandene Musikstile ins Wohnzimmer. Dank Thomas Mapfumo und den Bhundu Boys ist das Publikum auch mit Mbira-Klängen und Rhythmen aus Simbabwe vertraut. Chiweshe allerdings entscheidet sich zu einem radikalen Schritt und elektrifiziert ihre Mbira. Das Lamellofon erlebt seinen Dylan-Moment. So klingen dann auch die neun Stücke auf »Ambuya?« dann auch kaum noch nach den auf »Kasahwa« versammelten, roh und ad hoc produzierten Aufnahmen. Sie schmiegen sich allerdings auch nicht an den glattpolierten World-Music-Ästhetik an, die vermeintlich primitive Stile in die Hochglanzästhetik der Produktionsstandards des Globalen Nordens einzumeiden versuchte. Dass das um Aufnahmen aus einer Peel-Session erweiterte Reissue im Titel also das zaghafte Frage- durch ein bestimmtes Ausrufezeichen ersetzt, ist nur folgerichtig: Die Musik Chiweshes bleibt weiterhin fordernd und energisch, widerständig auf mehr als einer Ebene.

»Ambuya!« von Stelle Chiweshe findest du bei HHV Records: LP.
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