Music Review | verfasst 14.06.2021
Mind Maintenance
Mind Maintenance
Drag City, 2021
Text Tim Caspar Boehme , Übersetzung Sebastian Hinz
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Redaktion
Cover Mind Maintenance - Mind Maintenance

Seit gut einem Jahr wird man darauf gestoßen, wie wichtig es ist, nicht durchzudrehen. Besonders eindrücklich da, wo Einzelne unter der ganzen Last, die derzeit zu tragen ist, wunderlich werden, bevorzugt in ihrer Weltsicht. Der Verstand scheint dann heißzulaufen und die erstaunlichsten Ansichten hervorzubringen. Vom Segen der Pflege des eigenen Geistes wusste man schon früher, entwickelte Ideen dazu wie die antike Stoa oder, bis heute beliebt, Yoga. Vielleicht ist sogar auch etwas dran an der alten Harmonielehre der Pythagoreer, nach der Seele und Töne in den gleichen Proportionen geordnet sind. Hört man das Album von Mind Maintenance, dem über Jahrzehnte in unterschiedlichen Konstellationen erprobten Duo von Joshua Abrams und Chad Taylor, könnte man das als klingenden Beweis nehmen. Die Musik der beiden, Abrams an der dreisaitigen Laute Gimbri und Taylor an der Mbira, dem Daumenklavier, ist Ruhe. Punkt. Scheinbar endlos wiederholte kleine Figuren sind die Hauptzutat ihrer Übungen in Geisteserhalt, die auf der Stelle zu treten scheinen und sich dennoch weiterbewegen. Nie hektisch, stets gemessen. Wie Minimalismus, doch ist es vielleicht gerade die Kombination dieser archaischen Instrumente, deren Kombination, heißt es, nicht üblich ist, die dafür sorgt, dass sie gemeinsam eine stille Kraft entwickeln, die unmittelbar auf einen wirkt. Musik hat ja, anders als andere Künste, diesen direkten Draht zu Psyche und Körper, kann alles Mögliche lostreten, erwünscht wie unerwünscht. Mind Maintenance machen das auch, sprechen zu einem, ohne sich aufzudrängen. Sie überzeugen einfach über die Ohren.

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