Music Review | verfasst 24.05.2012
Beach House
Bloom
Bella Union, 2012
Text Grashina Gabelmann , Übersetzung John Luas
Deine Bewertung:
9.0
Nutzer (3)
8.5
Redaktion
Cover Beach House - Bloom

Zwei Jahre sind vergangen seit Beach House ihr drittes Album »Teen Dream« veröffentlicht haben. Das Album verschaffte dem Dream-Pop-Dream-Team bestehend aus Alex Scally und Victoria Legrand, in den USA einen Plattenvertrag beim großen Indie-Label Sub Pop und eine breite internationale Fanbase. So ist ihr aktuelles Release »Bloom« begleitet von Fragen wie: Wie werden sie auf diesen großen Erfolg reagieren? Wie kann dieser überhaupt noch gemehrt werden? Schnell stellt sich aber heraus, dass Beach House nicht etwa einer musikalischen Mid-Life-Crisis erlegen sind und verzweifelt nach einem neuen Sound suchen, sondern sich einfach nicht beirren lassen. Die verträumte, zerstreute Atmosphäre bleibt bestehen, genau wie Legrand’s drückende Stimme, Scully’s hypnotische Gitarren und glitzernde Synthesizer. Aber mit »Bloom« haben die beiden auch ein mitreißendes Storytelling eingeführt. »Myth«, der Opener des Albums, ist ein untypisch düster-trostloser Start in ein Album bei dem Scully’s Gitarre faul, beinahe depressiv-repititiv durch den Song zittert und Legrand fragt: »What comes after this momentary bliss?« – eine Frage, die die bittersüße, märchenhaft-groteske Stimmung des gesamten Albums einläutet. Mit Texten wie »Tiny fingers on the edges/ Watch it unravel pulling everything apart» und »The walls are shaking in their skin« auf dem hypnotischen Track »Troublemaker« wird das Thema Zerbrechlichkeit etabliert. Ein weiteres Highlight des Albums ist »Wild«: Die atemlosen Synthesizer zu Beginn werden mit erhebenden Instrumenten durchtränkt, nur um uns gleich mit Texten wie diesen wieder fallen zu lassen: »My mother said to me that I would get in trouble/ Our father won’t come home, cause he is seeing double.« Das Album punktet mit einer quälenden Intimität, die dem Hörer erlaubt durch ein Schlüsselloch eines mit Erinnerungen gefüllten Raums zu blicken, ohne jemals hereingebeten zu werden. Es bietet so zwar keinen neuen Sound, aber ist ein Hohelied auf Beach House’ schauriges Storytelling, das die Kraft hat die Zeit für einen Moment anzuhalten.

Das Album »Bloom« von Beach House findest du bei hhv.de als 2LP und CD.
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 30.06.2017
Beach House
B-Sides and Rarities
Beach House verkürzen das Warten auf ihr nächstes Album mit einer Zusammenstellung von »B-Sides and Rarities«.
Music Porträt | verfasst 18.05.2012
Beach House
Panoramablick des Subjektiven
Niemand derzeit in der Popmusik spielt das Unnahbare und gleichzeitig Intime so perfekt aus wie das Duo Beach House aus Baltimore. Mit ihrem vierten Album »Bloom« schreiben sie nun diese Erfolgsgeschichte in die Breite fort.
Music Review | verfasst 31.08.2015
Beach House
Depression Cherry
Auf »Depression Cherry« finden Beach House wieder zu ihrer um Melodien gebauten Schlichtheit zurück.
Music Review | verfasst 10.11.2015
Beach House
Thank Your Lucky Stars
Beach House überraschen mit einem zweiten Album binnen eines Jahres, »Thank Your Lucky Stars« übertrumpft dabei sogar das erste.
Music Review | verfasst 03.05.2011
Fleet Foxes
Helplessness Blues
Die Fleet Foxes machen in Sachen Klang und Weltmschmerz einfach da weiter, wo sie mit ihrem Debüt vor drei Jahren aufhörten.
Music Review | verfasst 06.04.2017
Father John Misty
Pure Comedy
Father John Misty hat mit »Pure Comedy« seinen Sound gefunden und einen komplexen Brocken menschlicher Empfindungen geschaffen.
Music Review | verfasst 15.06.2018
Father John Misty
God's Favorite Customer
Kompakter, fokussierter und nicht ganz so zynisch lotet Father John Misty auf »God’s Favorite Customer« die Untiefen der Zweisamkeit aus.
Music Review | verfasst 29.09.2011
Memoryhouse
The Years EP
Es gibt Neues aus dem Dream-Pop-Lager: Auf die Band Memoryhouse halten Experten derzeit große Stücke.
Music Review
Spelling
The Turning Wheel
Ihre Songs sind Gebilde, die allerlei wunderliche Triebe sprießen lassen. Spelling legt mit »The Turning Wheel« ein neues Album vor.
Music Review
Various Artists
No Photos On The Dancefloor! Vol.1
Die Compilation zur Ausstellung »No Photos On The Dancefloor!« zeigt, zwischen 1992 und 2006 war Techno in Berlin vielseitiger als gedacht.
Music Review
Flamingo Pier
Flamingo Pier LP
Zeit für gute Laune: das neuseeländische Dreigespann Flamingo Pier legt auf Soundway sein Debütalbum vor.
Music Review
Loveshadow
Loveshadow
Das bei Music From Memory veröffentlichte Debüt des kalifornischen Duos Loveshadow ist ein Album zum Liebemachen am Strand.
Music Review
Loscil
Clara
Wie der Blick in den nächtlichen Sternenhimmel: der kanadische Musiker Loscil hat mit »Clara« ein neues Album veröffentlicht.
Music Review
Mind Maintenance
Mind Maintenance
Joshua Abrams und Chad Taylor nehmen Gimbri und Mbira zur Hand und üben sich als Mind Maintenance in Gelassenheit.
Music Review
Mad Voice
Drogen / Ohne Liebe Leben
Wiener Brut veröffentlicht die 1982er Single »Drogen / Ohne Liebe Leben« von Mad Voice neu. Da dreht sich der goldene Reiter im Kreis.
Music Review
Resilient Vessels
Live At The Cell
Vier Musiker haben sich im letzten Jahr zusammengetan um als Resilient Vessels mit »Live At The Cell« ein fulminantes Jazzalbum aufzunehmen.
Music Review
Michal Turtle & Suso Saiz
Static Journey
Schlagzeuger Michal Turtle und Gitarrist Suso Saiz haben sich für eine innere Reise und das Album »Static Journey« zusammengefunden.
Music Review
Hailu Mergia & The Walias Band
Tezeta
»Tezeta«, das ursprünglich 1975 nur auf Kassette erschienene erste Album von Hailu Mergia, ist nun bei wiederveröfffentlicht worden.
Music Review
Mndsgn
Rare Pleasure
Mit »Rare Pleasure« beendet Mndsgn seine Verwandlung vom Beatmaker zum Songwriter. Schmusiger RnB zwar, aber inhaltlich komplex.
Music Review
Guilherme Lamounier
Guilherme Lamounier (1973)
Das zweite Album von Guilherme Lamounier, ein Meisterwerk des brasilianischen Psychedelic-Folk, wurde bei Mad About wiederveröffentlicht.
Music Review
Skee Mask
Pool
Im diffusen Genrebrei zwischen IDM, Techno und Dub klingt niemand wie Skee Mask. Sein neues Album »Pool« unterstreicht die Ausnahmestellung.
Music Review
Renata Lú
Renata Lú
Renata Lú ist eine der unbekannten Stimmen Brasilien. Ihr selbstbetiteltes Debüt aus dem Jahr 1971 wurde bei Mad About wiederveröffentlicht.
Music Review
Pan Daijing
Jade
Kurze Meditationen über die Qual: Pan Daijing aus Shanghai legt mit »Jade« ihr zweites Album vor.
Music Review
The Frank Derrick Total Experience
You Betcha!
»You Betcha!«? Noch nie gehört? Solltest du aber! Das Album The Frank Derrick Total Experience gilt unter Jazz-Heads zurecht als Klassiker.
Music Review
Les Filles De Illighadad
At Pioneer Works
Musik aus Niger, eingespielt in New York: »At Pioneer Works« ist das erste Album der Filles de Illighadad seit langem.
Music Review
Panta Rex
Lefty
Panta Rex meldet sich mit der EP »Lefty« auf Noorden zurück, der Name ist Programm: Dem Dancefloor wird sich von dessen Außenrand genähert.
Music Review
Sons Of Kemet
Black To The Future
Sons Of Kemet haben mit »Black To The Future« einen weiteren Fingerzeig dahingehend veröffentlicht, was Afro-Jazz heute bedeutet.
Music Review
José Mauro
A Viagem Das Horas
José Mauro lebt! Wusste auch niemand, als sein Debütalbum neu aufgelegt wurde. Nun folgt das Reissue von »A Viagem Das Horas« auf Far Out.
Music Review
Various Artists
Extra Muros: Italy
Die Kollaborations-Compilation »Extra Muros: Italy« brachte fünf Musiker*innen – Benoit B Dena, Dona, Eva Geist und Jolly Mare – zusammen.
Music Review
Bruxas
Muscle Memory
Jacco Gardner und Nic Mauskovic sind Bruxas, »Muscle Memory« ist das Debüt des Psych-Disco-Projekts und sowieso die Platte des Sommers.
Music Review
Mustafa
When Smoke Rises
Jamie xx, Sampha, James Blake und Drake als Feature-Gäste? Nur auf Mustafas »When Smoke Rises«, einem eindringlich-erzählerischen Album.
Music Review
Sandra Sa
Vale Tudo
Brasilianischer Boogie Funk bleibt entwaffnend und Sandra Sas 1983 veröffentlichtes Album »Vale Tudo« eines seiner Meisterwerke.
Music Review
Drab Majesty
Unknown To The I
»Unknown to the I« bietet den idealen Einstieg in das Universum des Duos Drab Majesty: Verträumter New Wave in drei Stücken.
Music Review
Fly Pan Am
Frontera
»Frontera« von Fly Pan Am ist in dramaturgischer Hinsicht vorhersehbar aufgebaut und doch das beste Album der Constellation-Band überhaupt.
Music Review
Mdou Moctar
Afrique Victime
Mdou Moctars Domino-Debüt »Afrique Victime« ist gleichzeitig von Eddie van Halen und Neokolonialismus inspiriert. Und unerhört eindringlich.
Music Review
Arovane
Atol Scrap
22 Jahre hat es gedauert, bis mit »Atol Scrap« von Arovane eine der besten deutschen Electronica-LPs der 1990er auf Vinyl erscheint.
Music Review
Massimiliano Pagliara
Connection Lost Pt.3
Der dritte Teil von Massimiliano Pagliaras »Connection Lost«-Serie ist wieder einmal überragend ausgefallen, bleibt aber ambivalent.
Music Review
McKinley Dixon
For My Mama And Anyone Who Look Like Her
McKinley Dixon kann kein unbeschwertes Leben führen, drüber rappen aber allemal. »For My Mama And Anyone Who Look Like Her« bietet einiges.
Music Review
Alessandro Cortini
Scuro Chiaro
Alessandro Cortini dreht auf »Scuro Chiaro« den Gefühlsregler gewohnt hoch. Es ist aber auch eines seiner abwechslungsreichsten Alben.
Music Review
Various Artists
GOST: A Spiritual Exploration Into Greek Soundtracks (1975-1989)
Die auf Into The Light erschienene Compilation »GOST« versammelt wundersame Filmmusik aus Griechenland.
Music Review
P!OFF?
P!OFF?
Von ihrem Debüt verkauften P!OFF? im Jahr 1982 gerade einmal 600 Exemplare. Zum Glück hat Bureau B die Platte wieder aufgelegt!
Music Review
Umwelt
Fear On The Dark Planet
Umwelt ist immer Underground geblieben. Seine EP »Fear On The Dark Planet« für Midnight Shift ist hoffnungsvoller als ihr Titel verspricht.
Music Review
Trees Speak
PostHuman
Brauchen wir noch Neuauflagen vergangener Epochen? Wenn sie so einnehmend klingen wie auf Trees Speaks »PostHuman«: gerne doch.
Music Review
Jayda G
DJ-Kicks
Erst die Tunes, dann die Vibes, am Ende der Cooldown: Die DJ-Kicks-Ausgabe von Jayda G ist konventionell aufgebaut und steckt voller Perlen.
Music Review
St. Vincent
Daddy's Home
Die Vorab-Singles zu St. Vincents mittlerweile sechstem Album »Daddy’s Home« waren verwirrend, das Album als Ganzes ist es aber keineswegs.
Music Review
Sun Ra
Lanquidity
Die als umfassendes Reissue erhältliche »Lanquidity« könnte Sun Ras beste LP sein, hätte er nicht so viele andere Meisterwerke hingelegt.
Music Review
Roland P. Young
Hearsay I-Land
Mitte der 1980er legte sich der Jazzmusiker Roland P. Young eine neue Identität als Popper zu, die auf »Hearsay I-Land« dokumentiert wird.
Music Review
The Master Musicians Of Joujouka
Live In Paris
»Live In Paris« wurde 2016 aufgenommen und erscheint ein halbes Jahrhundert, nachdem die Welt den Master Musicians of Joujouka anheim fiel.
Music Review
Squid
Bright Green Field
Auf ihrem Debüt »Bright Green Field« entwirft die eklektische Band Squid das Gegenteil von dem, was Cover und Titel versprechen.