Music Review | verfasst 23.05.2014
Ben Frost
Aurora
Mute, 2014
Text Björn Bischoff , Übersetzung Julia Frohn
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8.5
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8.6
Redaktion
Cover Ben Frost - Aurora

Der amerikanische Schriftsteller Howard Phillips Lovecraft schrieb 1925: »Die Anziehungskraft des Gespenstisch-Makabren ist im allgemeinen begrenzt, denn es verlangt vom Leser ein gewisses Maß an Einbildungskraft und die Fähigkeit, sich vom Alltagsleben zu lösen.« Und während sich H.P. Lovecraft damit auf die Horrorliteratur seiner Zeit bezog, hat der australische Produzent Ben Frost 89 Jahre später mit der Anziehungskraft kein Problem. Denn sein neues Album »Aurora« verschlingt, umhüllt, vertilgt. (Ben Frost selbst lebt mittlerweile in Island.) Neun Songs hat Ben Frost hier zusammengefügt, die einer Urgewalt gleichkommen. In »Venter« baut er Stück für Stück den Strom auf, bevor das Stück zusammenbricht und aus dieser Dekonstruktion sich eine simple Melodie entspinnt. Diese Platte ist ein Monolith, ein glitzerndes Monstrum, dessen Schwarz noch die finsterste Nacht schluckt. Alleine der Sprung von »Flex« auf »Nolan«, wenn in dieses kleine Stück Atmosphäre auf einmal Noise einfährt, raubt den Atem. Mit »The Teeth Behind Kisses« hat Frost dieses Album selbst schon perfekt beschrieben, denn jede liebliche Umarmung entpuppt sich am Ende als Umklammerung. Minimalismus, Kunst, Ambient und Experimental bestimmen hier die Dinge, doch Frost verbindet nicht, was nicht zusammenpasst. »Aurora« fühlt sich zu keiner Zeit verkopft oder verkrampft an. Frost pflanzt und lässt wachsen ohne Einzugreifen. Die Stille bricht einem am Ende hier genauso die Knochen wie die lautesten Krach-Aufwartungen. Dazwischen wieder und wieder einzelne Melodien. Atmosphäre ist alles und diese Platte hat ihre eigenen Geister, mit denen sie aber nicht kämpft, sondern sie in das Nichts entlässt. Ihre Schreien, das Wehklagen und die Angst finden sich allesamt auf diesem Album. Sie sind der Kern, der die unglaubliche Anziehungskraft von »Aurora« entstehen lässt. Der Preis dafür: Ein Stück des eigenen Verstandes. Doch dafür hört man auf diesem Album das Knirschen im Gebälk der Erde. Und es ist wahnsinnig schön.

Das Album »Aurora« von Ben Frost findest du bei hhv.de: 2LP und 2LP Coloured Vinyl Edition und LP+CD.
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