Music Review | verfasst 01.07.2015
DJ Rashad
6613
Hyperdub, 2015
Text Kristoffer Cornils
Deine Bewertung:
9.0
Nutzer (1)
8.7
Redaktion
Cover DJ Rashad - 6613

Über ein Jahr ist seit dem überraschenden Tod Rashad Hardens vergangen und nicht nur seine Teklife-Crew, sondern auch sein britisches Label Hyperdub kümmern sich weiterhin rührend um seine Familie und den Nachlass der Footwork-Legende, die mit dem Album »Double Cup« die Messlatte fürs Game noch mal gut zwei Meter höher geschraubt hat. Auch die Verkaufserlöse des zweiten postum erscheinenden DJ Rashad-Releases »6613« gehen an die Hinterbliebenen des Chicagoers, der den bassmächtigen, zu absurden Verrenkungen animierenden Tanzstil aus der House-Hauptstadt der Welt so entschieden mitgeprägt hat. Der gute Zweck und die schöne Würdigung sind bei postumen Releases aber eben nur eine Seite der Medaille, wie wir nicht erst seit der zum Teil absolut überflüssigen Resteverwertung von jeder noch so fitzeligen 2Pac-Aufnahme oder der Tagebuchfledderei und Biopicisierung Kurt Cobains wissen. Der gemeinsam mit Dauerkollaborateur DJ Spinn produzierte Opener »CCP2« scheint dann leider zu bestätigen, dass Hyperdub sich nicht scheut, Halbgarheiten aufzulegen. Das zackig funkende Juke-Stück bringt zwar alles mit, was einen DJ Rashad-Track groß macht – die Soulfoulness, die irren Grooves, die launischen Chords –, fühlt sich im Gesamten aber unfertig an. Anders dann aber »Cause I Know U Feel«, der gemeinsam mit dem Dance Mania-Alumnus Gant-Man entstand: Ein hymnenhaftes Vocal-Sample, irrwitzige 808-Kicks und jaulende Synthie-Lines machen diesen Track zu einem der besten aus DJ Rashads Backkatalog. Auf der Flip kündigt allein das verhackstückelte Trance-Intro von »Ya Hot« an, dass der Ton nur böser werden kann. Die Hi-Hats zischeln und die Half-Time kickt den Körper aus der Sicherheitszone. Ähnlich groß und mächtig ist der wie »Ya Hot« gemeinsam mit DJ Spinn, Taso sowie in diesem Fall DJ Manny entstandene Rausschmeißer »Do Not Fuck«. Nervöser Störgeräusch-Jazz auf wummernden Bässen – ein abgründiger Abschluss für eine EP, die weit mehr als ein Betroffenheitsartefakt ist. »6613« beweist wieder einmal, dass DJ Rashad nicht nur Pionier, sondern auch Avantgardist des von ihm entschieden mitgeprägten Genres war. Obwohl ProduzentInnen wie Jlin mittlerweile die Messlatte noch höher schrauben, wird DJ Rashads seinen Schatten weiterhin auf Footwork werfen. Umso besser, denn dort gilt schließlich: Competition ist gut fürs Geschäft.

Die EP »6613« von DJ Rashad findest du bei hhv.de: 12inch.
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 28.10.2013
DJ Rashad
Double Cup
Rashad vereint Jungle, UK-Bass-Musik und R&B-Samples unter dem Footwork-Schirm. Der breitet sich indes über Europa aus.
Music Interview | verfasst 28.10.2013
DJ Rashad
»We Want You To Shake Your Ass«
DJ Rashad ist ein Kind von Footwork und gleichzeitig ist Footwork sein Kind. Ein Gespräch mit einem Mann, der das Genre lebt wie kaum ein anderer und erlebt, wie es 15 Jahre nach seiner ersten Hochphase endgültig den Durchbruch schafft.
Music Review | verfasst 25.07.2013
DJ Rashad
I Don't Give A Fuck EP
Diese EP sollte mit Warnmeldung herausgegeben werden: Footwork-Bomben und Pon-Di-Floor-Gabba, keine Kompromisse.
Music Review | verfasst 15.05.2014
Various Artists
Hyperdub 10.1
Zum 10. Geburtstag von Hyperdub gibt es gleich vier Compilations mit verschiedenen Schwerpunkten.
Music Review | verfasst 23.09.2014
V.A.
Hyperdub 10.3
Der dritte Teil der Jubiläums-Compilation zum zehnjährigen Bestehen von Hyperdub widmet sich melancholischen und atmosphärischen Klängen.
Music Review | verfasst 22.07.2015
Jessy Lanza, DJ Spinn & Taso
You Never Show Your Love EP
Nach einer kleinen, verdienten Pause meldet sich Jessy Lanza mit Teklife’s DJ Spinn und Taso als Producer.
Music Review | verfasst 06.11.2015
Kode9
Nothing
Mit »Nothing« hat es Kode9 auf die Abwesenheit des Menschen abgesehen. Das Album ist dennoch eine höchst lebendige Angelegenheit.
Music Review | verfasst 14.11.2016
DJ Taye
Move Out - 12"
DJ Taye zeigt mit »Move Out« – seiner zweiten 12" für Hyperdubm – wie vielfältig und spannend Footwork sein kann. Und vor allem wie groovy!
Music Review
Ziad Rahbani
Bennesbeh Labokra… Chou?
Mit der Reissue zu »Bennesbeh Labokra… Chou?« erweitert WeWantSounds den Blick auf das Schaffen des libanesischen Musikers Ziad Rahbani.
Music Review
Electric Party
Play
Mit »Play« veröffentlicht das Label Knekelhuis neun Stücke aus den Achtzigern der niederländischen Band Electric Party.
Music Review
Niklas Wandt
Balearische Bibliothek
Mit »Balearische Bibliothek« schafft Niklas Wandt einmal mehr Musik, in der sich Natur und Zivilisation auf Augenhöhe begegnen.
Music Review
Sophia Kennedy
Monsters
»Monsters«, das soeben bei City Slang veröffentlichte zweite Album von Sophia Kennedy, steht ihrem großartigen Debüt in nichts nach.
Music Review
Chihei Hatakeyama
Late Spring
Auf seinem fast 80. Album macht der japanische Ambient-Künstlers Chihei Hatakeyama nicht viel anders als zuvor, das aber sehr gut.
Music Review
Kasai Allstars
Black Ants Always Fly Together; One Bangle Makes No Sound
Eine neue Leichtigkeit ist auf »Black Ants Always Fly Together; One Bangle Makes No Sound«, dem neuen Album der Kasai Allstars zu hören.
Music Review
Roman Flügel
Eating Darkness
Das Beste kommt erst noch! Sagt zumindest Roman Flügel, der mit mit »Eating Darkness« für Running Back die grauen Wolken vertreiben möchte.
Music Review
Anthony Linell
Winter Ashes
Vorhang auf, Frühling! »Winter Ashes« von Anthony Linell ist, was übrig blieb. Und diese Musik wird uns auch noch eine Weile begleiten.
Music Review
Haftbefehl
Das Schwarze Album
Auf »Das Schwarze Album« wird der Offenbacher Rapper Haftbefehl vom Hollywood-Boss zum Türsteher der Höllenpforte.
Music Review
Vinicio Adames
Al Comienzo Del Camino
Nach 35 Jahren wurde »Al Comienzo Del Camino« des venezolanischen Elektronikpioniers Vinicio Adames wiederveröffentlicht.
Music Review
Michael Paul
Reggae Music
»Reggae Music«, der wirklich einzige Song von Michael Paul, wurde jetzt bei Kalita Records auf Vinyl 12" wiederveröffentlicht.
Music Review
Joseph Shabason
The Fellowship
Das wäre dann wohl die Fifth World: der kanadische Trompeter Joseph Shabason legt sein neues Album »The Fellowship« vor.
Music Review
Dinosaur Jr.
Sweep It Into Space
»Sweep It Into Space« ist ein typisches Album von Dinosaur Jr. und das beste seit vielen Jahren.
Music Review
The Basic Group
Expander
Unter dem Namen The Basic Group hat der Italiener Antimo Serino in den Achtzigern Musik komponiert. »Expander« fasst zehn Stücke zusammen.
Music Review
The Zenmenn
Enter The Zenmenn
Ein weiteres Debüt auf Music From Memory: »Enter The Zenmenn« von The Zenmenn breitet demonstrativ die Yogamatte aus.
Music Review
Der Plan
Save Your Software
»Save Your Software«, das nie veröffentlichte Album von Der Plan aus 1989, erhält jetzt doch noch einen Platz in deinem Plattenregal.
Music Review
Ssiege
Meteora
Niemand weiß so genau, wer hinter Ssiege steckt. Eins ist klar: neue Tracks sind jetzt unter dem Titel »Meteora« bei Knekelhuis erschienen.
Music Review
José Carlos Schwarz & Le Cobiana Djazz
Lua Ki Di Nos
Mit »Lua Ki Di Nos« blättert das Label Hot Mule das Leben des Poeten, Musikers und Widerstandskämpfers José Carlos Schwarz lohnenswert auf.
Music Review
Andy Stott
Never The Right Time
Zack! Ohne große Ankündigung hat der Mancurian Andy Stott mit »Never The Right Time« ein neues Album veröffentlicht.
Music Review
Kenny Mann with Liquid Pleasure
Kenny Mann with Liquid Pleasure
Mad About hat das vielgesuchte »Kenny Mann with Liquid Pleasure« wiederveröffentlicht.
Music Review
Masabumi Kikuchi
Hanamichi
Acht Jahre nach den Aufnahmen erscheint mit »Hanamichi« das letzte Album des japanischen Jazzpianisten Masabumi Kikuchi.
Music Review
Various Artists
Indaba Is
»Indaba Is«, die neueste Compilation von Gilles Peterson Brownswood Label, wirft die Scheinwerfer auf die südafrikanische Jazzszene.
Music Review
Francisco Mora Catlett
Mora! I
»Mora! I«, das Debüt des amerikanischen Schlagzeugers und Percussionisten Francisco Mora Catlett von 1986 wurde wiederveröffentlicht.
Music Review
Francisco Mora Catlett
Mora! II
Dubioser als der Erstling, ist dieser lange verschollene Nachfolger. Jetzt wurde »Mora! II« von Francisco Mora Catlett wiederveröffentlicht.
Music Review
Ryley Walker
Course In Fable
Musikalische Meisterschaft in jungen Jahren: zum neuen Album »Course In Fable« von Riley Walker.
Music Review
Mori-Ra
Japanese Breeze
»Japanese Breeze« kondensiert 12 Tracks aus der gleichnamigen Mix-Serie von Mori-Ra.
Music Review
Eloquent & Sonne Ra
Im In Hier
Die Attitude schreit Underground, der Mainstream fickt sich ins Knie. Eloquent & Sonne Ra veröffentlichen »Im In Hier« auf Sichtexot.
Music Review
Hudson Mohawke
Hudson's Heeters Vol.1
»HipHop, der klingt, als hättest du davon geträumt, HipHop zu hören« – Hudson Mohawkes legendäres Demo-Tape erscheint erstmals auf Vinyl.
Music Review
Flock Of Dimes
Head Of Roses
»Head Of Roses«, das zweite Soloalbum von Wye Oak’s Jenn Wasner, beleuchtet weise die Liebe in Zeiten unendlicher Wahlfreiheit.
Music Review
Godspeed You! Black Emperor
G_d’s Pee AT STATE’S END
»G_d’s Pee AT STATE’S END« ist das siebente Album der Kanadier von Godspeed You! Black Emperor und ihr bestes seit langem.
Music Review
Luca Yupanqui
Sounds Of The Unborn
Pränatale Kinderarbeit? »Sounds Of The Unborn« von Luca Yupanqui ist das erste Album einer ungeborenen Künstlerin.
Music Review
Jimi Tenor
Deep Sound Learning (1993-2000)
Bureau B hat unveröffentlichtes Material von Jimi Tenor geborgen und unter dem Titel »Deep Sound Learning (1993-2000)« veröffentlicht.
Music Review
Robbie Basho
The Art Of The Acoustic String Guitar 6 & 12
Robbie Basho gilt als Pionier der Steel Guitar. Jetzt wurde das tolle »The Art Of The Acoustic String Guitar 6 & 12« wiederveröffentlicht.
Music Review
Rogér Fakhr
Fine Anyway
Mit »Fine Away« hat das Label Habibi Funk Songs des libanesischen Songwriters Rogér Fakhr zusammengestellt und wiederveröffentlicht.
Music Review
S. Fidelity
Fidelity Radio Club
»Fidelity Radio Club« von S.Fidelity ist eine Melange aus Now-School-Rap, House und Funk, die den Produzenten als Schlüsselfigur entdeckt.
Music Review
Various Artists
Belong To The Wind
Ein Mix aus Peyote-Saft am Canapé und Kerzenschein beim Schlager-Open-Air: »Belong To The Wind« versammelt obskuren Psychrock der Siebziger.
Music Review
Tomaga
Intimate Immensity
Tomaga haben jetzt ihr letztes Album veröffentlicht. »Intimate Immensity« ist der Abschluss und der Höhepunkt dieses tollen Londoner Duos.
Music Review
Niko Tzoukmanis
Hope Is The Sister Of Despair
Erstmals 2013 erschienen, ist »Hope Is The Sister Of Despair« von Niko Tzoukmanis jetzt auf Libreville Records wiederveröffentlicht worden.
Music Review
Robert Cotter
Missing You
»Missing You«, 1976 veröffentlicht und von Robert Cotter mit Musikern von Chic aufgenommen, wurde auf WeWantSounds wiederveröffentlicht.
Music Review
Gary Bartz, Adrian Younge & Ali Shaheed Muhammad
Jazz Is Dead 006
Diesmal haben sich Adrian Younge und Ali Shaheed Muhammad den Saxophonisten Gary Bartz für »Jazz Is Dead« auf die Bühne geholt.
Music Review
Gotham (Talib Kweli & Diamond D)
Gotham
»Gotham« heißt das gemeinsame Werk von Talib Kweli und Diamond D, welches ganz der Stadt New York City gewidmet ist, ohne zu verklären.