Music Review | verfasst 06.11.2015
Albert Mangelsdorff
Mainhattan Modern
Sonorama, 2015
Text Jan Paersch
Deine Bewertung:
8.0
Nutzer (1)
6.7
Redaktion
Cover Albert Mangelsdorff - Mainhattan Modern

Auf dem Frontcover: ein tadellos gekleideter Albert Mangelsdorff, abgebildet vor der Silhouette von Frankfurt. Das Artwork dieser Zusammenstellung spricht eine deutliche Sprache – Jazz-Hipster gab es in den 1950er Jahren nicht nur in New York City. 6.200 Kilometer entfernt im deutschen »Mainhattan« wurde der sogenannte »Frankfurt Sound« von Albert Mangelsdorff und seinem Bruder Emil Mangelsdorff geprägt. Der Posaunist sollte zu einem der wenigen deutschen Jazzmusiker von Weltformat wachsen. Bevor ihm der internationale Durchbruch mit Aufnahmen für Elvin Jones, Jaco Pastorius und dem United Jazz and Rock Ensemble gelang, spielte der 1928 geborene Bebop nach dem Muster der großen US-Vorbilder, allen voran das Charlie Parker Quintet. Mit seinem Quintett um die Saxophonisten Günter Kronberg und Heinz Sauer sowie Günter Lenz am Bass und Ralf Hübner am Schlagzeug arbeitete Albert Mangelsdorff aber schon an der Emanzipation vom US-Sound, nahm Ethno- und Free-Jazz-Alben auf und entwickelte eine ganze eigene, mehrstimmige Spieltechnik. »Mainhatten Modern« versammelt neun vergleichsweise konventionell arrangierte Songs aus der frühen Karriere von Mangelsdorff. Teils verloren geglaubte Aufnahmen aus den Jahren 1955 bis 1963, von privaten Bändern und raren Singles zusammengetragen. Die Compilation beginnt mit einer wunderbar relaxten Swing-Improvisation (am Bass: ein gewisser Gary Peacock) und endet mit Mangelsdorffs feinem Solo in der Ballade »Lover Man«, in der sich sein feines Gespür für Zwischentöne zeigt.

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 26.02.2014
Toby Fichelscher
Busting The Bongos
Toby Fichelscher war einer der Seelensklaven der den Blues hatte. »Busting The Bongos« gibt Einblicke in das Werk des Berliner Jazzers.
Music Review | verfasst 05.09.2014
Pierre Cavalli
Uma Vitamina Faz Favor
Mit »Uma Vitamina Faz Favor« stellt Pierre Cavalli den verträumten Nostalgiker in sich und uns mehr als zufrieden.
Music Review | verfasst 25.06.2013
Helmut Brandt Combo
Berlin Calling
Wir Deutschen sind ja für unsere Gefühlskälte bekannt. Das wir aber auch anders können zeigt die Helmut Brandt Combo.
Music Review | verfasst 22.03.2017
Jazz Quintet 60
The Last Call – Lost Jazz Files 1962-1963
Mit »The Last Call – Lost Jazz Files 1962/63« veröffentlicht das Label Sonorama tolle Aufnahmen der dänischen Kombo Jazz Quintet 60.
Music Review | verfasst 11.10.2012
The Pyramids
Otherworldly
35 Jahre nach ihrem letzten Album kann man The Pyramids jetzt neu entdecken: World Music im besten, umfassenden und experimentellen Sinne.
Music Review | verfasst 21.01.2013
Various Artists
Feten - Rare Jazz Recordings from Spain 1961-1974
Unter der bis 1975 währenden Diktatur als denaturierte »Negermusik« deklariert, hatte es Jazz schwer in Spanien. Doch es gab ihn…
Music Review
De Ambassade
Standhouden
Der auch als Dollkraut bekannte Musiker Pascal Pinkert legt mit »Verwijder Jezelf« und »Standhouden« zwei neue Tracks als De Ambassade vor.
Music Review
Gerhard Heinz
OST The Story Of The Dolls
Mucke für Tage, an denen einem die Sonne aus dem Arsch scheint: »OST The Story Of The Dolls« von Gerhard Heinz wird wiedervöerffentlicht.
Music Review
Ebi Soda
Ugh
Jede Woche neue interessante Jazzbands aus Großbritannien: Nun haben die aus Brighton kommenden Ebi Soda ihr Debüt »Soda« veröffentlicht.
Music Review
Imagination
Shake It
Das Label The Artless Cuckoo veröffentlicht zum vierzigjährigen Jubiläum das vielgesuchte »Shake It« der Düsseldorfer Band Imagination neu.
Music Review
Zmatsutsi, Tross, Houschyar
Various Lurkers 3
Mit »Various Lurkers 3« setzt Space Ritual ihre Labelreihe fort. Darauf sind sehr gute Tracks von Zmatsutsi, Tross und Houschyar zu hören.
Music Review
Earl Sweatshirt
Feet Of Clay
»Feet Of Clay« ist ein Fragment dessen, was Earl Sweatshirt ausmacht. Es besitzt die Dringlichkeit und Haltung, die Underground verkörpert.
Music Review
Jon Hassell
Seeing Through Sound Pentimento Vol.2
Nur konsequent: Zwei Jahre nach »Listening To Pictures« geht es bei Jon Hassell mit »Seeing Through Sounds« synästhetisch weiter.
Music Review
Minyo Crusadres / Frente Cumbiero
Minyo Cunbiero
Japan trifft Kolumbien: Auf »Minyo Cunbiero« verschmilzt das beste der Kombos Minyo Crusadres und Frente Cumbiero zu einer wilden Sause.
Music Review
Jessy Lanza
All The Time
Wieder gemeinsam mit Jeremy Greenspan bündelt Jessy Lanza auf »All The Time“ ihre Kräfte zu auf den Punkt angespitzten R&B-Pop-Nummern.
Music Review
Jason Molina
Eight Gates
Sieben Jahre nach seinem Tod erscheinen mit »Eight Gates« nun unveröffentlichte Aufnahmen des amerikanischen Songwriters Jason Molina.
Music Review
Eiko Ishibashi
Hyakki Yagyō
Auf »Hyakki Yagyō« bringt Eiko Ishibashi auf zwei Klangcollagen wunderbar-wunderliche Sounds in fließende Bewegungen.
Music Review
Tadao Sawai, Kazue Sawai, Takeshi Inomata, Norio Maeda, Hozan Yamamoto
Jazz Rock
Mr Bongo veröffentlicht das zuerst 1973 veröffentlichte »Jazz Rock« des Koto-Spielers Tadao Sawai und weiterer Mitstreiter erstmals neu.
Music Review
Manfredo Fest
Brazilian Dorian Dream
»Brazilian Dorian Dream«, das 1976 erschienene Album des Brasilianers Manfredo Fest, ist Bossa Jazz der ansteckend eleganten Sorte.
Music Review
Various Artists
Kaleidoscope: New Spirits Known & Unknown
Auf »Kaleidoscope: New Spirits Known & Unknown« beleuchtet Soul Jazz Records die umtriebige britische Jazzszene vielfältig und genau.
Music Review
Voz Di Sanicolau
Fundo De Mare Palinha
Analog Africa hat »Fundo De Mare Palinha«, 1976 aufgenommene Musik der kapverdischen Band Voz Di Sanicolau, wiederveröffentlicht.
Music Review
SW.
Night
»Night« ist das dritte Album von Stefan Wust unter seinem Alias SW., das erste außerhalb seines Labels SUED. Diese Platte ist ein Abenteuer.
Music Review
Adult Fantasies
Towers Of Silence
Eine ausgesprochen verdienstvolle Zusammenstellung bringt uns Stroom in diesen Tagen mit »Towers Of Silence« der Belgier Adult Fantasies.
Music Review
Zara McFarlane
Songs Of An Unknown Tongue
Femininer Vocal Jazz muss nicht wie Norah Jones klingen: Zara McFarlane hat mit »Songs Of An Unknown Tongue« ihr viertes Album vorgelegt.
Music Review
Blu & Exile
Miles
Nach acht Jahren kommen Blu und Exile wieder für ein Album zusammen. »Miles« zeigt, dass sich nur wenige Duos so ergänzen wie diese zwei.
Music Review
Sharhabil Ahmed
The King Of Sudanese Jazz
Wunsch nach einer neuen Freiheit: Mit »The King Of Sudanese Jazz« veröffentlicht Habibi Funk nun Musik von Sharhabil Ahmed.
Music Review
Bob Dylan
Rough And Rowdy Ways
Mit »Rough And Rowdy Ways« lädt Bob Dylan ein, sich auf dem Schoß des Onkels endlich gemütlich zu machen. Oder ist bloß alles eine Finte?
Music Review
Adaye
Turn It Up
Leise spielen ist nicht: »Turn It Up«, der Bubblegum der südafrikanischen Band Adaye (ihr einziger Hit), sollte laut gehört werden.
Music Review
Karate Boogaloo
Carn The Boogers
Urlaub in Italien war gestern. Heute holt man sich Aruba, die Beach Boys, gute Laune mit Karate Boogaloos »Carn The Boogers« ins Schwimmbad.
Music Review
Jim O'Rourke
Shutting Down Here
Anfang der Neunziger war Jim O’Rourke erstmals in den legendären GRM-Studios zu Gast. Für »Shutting Down Here« kehrte er dorthin zurück.
Music Review
Nullptr
Future World
Der Electro von Nullptr auf »Future World« kommt dem Titel widerstrebend ohne aufgesetzte Zukunftsvisionen aus.
Music Review
Yumiko Morioka
Resonance
Mit »Resonance«, ihrem einzigen Album aus dem Jahr 1987, lässt Yumiko Morioka Teile postklassischer Musik jüngerer Machart obsolet wirken.
Music Review
Julianna Barwick
Healing Is A Miracle
Julianna Barwick lässt auf »Healing Is A Miracle« den einen oder anderen Fremdkörper in ihrer Musik zu. Tut das nur wohl oder sogar Not?
Music Review
Jay Glass Dubs
Soma
Jay Glass Dubs tritt auch auf »Soma« für mehr Melodie, für mehr Hall, für Elegie am Sonnendeck ein.
Music Review
Jura Soundsystem
With You EP
Kevin Griffiths hat für sein Projekt Jura Soundsystem die alten Maschinen wieder angeschmissen und die »With You EP« aufgenommen.
Music Review
Rie Murakami
Sahara
»Sahara« von der ansonsten unbekannten Japanerin Rie Murakami wurde 1984 veröffentlicht. Ein Album ohne Eigenschaften, doch voller Hits.
Music Review
Vague Imaginaries
L'ile Sous L'eau
Nur kurz nach Erscheinen seines Albums »L’Île D’or« legt Vague Imaginaries mit »L’ile Sous L’eau« eine EP nach.
Music Review
Alhousseini Anivolla & Girum Mezmur
Afropentatonism
Verschmelzen der Welten: Auf »Afropentatonism« treffen Alhousseini Anivolla aus dem Niger und Girum Mezmur aus Äthiopien zusammen.
Music Review
Haiyti
Sui Sui
Das Prädikat Pop reicht hierfür nicht aus: »Sui Sui«, das vierte Album von Haiyti, ist eine Machtdemonstration.
Music Review
Skudge
Time Tracks
Mit »Time Tracks« will Elias Landberg alias Skudge mal wieder die Zeit anhalten. Doof nur, dass er sie manchmal zurückdreht.
Music Review
The Exaltics & Heinrich Mueller
Dimensional Shifting
The Exaltics macht erstmal mit Heinrich Mueller alias Gerald Donald gemeinsame Sache. »Dimensional Shifting« ist eins nicht: vorgestrig.
Music Review
Mulatu Astatke & Black Jesus Experience
To Know Without Knowing
Auch auf »To Know Without Knowing«, seinem neuen Album mit Black Jesus Experience, ist Mulatu Astatke unverkennbar.
Music Review
Croatian Amor
All In The Same Breath
Loke Rahbek hat mit »All In The Same Breath« ein neues Album unter seinem Moniker Croatian Amor bei Posh Isolation veröffentlicht.
Music Review
Dee Dee Bridgewater
Afro Blue
1974 nur in Japan veröffentlicht, bekommt »Afro Blue«, das Debüt von Dee Dee Bridgewater jetzt eine zweiten Anlauf auf Mr Bongo spendiert.
Music Review
Soul Media
Funky Stuff
Das 1975 nur in Japan veröffentlicht Album »Funky Stuff« von Jiro Inagaki’ Soul Media wurde jetzt bei Nippon Columbia wiederveröffentlicht.
Music Review
Oiro Pena
2
Der finnische Multiinstrumentalist Antti Vauhkonen veröffentlicht Versponnes mit seiner bei Jazzaggression erschienenen Vinyl 10-inch »2«.
Music Review
Groupe RTD
The Dancing Devils Of Djibouti
Hand hoch, wer Dschibuti auf dem Globus auscheckt. Musikalisch war das afrikanische Land noch gar nicht auf der Landkarte verzeichnet.