Music Review | verfasst 12.04.2016
The James Tatum Trio
Contemporary Jazz Mass
Jazzman, 2016
Text Jan Paersch
Deine Bewertung:
/
Nutzer
8.4
Redaktion
Cover The James Tatum Trio - Contemporary Jazz Mass

Es begann, wie so oft, mit John Coltrane. Der Saxophonist veröffentlichte 1965 sein Album »A Love Supreme« als »humble offering to Him«. Ihm folgten ganze Kohorten US-amerikanischer Musiker auf der Suche nach transzendentaler Weisheit. Spiritual Jazz sollte man das neu entstandene Genre bald nennen. Sun Ra, Don Cherry oder die Coltrane nahestehenden Albert Ayler, Pharoah Sanders und Alice Coltrane veröffentlichten maßgebliche Alben. Der Pianist James Tatum gehörte nie zu den ganz Großen. Dem Londoner Label Jazzman ist es zu verdanken, dass der texanische Musiklehrer nun wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit von Jazz-Fans gerät. James Tatum, der Anfang der 1960er Jahre zum Katholizismus konvertierte, wurde von der St. Cecilia Church in Detroit mit der Komposition einer Messe beauftragt. Zwei Jahre lang arbeitete er an seinem Opus Magnum, um es 1973 mit seinem von lokalen Musikern unterstützten Trio und einem Kirchenchor aufzunehmen. Afrikanische Rhythmik und fernöstliche Skalen stoßen hier auf US-Gospeltraditionen und christliche Liturgie. Atheisten sollten sich von Titeln wie »Gloria« oder »Amen« nicht abschrecken lassen – dies ist feinster modaler Jazz, aufgenommen von semi-professionellen Musikern in bestechender Form. Tatums groovendes E-Piano bildet die Grundlage für den erhabenen Klang von Chor und Bläser-Quartett, Congas und Bongos fügen eine gewisse Leichtigkeit hinzu. Die Live-Aufnahme, 1974 nur als Privatpressung erschienen, wird nun im brillanten Klang wiederveröffentlicht. Hallelujah!

Das Album “»Contemporary Jazz Mass« von The James Tatum Trio”: fidnest du bei hhv.de: LP und CD
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 04.10.2012
Various Artists
Spiritual Jazz 3
Es ist eine befremdliche Musik, die Improvisation als Kern und die Freiheit im Herzen. Es ist Musik, die sich wiederzuentdecken lohnt.
Music Review | verfasst 17.03.2017
Various Artists
Spiritual Jazz 7: Islam
»Spiritual Jazz 7« gewährt einen Einblick in die komplexe Verknüpfung zwischen Jazz, afro-amerikanischer Geschichte, Emanzipation und Islam.
Music Review | verfasst 31.01.2013
The Greg Foat Group
Girl And Robot With Flowers
Der britische Pianist Greg Foat uns seine Combo vertonen ein Buch. Ihre Elegie an Aldiss‘ phantasievolle Parallelwelt ist unverbesserlich.
Music Review | verfasst 04.10.2013
Master Plan Inc.
Master Plan Inc.
Wie aber findet man ein nicht existentes Album? Gerald »Jazzman« Short ist es gelungen und er hat es auch gleich veröffentlicht.
Music Review | verfasst 06.05.2008
Various Artists
Spiritual Jazz
John Coltrane schwebt wie ein Geist über dieser besten Jazzcompilation seit Soul Jazz’ »Universal Sound of America« aus dem Jahre 1995.
Music Review | verfasst 04.11.2015
Alan Lee
An Australian Jazz Anthology
Dank »An Australian Jazz Anthology« von Alan Lee ist Australien nun ein nicht mehr ganz so heller Fleck auf der Jazz-Landkarte.
Music Review
Oliver Doerell & Jawad Salkhordeh
سایه (Sāje)
Für sein neues Projekt hat sich Oliver Doerell mit dem Iraner Jawad Salkhordeh zusammengetan. »»سایه (Sāje)« ist das Beste beider Welten.
Music Review
Trees Speak
Vertigo Of Flaws
Auf »Vertigo Of Flaws« erproben Trees Speak eine neue Vielseitigkeit. Die Grundelemente ihrer Musik bleiben aber erhalten.
Music Review
TRii Group
Interest In Music
Max Stocklosa wechselt seinen Künstlernamen oft. Auch auf »Interest In Music«, jetzt als TRii Group. Das Rätselhafte der Musik aber bleibt.
Music Review
You'll Never Get To Heaven
Wave Your Moonlight Hat For The Snowfall Train
Mit »Wave Your Moonlight Hat For The Snowfall Train« spinnt das kanadische Duo You’ll Never Get To Heaven weiter an kleinen Po-Träumereien.
Music Review
Leo Nocentelli
Another Side
Anfang der 1970er Jahre nimmt The Meter’s Leo Nocentelli ein Soloalbum auf. Keine fünfzig Jahre später ist »Another Side« erschienen.
Music Review
Ryuichi Sakamoto
Esperanto
1986 nur in Japan erschienen, ist Ryuichi Sakamoto’s »Esperanto« nun erstmals weltweit auf Schallplatte veröffentlicht worden.
Music Review
Beach Fossils
The Other Side Of Life: Piano Ballads
Die Beach Fossils um Chef-Slacker Dustin Payseur veröffentlichen mit »The Other Side Of Life: Piano Ballads« ein Pianoalbum.
Music Review
Fat Freddy's Drop
Wairunga
Fat Freddy’s Drop, eine der besten Live-Acts, veröffentlichen das live eingespielte Album »Wairunga«.
Music Review
Ben LaMar Gay
Open Arms To Open Us
Für sein Album »Open Arms To Open Us« holt der Jazzmusiker Ben LaMar Gay einige der Protagonisten der Chicagoer Szene zusammen.
Music Review
Pamela Z
Echolocation
Auf Freedom To Spend wurde unter den Titel »Echolocation« Musik der Künstlerin und Musikerin Pamela Z wiederveröffentlicht.
Music Review
Idee Du Femelle
Sequences
Mit Musica Maquina hat John Talabot ein Label aus der Taufe gehoben, um »Sequences« von Idee Du Femelle wiederzuveröffentlichen.
Music Review
Lee Ranaldo
In Virus Times
Rückzug, Einkehr und Besinnlichkeit: Mit »In Virus Times« hat auch Sonic Youth’s Lee Ranaldo ein »Corona-Album« veröffentlicht.
Music Review
David Behrman
ViewFinder / Hide & Seek
David Behrmans Werke gelten als Pionierstücke der elektronischen Avantgarde. Auf »ViewFinder / Hide & Seek« sind jetzt einige nachzuhören.
Music Review
Twit One
AUDDA Control
Überrascht trotz konventionellem Soundbild: Twit One hat mit »AUDDA Control« ein neues Album veröffentlicht.
Music Review
Mira Calix
Absent Origin
Wie oft musste Duchamp diesen Satz hören: Ist das Kunst oder kann das weg? Mira Calix nennt Duchamp als Inspiration für »Absent Origin«…
Music Review
Snail Mail
Valentine
Auf »Valentine« fallen die Gesten von Snail Mail noch größer als zuvor aus, am Effekt aber ändert das zum Glück nichts.
Music Review
Radiohead
Kid A Mnesia
Die beiden Radiohead-Klassiker »Kid A« und »Amnesiac« verbinden sich mit »Kid Amnesiae« zu »Kid A Mnesia«. Fans werden nicht vorbeikommen.
Music Review
Anz
All Hours
Sechs Stücke für einen 24-Stunden-Rave: Ambitioniert war Anz schon immer, mit »All Hours« aber wird sie zur Geschichtenerzählerin.
Music Review
L'Orange
World Is Still Chaos, But I Feel Better
»World Is Still Chaos, But I Feel Better«, das neue Album des Beatschmieds aus North Carolina ist fröhliche Weltuntergangsmusik.
Music Review
Lone
Always Inside Your Head
Die Melodien sind das Faustpfand, dass der Brite Lone immer wieder einbringt. So auch auf seinem neuen Album »Always Inside Your Head«.
Music Review
Lana del Ray
Blue Banisters
Nach »Chemtrails Over The Country Club« legt Lana Del Rey nach. »Blue Banisters« ist ein zur Musik gewordener Self-Care-Ratgeber.
Music Review
Bremer/McCoy
Natten
Jazz ist hip wie lange nicht mehr. Der Output ist groß. Mit »Natten« liefern die Dänen Bremer/McCoy einen großartigen Beittrag.
Music Review
Jamire Williams
But Only After You Have Suffered
Jamire Williams traut sich aus der Deckung und packt auf »But Only After You Have Suffered« die viele seiner musikalischen Facetten.
Music Review
Kuunatic
Gate Of Klüna
Das japanische Trio Kuunatic debütiert auf Glitterbeat mit »Gate of Klüna«, einem buchstäblich außerirdischem Psych-Rock-Meisterwerk.
Music Review
DJ Abilities
Phonograph
DJ Abilities meldet sich naxch über 20 Jahren mit einem Solo-Release, »Phonograph«, zurück. Alles fett und geil. Und nur 22 Minuten lang.
Music Review
Quantic & Nidia Góngora
Almas Conctadas
Acht Jahre nach einer gemeinsamen EP intensivieren Nidia Góngora und Quantic ihre Zusammenarbeit mit dem Album »Almas Conctadas«.
Music Review
Various Artists
Shouts 2021 Vol.1&2
Mit »Shouts 2021« setzt das britische Label Rhythm Section International seinem Sound ein zweites Denkmal in Form einer Compilation.
Music Review
El Michels Affair
The Abominable EP
Mit »The Abominable EP« veröffentlichen El Michels Affair weitere Stücke aus den Sessions zu »Yeti Season«.
Music Review
Trip Shrubb
Trewwer, Leud Un Danz
Auf »Trewwer, Leud Un Danz« remixt sich Trip Shrubb durch eine Folkways-Platte von 1952. Mit beklemmendem Ergebnis.
Music Review
Jarvis Cocker
Chansons D'Ennui Tip-Top
Mit »Chansons D’Ennui Tip-Top« liefert Jarvis Cocker zwölf Cover von französischen Popsongs. Super langweilig und total schön.
Music Review
Dean Blunt
Black Metal 2
ist das Nonsens? Vertonung des Post-Everything? Der Tag der Apokylapse? Nein, es ist »Black Metal 2«, das neue Album von Dean Blunt.
Music Review
Parquet Courts
Sympathy For Life
Auf »Sympathy For Life«, dem neuen Album von Parquet Courts, wird der gute alte Rock zum Grooven gebracht.
Music Review
Grouper
Shade
»Shade« ist das zwöfte Album oder so von Grouper und die Frage lautet: Kann Liz Harris das Niveau der Vorgänger halten? Antwort: Sie kann.
Music Review
Ka Baird & Pekka Airaksinen
FRKWYS Volume 17: Hungry Shells
Auf »FRKWYS Volume 17: Hungry Shells« trifft die Stimmperformerin Ka Baird auf einen Toten: den finnischen Komponisten Pekka Airaksinen.
Music Review
Efdemin x Vril
Endless / Purge
Das Label Sun Sad bringt für seinen Release »Endless / Purge« die beiden Techno-Größen Efdemin und Vril zusammen.
Music Review
Circuit Des Yeux
-io
Apokalpytische Metapher, schwarze Löcher: das neue Album »-io« von Circuit de Yeux ist erwartungsgemäß schwere Kost.
Music Review
Winter 2
Winter 2
Diffuses Gefühl des Verlorenseins: Winter 2 liefern mit ihrem Album »Winter 2« den Diskurs-Pop für das Jahr 2021.
Music Review
Viejas Raices
De Las Colonias Del Rio De La Plata
Wie für diese Gegenwart gemacht: »De Las Colonias Del Rio De La Plata« der argentinischen Band Viejas Raices von 1976 wurde neu aufgelegt.
Music Review
Henryk Debich
Zblizenie
»Zblizenie« deckt Kompositionen des polnischen Jazzers Henryk Debich zwischen 1974 und 1977 ab und ist ein guter Einstieg in sein Schaffen.
Music Review
Warda
Khalik Hena
Das zuerst 1973 veröffentlicht »Khalik Hena« von Warda wurde nun via WeWantSounds zum ersten Mal seit damals wiederveröffentlicht,
Music Review
Maugli
Alba
Ein ganzer Fuhrpark an Instrumenten ist auf dem bei YNFND veröffentlichtem Debüt »Alba« von Maugli zu hören.