Review

Marlena Shaw

Marlena Shaw EP

Jazzman • 2024

Wer noch nie bewusst Musik von Marlena Shaw gehört hat, könnte zumindest Schnipsel ihrer Songs kennen. Das markante Streichersample in Gang Starrs »Check The Technique« stammt aus dem 1969 erschienenen Stück »California Soul« der Sängerin. DJ Premier und Guru haben dafür nicht tief gegraben. Sie gehören zu einem großen Club von Musikern, die sich an Shaws Stücken bedient haben: Quasimoto, The Game, Elzhi, DJ Shadow, Nightmares On Wax, Dan The Automator, Stereo MC’s… Jazzman Records ehrt die am 19. Januar 2024 im Alter von 84 Jahren verstorbene Sängerin nun mit einem Set aus zwei Vinyl 7″s. Mit »California Soul«, »Liberation Conversation«, »Let’s Wade In The Water« und »Woman Of The Ghetto« sind vier ihrer größten Hits enthalten. Zwischen all dem Groove, der Tanzbarkeit und den eingängigen Strophen gehen Shaws Botschaften nie unter. »We must all have identi0ty / That’s the only way that we can be free«, heißt es im Gänsehaut-Stück «Woman Of The Ghetto». In »Liberation Conversation« wiederholt sie mantraartig »Blues ain’t nothing but a good woman gone bad«, unterbricht diese Passagen immer wieder durch Scat-Passagen. Shaw setzt ihre Stimme vielseitig ein, klingt immer selbstbewusst und handwerklich versiert. Trotz der überschaubaren Songauswahl wird Shaws Können gut abgedeckt. Womit wir wieder am Anfang dieses Textes wären. Wer noch nie etwas von der Sängerin gehört hat, kann sich mit der »Marlena Shaw EP« bedenkenlos an sie herantasten.