10 YRS MPM & hhv.de Party – Live am 4.10. im Festsaal Kreuzberg in Berlin

23.10.2012
Foto:Fernando Moneta
Melting Pot Music und hhv.de feierten am 4.10. gemeinsamen ihren zehnten Geburtstag und zeigten uns an diesem Abend die Vielzahl der Gesichter, die ihr Wiegenkind Hip-Hop im Repertoire hat.
Hip-Hop. Aus der Wiege des Jazz entsprungen, vom Funk der Siebziger erzogen und mit dem Discosound der Achtziger großgeworden, ist aus dem ehemals reudigen, nur in amerikanischen Ghettos anzutreffenden Straßenköter eine globale Gattung hervorgegangen. Und das nicht einfach aus einer Laune der Natur heraus, sondern weil man sich seiner liebevoll angenommen hat. Zwei hiesige Beteiligte, deren Namen heutzutage kaum mehr wegzudenken sind, feierten am 4.10. ihren Geburtstag und zeigten uns die Vielzahl der Gesichter, die ihr Wiegenkind im Repertoire hat. Ob nun der Nu-Soul der Funkommunity, der Street-Jazz der Ruffcats, die Grenzgänge der Beatkoryphäe Brenk oder aber der poetische Realismus eines Miles Bonny; so verschieden sie auf den ersten Blick auch erscheinen mögen, gehören sie doch alle in diesen Schmelztiegel, den dieser Musikstil heutzutage darstellt. Dabei geht es nämlich nicht mehr einfach nur um verschiedene Musikrichtungen, die man gut finden kann oder nicht. Sondern eine Lebensphilosophie, die zeitgemäßer nicht sein könnte. In der das ausgelutschte »Respect« endlich wieder seinen ursprünglichen Sinngehalt erfährt und »Peace«, weil allgegenwärtig, gar nicht erst in den Mund genommen werden muss. Wenn der Festsaal Kreuzberg auch nicht bis auf den letzten Platz ausgebucht war, so wusste sich doch zumindest ein jeder der Teilhabenden eher einen Reim auf »diggen« als auf »dissen« zu machen. Es wurde je nach Façon getanzt, gebounced oder auch einfach nur mitgewippt. Fast wie auf einem Spielplatz, wo jeder frei von Unvoreingenommenheit das machen durfte, was er am Besten kann.

Wie so oft bestätigt aber die Ausnahme die Regel. Und so wurde bei meinem Streifzug durch den Backstagebereich mein scheinbar uneingeschränktes Wohlbefinden kurzzeitig unterbrochen. Wie sich im Nachhinein herausstellte, hatte sich ein Gast unbefugten Zutritt verschafft und war gerade dabei sich über das Buffet herzumachen, als er mich mit Entsetzen erblickte. »Du bist ja überhaupt nicht Hip Hop! Was hast du hier verloren?« Zugegebenermaßen bedient mein äußerliches Erscheinungsbild in keinem Moment die Ikonographie des Genres wie er selbst es tat. Denn ich trage weder Baggypants noch gäbe es in meinem Video Minipants zu sehen. Der Vegetarier der ich privat und sozial bin, indem ich um jegliche Art von »Beef« einen großen Bogen mache, ist es nicht meine Absicht mich über die oben genannten Markenzeichen des Genres lustig zu machen, geschweige denn ihre Daseinsberechtigung in Frage zu stellen. Da mir aber offensichtlich die meine an diesem Abend strittig gemacht wurde, will ich diese Möglichkeit nutzen meinen Standpunkt zu verdeutlichen. Denn was dieser so selbstgefällige Querschläger zu verfechten versuchte, verfehlt schon seit langem den eigentlichen Ursprung der Auseinandersetzung mit der Materie. Denn Hip-Hop findet im Kopf statt. Und der seine war so voll von fehlgeleiteter Überzeugung, wie er hohl war. Ohne jegliches Verständnis für die Sache an sich. Widerwillig wie er war, blieb mir nur ihm Ja und Amen auf jede seiner Floskeln zu erwidern, um mich schnellstmöglich wieder unter die mir Gleichgesinnten zu mischen. Und so verstand selbst er auf seine verquere Art und Weise, mich an diesem Abend unaufhörlich mit dem Kopf nicken zu lassen.

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