Afrika Bambaataa – »Die Musikindustrie dreht immer mehr durch«

29.12.2011
Über Afrika Bambaataa müssen nicht mehr viele Worte verloren werden. Doch was ist aus seinen Vorstellungen geworden? Wir hatten die Gelegenheit beim Godfather of Hip Hop nachzufragen.

Über Afrika Bambaataa müssen nicht mehr viele Worte verloren werden: Der Mann ist eine Ikone des Hip Hop, und rief unter genau diesem Begriff vor etwas mehr als 30 Jahren eine Bewegung ins Leben, die die Welt grundlegend verändern sollte und legte sogleich klar fest, worum es hierbei gehen sollte. Der einstigen Protest-Bewegung verlieh Afrika Bambaataa mit viel Arbeit auf den Straßen und Konzertbühnen dieser Welt eine nie da gewesene kulturelle Komponente, die auch in anderen Genres bis heute Ihresgleichen sucht. Mit seiner Soul Sonic Force und Hits wie Planet Rock oder Looking For The Perfect Beat im Gepäck trug er in der 1980er Jahren diese neuartige Musik mit einer Welttournee als erster in die Welt hinaus und legte somit den Grundstein für den Siegeszug von Hip Hop an. Uns wurde eine exklusive Privataudienz beim Godfather of Hip Hop gewährt.

Du warst von Anfang an dabei, hast viele Sachen gesehen, mit vielen verschiedenen Menschen zusammengearbeitet – was treibt dich heutzutage immer noch an, Musik zu machen?
Afrika Bambaataa: Wie Musik es immer wieder schafft Grenzen zu überschreiten, sowie die Vibrationen der Menschen, wenn man performt oder auflegt, wie die Leute eine gute Zeit haben, lächeln, springen, sogar verrückt spielen oder einfach nur cool mit allem sind – das treibt mich an.

Würdest du sagen, dass du all die Ziele erreicht hast, die du dir gesteckt hast, als du mit der Musik angefangen hast?
Afrika Bambaataa: Nein, ich hab noch eine ganze Menge zu tun. Ich versuche grad ein »Universal Zulu Nation Centre Of The Universe« aufzubauen, das so sein soll wie die Vereinten Nationen, bloß für die Straßen aller Menschen auf dem Planeten Erde, und darüberhinaus auch für den Fall, dass wir irgendwann die Wege irgendwelcher extraterrestrischer Wesen kreuzen, die anfangen, den Planeten zu besuchen und den Funk haben wollen.

Also hört es bei dir nie auf?
Afrika Bambaataa: Es hört nie auf bis der Schöpfer sagt: »du musst gehen«.

Du warst ja bekanntlich der erste, der die vier Säulen des Hip Hop postuliert hat: MCing, DJing, Breakdance und Graffiti. Was ist deiner Meinung nach aus diesen vier Säulen geworden? Hat Hip Hop komplett seine Wurzeln verloren?
Afrika Bambaataa: Es hat nicht seine Wurzeln verloren. Es sind nur die Medien, die meinen, alles immer bloß von einer Seite beleuchten zu müssen. Wenn die einen Rapper haben, der irgendwas Falsches gemacht hat, dann springen alle gleich auf diesen Zug auf, anstatt z.B. über das Jubiläum der Zulu Nation oder über das Jubiläum der Rock Steady Crew, oder von diesem riesigen B-Boy-Battle in Deutschland zu berichten. Zu viele Menschen sind einfach nicht aufrichtig auf der kulturellen Ebene der Bewegung. Das hat alles mit der fünften Säule des Hip Hop zu tun, die das Wissen ist, wie wir sagen: Knowledge, Culture, Overstanding.

Hast du nicht manchmal die Befürchtung, dass die Menschen eines Tages Afrika Bambaataa vergessen könnten?
Afrika Bambaataa: Wenn es jemand vergessen sollte, ist es wegen den Medien, aber die Menschen, die sich wirklich verbunden fühlen mit der HipHop-Kultur, werden es nie vergessen. Es wird immer jemanden geben, der wissen will, wer das Ganze angefangen hat, wer diesem Ganzen den Namen gegeben hat, wer die Elemente benannt hat – da komme immer ich ins Spiel.

Was können wir von Afrika Bambaataa noch in der Zukunft erwarten? Das letzte reguläre Studioalbum, Dark Matter Moving at the Speed of Light, war 2004 erschienen…
Afrika Bambaataa: Naja, das kann ich dir nicht wirklich genau sagen. Meistens lade ich das Material direkt ins Internet, wenn ich wieder Musik mache. Die Plattenfirmen wollen alle, dass man CDs und Vinyl rausbringt, aber sie verschenken überall meine Musik, und wer will, besorgt sich mein ganzes Werk sowieso für umsonst im Internet. Ich wünsche diesen Firmen alles Gute, aber wer in Zukunft meine Musik kaufen will, muss sich die von nun an online besorgen.

Also ist die Entwicklung in der Musikindustrie und ihr Niedergang für dich ein Grund keine Musik mehr zu produzieren?
Afrika Bambaataa: Ja, die Musikindustrie dreht immer mehr durch. Sie verschenken mp3s, tausende von mp3s, einfach für umsonst. Ich kriege jede Woche so viele, dass ich gar nicht dazu komme, sie alle zu hören, aber ich versuche immer, das Beste in meiner Radiosendung, der »True School Radio Show« auf WHCR 90.3 und auf whcr.org zu spielen.

Aber was ist mit der Energie, die dir deine ganzen Fans geben, wie du am Anfang des Interviews gesagt hattest?
Afrika Bambaataa: Naja, ich mache noch immer Musik und gebe die Energien ab während meiner Reisen und wenn ich auflege. Ich mag es, die Musik anderer Leute aufzulegen, und immer wieder spiele ich auch Konzerte. Ich hab vor kurzem erst wieder ein großes Konzert bei Rock In Rio mit meiner Band gegeben, und manchmal treffe ich mich auch noch mit den Jungs von der Soul Sonic Force. Es kommt halt immer darauf an, wer gerade Zeit hat.

Aber das Produzieren ist dir jetzt nicht mehr so wichtig?
Afrika Bambaataa: Nein, nicht so sehr. Wenn ich was machen möchte, dann treffe ich mich eben mit den entsprechenden Leuten. Ich habe gerade erst ein paar Sachen gemacht mit Charlie Funk, mit Afrika Islam und auch mit ein paar Gruppen aus Südamerika, aber es kommt immer auf die anderen an und wann sie bereit sind, etwas zu veröffentlichen oder es ins Internet zu stellen, damit es sich die Leute anhören können. Ich hab noch ne ganze Menge Material auf Lager.

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