Während sich der Default-Millenial den Sommer mit »Pokemon Go« und Dosenbier um die Ohren geschlagen hat, scheint sich unter Journalisten ein anderer Trendsport etabliert zu haben: Beginner verprügeln. Das ist einfach, oft auch lustig (Testsieger/Denyo/Altersheim/Mads Traumavisage), aber irgendwie auch ein bisschen zu traurig als Aufhänger für eine virile Inventur-Rückkehr. Deswegen lieber Frank Ocean zu Beginn. Wobei auch doof, hatten wir ja schon besprochen
Dann eben Vince Staples, der klügste und witzigste 22-jährige Rapper seit überhaupt. »Prima Donna« heißt dessen neue 7-Track-EP und Vince Staples bleibt dort, egal ob nun James Blake oder No I.D. an den Reglern sitzt, der lyrisch interessanteste Rapper des Hier und Jetzt. Weil er Kendrick Richard Pryor, Larry David und Earl gleichermaßen verstanden hat. Und weil er dabei mit so einer unvergleichlichen Mischung aus Lakonie und Nachdruck rappt, dass selbst zwei musikalisch eher durchschnittliche Tracks nicht weiter ins Gewicht fallen.

Ka
Honor Killed The Samurai
Iron Works • 2016 • ab 30.99€

Atmosphere
Fishing Blues
Rhymesayers • 2016 • ab 16.99€

ScHoolboy Q
Blank Face
TDE • 2016 • ab 15.74€
Ey überhaupt: wer behauptet Rap hätte gerade keine Typen mehr, der checkt’s einfach nicht. Young Thug heißt jetzt Jeffery, sieht auf seinem neuen Mixtape-Cover laut Twitter aus wie eine Mischung aus Sub Zero und einer Waschanlage und brennt nebenher in einem Interview auch noch die letzte Bastion verunsicherter Hypermaskulinität nieder. Applaus für diese Kunstfigur, auch wenn die »Slime Season«-Tapes die bessere Musik beinhalteten.

Rae Sremmurd
SremmLife 2 Deluxe Edition
Interscope • 2016 • ab 18.99€

DJ Khaled
Major Key
RCA • 2016 • ab 4.99€

Coup (Haftbefehl & Xatar)
Der Holland Job
Four Music • 2016 • ab 10.19€

Clams Casino
32 Levels
Sony • 2016 • ab 36.99€

Gonjasufi
Callus
Warp • 2016 • ab 24.99€
Überhaupt Stranger Things: ich fühle mich momentan im Freundeskreis ähnlich marginalisiert wie damals, als meine Eltern viel zu lange mit der Verkabelung warteten und ich um Tele 5 gucken zu können immer diesen einen Grundschulfreund besuchen musste, der in drei Jahren dreieinhalb Worte sagte (»Optimus Prime ist cool«), aber als einziger den ganzen Tag Kabelfernsehen gucken durfte. Da ich außer des Trailers und ungefähr 5.832.323 Screenshots noch nichts gesehen habe vom Hype des Sommers (vielleicht auch aufgrund eines über die Jahre gewachsenen tiefen Hasses für Jump Scares ), ist auch die Wirkungskraft des – ihr wisst es eh – sehr guten Soundtracks noch nicht final abzuschätzen. Aber auch ohne gesichtslose Monster und grobkörnige Teenievisagen geht da schon viel.

Roosevelt
Roosevelt Black Vinyl Edition
City Slang • 2016 • ab 25.99€
Bin ich eigentlich der einzige Vollpfosten, der nicht gewusst hat, dass Delroy Edwards, dieser verkiffte Lulatsch mit dem Low-Fi-Boner der verdammte Sohn von friggin Ron Perlman ist? Das hat alles nichts mit »Hangin At The Beach« zu tun, einer wunderbar unfertigen Skizzensammlung, die mal wieder so DIY-mäßig rüberkommt wie eine handgeklebte Punk 7inch, aber irgendwie amüsiert mich die Vorstellung so sehr, dass Delroy bei Papa am Tisch sitzt und Nicolas Winding Refn im Anschluss durch sein neues Kellerstudio führt.

Portable
Alan Abrahams
!K7 • 2016 • ab 12.15€

Factory Floor
25 25
DFA • 2016 • ab 22.09€

Kornel Kovacs
The Bells
Studio Barnhus • 2016 • ab 18.99€

Mickey Pearce
Michael
Swamp 81 • 2016 • ab 9.99€
Die neue Convextion könnte an der Wand zu sehr nach Kinderzimmer 1989 aussehen, aber Social Media Wettwichserei ist Convextion ohnehin fremd. Stattdessen greift »2845« das alte Detroiter Futurismus-Diktat für Techno wieder auf und weil Convextion so ein ausgebuffter Routinier ist, kommt hier schon nach 90 Sekunden mehr Blade Runner zustande, als bei einem ganzen Kurzfilmfestival an einer Provinz-Uni.

Vakula
Cyclicality Between Procyon And Gomeisa
Dekmantel • 2016 • ab 28.99€

Michal Turtle
Phantoms Of Dreamland
Music From Memory • 2016 • ab 22.99€