Bildstarker Jazz aus Berlin: Das sind Sun Ark

02.02.2024
Foto:© Johannes Mann (XJAZZ Records)
Fünf Freunde spielen Jazz, was kann schon schiefgehen? Nix, natürlich! Bandleader Johannes Mann hat uns sein erstes Interview gegeben – und unter anderem erklärt, was Sun Ark mit Brian Eno eint.

»Weißt du, ich mag Stimmungen«, sagt Johannes Mann und fummelt an seinem grünen Basecap rum. Der Bandleader von Sun Ark, einer jungen Jazz-Gruppe aus Berlin, gibt heute sein erstes Interview. Sein Debütalbum, das so heißt wie seine Band, erscheint demnächst auf XJAZZ! Music.

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Aber zuerst zum Ursprung von Sun Ark: Johannes Mann, Ende 20, wächst in Magstadt auf – Einfamilienhäuser, weite Felder, so deutsch wie Deutschland in Baden-Württemberg nur sein kann. Zuhause wird’s dennoch international. »Die ganze Fusion-Generation aus den Siebzigern landete bei uns auf dem Plattenteller, das waren Weather Report, Pat Metheny oder … John McLaughlin, bei dem war ich mit meinem Vadder letzthin sogar beim Konzert!«

In seiner Jugend spielt Mann Saxophon. Wieso, weiß er heute auch nicht mehr. »Das war echt nicht so mein Ding, auch weil ich damals ganz gerne Rock gehört habe«, meint er und gibt seinem Cousin die Credits, weil: »Der hat Gitarre gespielt, so ein richtiges Metal-Teil von Jackson. Das hat er mir geliehen. Da war ich 13. Danach hab ich überhaupt keinen Bock mehr aufs Saxophon gehabt.«

Die Welt und das Spiel

Die Gitarre mag das halbgare Tröten ersetzen, die Fusion bleibt trotzdem. Schließlich habe sich die in sein Unterbewusstsein gebrannt, sagt Mann. »Es geht dabei um Farben und Wärme. Ich mag Farben und Wärme. So einfach ist das!«. Und so schwierig war es für ihn während der Schule, gleich gesinntes Gefallen für Papas Plattensammlung zu finden. Erst als er zum Studium nach Mannheim zieht, checkt er: »Da gibt es noch andere in meinem Alter, die diese Musik feiern!«

2017 zieht Mann weiter nach Berlin und schreibt sich am Jazz-Institut der Universität der Künste ein. Dort lernt er jene Kollegen kennen, die heute mit ihm bei Sun Ark spielen: den Saxophonisten Asger Nissen, Schlagzeuger Marius Wankel, Thorbjörn Stefansson am Bass und Povel Widestrand an den Tasten. »Alle vier sind megagute Musiker, sie können richtig geil improvisieren. Deshalb spielen wir als Gruppe immer am besten, wenn wir einfach nur spielen.«

Als Sun Ark spielen wir visuelle Musik

Johannes Mann aka Sun Ark

Richtiggehend magisch sei das, wenn alle drin sind – zum Beispiel in einer Welt, die sie selbst kreiert haben. Das Welten-Wording habe er sich übrigens bei Brian Eno abgehört. »Dem war und ist es ja auch wichtig, mit seiner Musik eine Welt zu schaffen, in die sich Leute reinhören können«, so Mann.

Dass er auch sonst was für elektronische Musik übrig hat, lässt sich aus allen Stücken der Debütplatte raushören. Manche Intros laden ein, viele Outros fransen aus. »Ich hab zu den Jungs gesagt, lass uns doch auch mal so ein Ambient-Ding machen – ätherisch, klanglich, mit vielen Effekten.« Was dabei rauskam, habe zwar überhaupt nichts mehr mit der Vorstellung zu tun, die Mann in seinem Kopf hatte. »Aber so ist das, die Ideen kommen zusammen, wir committen einfach nur den Moment.«

Sun Ark-Bandleader Johannes Mann an seinem Instrument © XJAZZ! Music

Super-independent, ziemlich geil!

Seit ein paar Monaten höre er viel Minimal, ein befreundeter Komponist habe ihm diese – und schon wieder ist sie da – »Welt« eröffnet. »Es geht darin auch immer um Stimmungen, außerdem mag ich die Connection mit Bildern«, so Mann. »Dazu kommt, dass wir wir als Sun Ark visuelle Musik spielen. Sie zeigt etwas. Deshalb möchte ich unser Konzert erweitern.«

Mann wartet einen Moment ab. Er grinst, weil er weiß, welche Antwort er geben muss: »Vielleicht kriegen wir es ja hin, dass wir die Bilder, die unser Grafiker Ben Luu für das Cover gemacht hat, als Animation auf uns projizieren.« Mann zieht seine Schultern hoch. »Ist aber alles Zukunftsmusik«, sagt er. Zuerst zählt sowieso die Platte. Die erscheint bei XJaxx!, das eigentlich ein Festival in Berlin ist, aber eben auch eine Plattform, auf der spannende Musik erscheint.

»Das ist alles super-independet, außerdem veröffentlichen da echt geile Artists. Und Paul Kleber war von Anfang an supportive«, so Mann über den Mann hinter dem Signing von Sun Ark. »Ich kenn den ja über ein paar Ecken schon länger. Also haben wir telefoniert, weil ich ja das Album hatte und er meinte nur, geil, lass machen, Mann!«

Sun Ark In Concert
23Feb 2024
Berlin • Donau115
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