Dillon Cooper – State Of Elevation

02.08.2013
Mit seinem Mixtape »Cozmik« hat Dillon Cooper den Joey Bada$$ gemacht: Er hat Liebhaber von Golden-Era-Rap beglückt. Doch Dillon will nicht nur die Vergangenheit aufleben lassen. Ein Gespräch über das New New York, Yeezus und Jimi Hendrix.

Seine Karriere befindet sich in einem State of Elevation, aber Dillon Cooper tut sich an diesem Morgen noch schwer mit dem Erheben. Es ist 11 Uhr, Dillon Cooper ist gerade erst aufgestanden; er klingt müde aber sehr freundlich und aufgeschlossen, als er aus der Wohnung eines Freundes in Boston mit uns telefoniert. Ursprünglich kommt der 20jährige MC aus Brooklyn, dem Zentrum einer Bewegung, die Rap aus New York City wieder strahlen lässt, wie in seinen goldenen Tagen: Das »New New York«. Wir sprachen mit ihm über sein musikalischen Background und waren von einigen Aussagen überrascht – Wiz Khalifa als wichtigster Einfluss? Aber sein Lieblingsalbum stammt von einem Rock-Musiker? Der junge Mann hält offensichtlich nichts von Grenzen und so will er die Messlatte weiter in die Höhe hängen. Ja, it‘s a state of elevation!

Was bedeutet Brooklyn für dich?
Dillon Cooper: Brooklyn ist das Zentrum von allem. New York im Allgemeinen. Aber aus Brooklyn zu kommen, ist eine große Sache, der man erstmal gerecht werden muss, einfach weil ein paar der größten [Rapper] aus Brooklyn kommen. Das pusht einen, danach zu streben, der Beste zu werden.

The Underachievers und die Flatbush Zombies haben den Begriff New New York geprägt – siehst du dich als Teil dieser Bewegung?
Ja, das tue ich. Ich bin einer der Künstler, die von der Eastcoast kommen – ich komme aus Brooklyn und verändere gerade etwas in New York City.

Um was geht es bei dieser Veränderung?
Diese Veränderung bringt einfach nur den Hip Hop wieder dort hin, wo er [ursprünglich] hergekommen ist. Denn es kommt eine Menge Zeug auf den Markt, das nicht wirklich Substanz hat. Also mache ich die Musik, die ich mache und sie hat Tiefe und Substanz.

Kannst Du ein Erlebnis nennen, bei dem du gedacht hast: Wow, das ist Rap-Musik, das will ich machen?
Hmm, ich würde sagen eine Show von Wiz [Khalifa], auf der ich während meinem ersten Jahr im College war. Ich war auch davor schon auf Hip-Hop-Shows, weißt du, aber das war die erste Show in Boston. Und die Bühne war sehr nahe am Publikum, also konnte man die Energie und den Vibe fühlen. Es war eine erleuchtende Erfahrung. Es war einfach cool zu sehen, wie Wiz die Bühne kontrollierte und wie die Leute darauf reagierten, wie er performte. Und ich dachte nur: »Wow, das ist es, was ich machen will. Ich will jede Nacht auf dieser Bühne stehen und diese Reaktionen von der Menge bekommen.«

Oh, Wiz Khalifa. Ich war mir sicher, du würdest ein Album von einer Eastcoast-Rap-Legende nennen. Auf »The Best« rappst du: »I honor all the greats, their posters hanging on my wall, and thats a fact, I promise to make history after that«. Was lernst du von Raps ganz Großen?
Von den Legenden lerne ich, was ich tun und was ich lassen soll. Weißt du, sie sprechen über Dinge – sie sind älter, sie sind weißer, also reden sie über Dinge, die in meinem Leben relevant sind. Zum Beispiel, dass man seinen Freundeskreis klein halten sollte oder einfach wie man mit dem Berühmt-sein umgehen sollte, oder wie man nicht in »beef« gerät.

Und wer sind deine Legenden?
Biggie ist natürlich eine Legende, Eminem ist für mich eine Legende, 50 Cent, Snoop, Pac natürlich. Ich sehe auf zu Jimi Hendrix, Bob Marley, Charlie Parker… es gibt eine Menge verschiedener Menschen aus verschiedenen Genres, zu denen ich aufsehe.

Was denkst du über den heutigen Stand von Rap-Musik?
Ich denke, dass es Rap gut geht. Alles entwickelt sich, die Messlatte wird neu angesetzt und ich denke, dass es an der neuen Generation ist.… dass es an mir ist, die Latte höher zu legen. Ich will Rap verändern und gleichzeitig nicht das Gefühl verändern, das es in einem auslöst.

»wenn du ein Gefühl dafür bekommst, was sich gut anhört, dann lebt deine Arbeit davon. Alles wird ab diesem Moment besser. « (Dillon Cooper)

Wie willst Du das auf musikalischer Ebene anstellen?
Weißt du, man muss alles verändern. Okay, man kann nicht alles verändern, es gibt einige Dinge, die man so lassen sollte, wie sie sind. Aber man kann den Sound verändern, die Produktion, die Art und Weise wie du einen Beat attackierst; du kannst den Samples auf eine andere Art verwenden. Kanye hat das mit seinem neusten Album geschafft. Vielen Leute mochten es nicht. Aber weiß du, den meisten hat es nicht gefallen, weil es nicht das war, was sie von Kanye gewöhnt waren. Er hat sich verändert, entwickelt, ist den nächsten Schritt gegangen, hat ein Kapitel abgeschlossen. Das ist Wachstum. Und das will ich mit meiner Musik: wachsen.

Du erreichst die Vielseitigkeit in deiner Musik v.a. dadurch, deinen Flow zu verändern. Und sogar deine Stimme klingt oft ganz verschieden. Ist das etwas, dass du bewusst…
…ah man, ich schreibe einfach nur (lacht). Ich schreibe und höre Musik, höre Rhythmen und so, alles Weitere kommt ganz organisch. Es ist nicht so, dass ich versuche De-de-de-de-dö zu rappen, weißt du. Ich will etwas sagen und muss einen Weg finden, es zu sagen. Ich muss einen Weg finden es zu spitten, so dass es flüssig rüber kommt.

Du hast in Boston am Berklee College of Music studiert. Verändert so ein Musikstudium wie man ans Musikmachen herangeht?
Es hat eine Menge verändert. Man schaut anders auf die Dinge. Du guckst anders auf Melodien, Rhythmen; du achtest auf das Timing von Sängern, achtest auf deren »delivery«. Musik zu kennen und insbesondere verschiedene Instrumente zu kennen, aber auch einfach von Musikern umgeben zu sein, führt dazu, dass man Sachen viel organischer aufnimmt. Alle wissen irgendwann einfach, was sich gut anhört. Und wenn du ein Gefühl dafür bekommst, was sich gut anhört, dann lebt deine Arbeit davon. Alles wird ab diesem Moment besser. Man lernt Dinge einfach natürlich auf sich zukommen zu lassen und wie man dann weiter manövriert.

Während dieses Studiums hast Du dich sicher auch mit vielen Musikern beschäftigt, die aus einem anderen Genre kommen. Was hast du zum Beispiel von Jimi Hendrix gelernt?
Von Jimi Hendrix lernt man eine Menge darüber, mit sich selbst ins Reine zu kommen. Und ich denke, er war einer der einflussreichste Gitarristen aller Zeiten. Er hat Rock ‘n Roll verändert. Er hat die Sicht der Leute auf die Gitarre verändert; er hat den gesamten Sound verändert. Was für ihn funktioniert hat, hat für ihn funktioniert. Er hat nicht versucht die Massen anzusprechen. Wenn er etwas aufnehmen, auf Platte pressen und veröffentlichen wollte, dann tat er das, weil es aus seinen Gefühlen heraus entstand und daraus, was gerade in seinem Leben passierte. Darum ist »Axis: Bold Is Love« eines meiner Lieblings… es ist mein Lieblingsalbum aller Zeiten. Darauf sind so viele Metaphern, so viele Arten über etwas durch Sound nachzudenken. Es lässt einen nachdenken. Das will ich auch mit meiner Musik erreichen.