Electric Wire Hustle – Der Vibe von der Insel

19.08.2011
Foto:Benjamin Menedetter
Electric Wire Hustle ist der neueste Export aus Wellington, Neuseeland. Die Band fand zueinander durch die gemeinsame Liebe zum Soul, Hip Hop und der Dilla Beat Produktion. Wir trafen sie zum Interview.

Electric Wire Hustle ist der neueste Exprot aus Wellington, Neuseeland. Die Band fand zueinander durch die gemeinsame Liebe zum Soul, Hip Hop und der Dilla Beat Produktion. Ihr Song Perception reiste um die Welt und brachte Radio Persönlichkeiten wie Gilles Peterson und Benji B. auf den Geschmack. Kollaborationen mit Georgia Ann Muldrow und Steve Spacek trugen zu ihrem Sound bei. Inspiration kommt von Marvin Gaye und vielen mehr. Das kann man in der beruhigenden Stimme von MaraTK auch hören. Valentin Menedetter traf sich mit ihnen.

Das erste was man von euch sah war das Video in dem ihr den Song Perception gespielt habt – ihr habt diesen Dilla Beat bearbeitet. Inwiefern hat er euch musikalisch beeinflusst?
Taay: Ich denke eines der ersten Dinge, die wir als gemeinsame Basis zwischen uns dreien gefunden haben, war die Bewunderung für seine Arbeit. Wir hatten alle Gefallen an verschiedenen Dinge die wir gefunden hatten, die von ihm produziert wurden. Egal ob Remixes oder seine eigenen Sachen. Man kann eine Verbindung zu den Jazz Sachen die wir mögen. Es kam ganz natürlich.

Also habt ihr da eure Gemeinsamkeit gefunden?
Myele: Yeah, was Dilla gemacht hat – er hat seine eigene rhythmische Sprache entwickelt. Es gibt ein paar andere Produzenten, wie Madlib die einen ähnlichen Style haben. Aber er war ein Pionier in dieser lockeren Kopfnicker Sache. Wenn du ein Jazz Musiker bist musst du Miles Davis durchmachen. Du kannst nicht um ihn herum. Weil sich alles verändert hat als er tat was er getan hat.
Taay: Einige der frühen Sachen die wir uns angehört haben, wie Mingus und Ellington mit Max Roach – das ist raw. Da ist eine Essenz drinnen, was die Rawness betrifft – das ist auch ein Schlüsselteil von vielen Dilla Sounds, und das hört man raus. Wenn man das Bedürfnis hat seine Ohren einem wenig schlampigen Sound anzupassen, dann ist Dilla die perfekte Adresse.

Wie habt ihr euch gefunden?
Taay: Es war ein glücklicher Zufall – ich traf Myele eines Tages, als er auf der Straße spielte – kurz danach haben wir uns zusammengesetzt. Wir sind beide in Christchurch aufgewachsen und dann zog Mara plötzlich nach Wellington – wir haben uns alle recht schnell gefunden und besser kennengelernt, in der Zeit die wir gemeinsam im Studio verbrachten. Die Sachen die wir damals machten wurden schlussendlich die Songs auf dem Album.

»… auch das Soul Element – ich glaube, das ist auch der Insel-Vibe! (Myele)

Ihr seid aus Neuseeland – inwiefern hat eure Herkunft euren Sound beeinflusst?
Myele: Ziemlich stark – wir sind mit Bands wie Fat Freddy’s Drop oder Trinity Roots. Eine ihrer stilistischen Gemeinsamkeiten ist, dass sie sehr soundscapig sind und dass sie einen Reggae Hintergrund haben – der ist bei uns nicht wirklich vorhanden. Aber die Soundscapes und die Schichten und Strukturen der Dinge, die vielleicht nur um zwei Akkorde angeordnet sind, sich aber klangmäßig weiterentwickeln. Für mich persönlich kommt das bei uns allen durch – es ist etwas von dem wir alle profitiert haben. Auch das Soul Element – ich glaube, das ist auch der Insel-Vibe! Es ist alles ein wenig entspannter, das trägt dazu bei. Eine Band wie Fat Freddy’s Drop könnte nicht aus London oder New York kommen weil diese Städte nicht entspannt sind – sie sind sehr intensiv. Neuseeland ist entspannt. Solche Bands haben auch ihre Intensität, aber auf eine andere Art und Weise.

Wenn ihr Inspiration für neue Sachen braucht und alles andere außer Acht lassen wollt, wie macht ihr das?
Taay: Ich glaube, dass es momentan sehr inspirierend ist das Privileg zu haben reisen zu können. Ich glaube es kommt daher, dass man diese ganze Kultur erfahren kann. Das Privileg zu haben dieses kleine Buch zu öffnen und wirklich zu den Orten zu reisen und darüber zu lernen während man tatsächlich da ist. Die ganze Musik die an diesen Orten entstanden ist und die gespielt wurde. Die Tour hatte, was das betrifft, einen ziemlich großen Einfluss auf mich. Natürlich auch das Bedürfnis die Dinge weiter zu bringen. Wenn wir ein Festival spielen, dann spielen wir mit unseren Peers und Leuten die wir wirklich bewundern.

Gibt es einen großen Unterschied zwischen euch, wenn ihr live spielt und eurem Studio Album?
*Myele: Der größte Unterschied zwischen unserem Album und uns live auf der Bühne ist die Energie – es gibt live einfach mehr Energie. Unser Studioalbum ist sehr durchproduziert – ein geschaffenes Ding. Die Live Show hat Elemente dieser Produktion und Machart, aber hier kommt das Element des Loslassens und Spielens dazu. Wir versuchen die Energie rüberzubringen wenn wir spielen und hoffen, dass uns das Publikum diese Energie zurückgibt. Das es ein Erlebnis für uns wird wenn wir spielen und das Publikum das zuhört. Sie sind genauso ein Teil der Performance wie wir. Fast alle Sachen die wir spielen wurden geprobt, aber es gibt Momente wo wir frei interpretieren. Wenn man ein Solo spielt, dann hat man das Gefühl, dass in diesem Moment etwas Neues geschaffen wird – das ist der Unterschied zum Studio. Du hast nicht die Möglichkeit zu einem Teil zurückzugehen, den du vielleicht verpatzt hast und noch mal daran zu arbeiten. Wenn du live spielst ist es einfach da – man ist ziemlich nackt. Wenn du also einen Fehler machst hast keine andere Wahl als darauf aufzubauen.

[shariff]