Geordie Wood – Auge in Auge mit dem Betrachter

09.11.2012
Foto:Geordie Wood
Der 27-jährige, in Boston geborene Fotograf Geordie Wood Verfechter der traditionellen Fotografie. Er vermeidet alles Trendige und Überflüssige bei seinen Aufnahmen. Dennoch sind seine Motive stark mit dem Moment verbunden.
A$AP Rocky, Le1f und Swizzy Swinton: Obwohl seine Motive sehr stark mit dem Moment verbunden sind, Auge in Auge mit dem Betrachter und dabei schrill, ist der 27-jährige, in Boston geborene Fotograf Geordie Wood Verfechter der traditionellen Fotografie und arbeitet mit einer analogen Kamera, zwei Linsen und einem Hand-Belichtungsmesser. Er vermeidet alles Trendige und Überflüssige bei seinen Aufnahmen. Dieser Clash gibt seinen Fotografien Kanten, die sie in einer Branche, die schon zu viele Porträts mit lässig gegen Backsteinmauern gelehnten Musikern gesehen hat, hervorheben. Die letzten fünf Jahre hat Geordie Wood in Brooklyn verbracht, wo er Rapper, Musiker, Autoren und Designer fotografierte. Seit kurzem ist er Fotoredakteur des Musik- und Fashion-Magazins The Fader.

Wie kam es zu deinem Durchbruch als Fotograf?
Geordie Wood: Zwei Jahre vor meinem Abschluss in Dokumentarfotografie begannen meine Arbeiten ziemlich gewöhnlich auszusehen. Das frustrierte mich sehr und schließlich habe ich alles, was ich bis dahin gemacht hatte, verworfen und versucht mir eine andere Art und Weise des Fotografierens anzueignen, indem ich auf eine 35mm Kamera zurückgriff. Ich begann meinen Arbeiten meine eigene Handschrift zu geben und veränderte mein Portfolio komplett. Als ich 20 war zeigte ich meine Bilder einem bekannten Creative Director in New York City, der bei The Fader arbeitete. Er gab mir meinen ersten Auftrag für das Magazin: Ich sollte den Reggaekünstler Collie Buddz in Queens fotografieren. The Fader brachte mich mit News Week und anderen Publikationen in Kontakt, die mir eine Chance gaben als ich noch sehr jung war. Seitdem habe ich einfach versucht einen Gig nach dem anderen zu bekommen um immer mehr zu der Community dazuzugehören.

Viele deiner Fotografien zeigen Hip Hop-Künstler. Haben dich Publikationen wie The Fader in diese Richtung geschubst oder war es deine eigene Entscheidung?
Geordie Wood: Beides trifft zu. Ich bin ein großer Rap-, Jazz- und Reggae-Fan und Musiker zu fotografieren macht sehr viel Spaß, weil es oft Leute mit Stil und einer einzigartigen Sicht auf die Welt sind. Musikjournalismus ist einer der wenigen Orte in der redaktionellen Welt, wo man immer noch kreativ sein und eine eigene Stimme haben darf. Ich wollte immer wegen meines Stils und meiner Ästhetik engagiert werden und nicht einfach als Maschine, die auf den Auslöser drückt. Musiker zu fotografieren erlaubt mehr kreative Freiheit.

»Meine Ästhetik und das Interesse meiner Arbeit ist es, Bilder zu machen, die sich so organisch und real wie möglich anfühlen, obwohl sie kontrolliert sind.« (Geordie Wood)

Es gibt viele wiederkehrende Posen im Hip Hop. In welchem Umfang inszenieren sich deine Motive selbst? Wie viel Kontrolle hast du über die Richtung, in die die Fotografie geht, wo doch deine Motive wahrscheinlich ziemlich starke Persönlichkeiten sind?
Geordie Wood: Rapper sind gewöhnlich sehr selbstbewusst und sehr selbstbestimmt, wenn es darum geht wie sie sich der Welt zeigen und wie sie portraitiert werden möchten. Das ist eine große Herausforderung. Meine Ästhetik und das Interesse meiner Arbeit ist es, Bilder zu machen, die sich so organisch und real wie möglich anfühlen, obwohl sie kontrolliert sind. Ich möchte, dass die Leute meine Bilder ansehen und sich wirklich mit meiner Materie verbunden fühlen, egal ob es sich nun um eine Person oder irgendwas anderes handelt. Ich nehme mir die Zeit zu erklären, was ich von den Leuten haben möchte. Für die Bilder von A$AP Rocky habe ich viel Zeit mit ihm verbracht, bis er sich vor der Kamera richtig wohl fühlte.

Du hast A$AP Rocky auf Film festgehalten, bevor er völlig explodierte und bevor die Öffentlichkeit ein Image von ihm konstruierte. Wie war das?
Geordie Wood: Ich hatte das Glück A$AP zu fotografieren, bevor er den Plattenvertrag unterschrieb. Als ich die Fotos schoss, hatte das eine große Bedeutung für ihn, es war noch eine große Sache in einem Magazin zu sein. Es ist schwer andere Aufnahmen zu finden, die denen ähneln, die ich von ihm machte. Er ist nun eine völlig andere Person. Er hat Millionen von Dollar und wird von jedem fotografiert.

Ich finde deine Fotos haben, was das Licht und die Inszenierung betrifft, eine Kinoästhetik. Ist das beabsichtigt?
Geordie Wood: Ich mag es wenn sie eine cinematische Qualität haben. Ich mag es wirklich bei den Grundlagen zu bleiben und etwas mit den einfachsten Elementen der Fotografie schön zu machen. Ich arbeite mit der Lichtqualität, meinen Motive und den Momenten, die passieren, wenn du die Kamera auf ein Gesicht hältst. Ich mag es Szenen zu entwerfen und die Leute an Plätze zu bringen an denen nicht nur die technischen Elemente der Fotografie funktionieren, sondern wo auch die Szene und die Umgebung etwas zum Foto beitragen. So arbeite ich in einer ganz einfachen Weise, ich konzentriere mich total auf die Motive, ihren Ausdruck und wie sie sich halten. Das ist es am Ende, was ein Produkt schafft, welches eine Geschichte erzählt und hoffentlich das Subjekt in einer möglichst natürlichen und ehrlichen Weise trifft.