Jamel Shabazz – Ausstellung in der Hardhitta Gallery in Köln

24.03.2015
Foto:Jamel Shabazz
Jamel Shabazz zeigt in mit seinen Fotografien das New York der 1980er Jahre: Die Outfits, die Besonderheiten der Kultur, die unverwechselbare Architektur im Hintergrund. Doch etwas anderes macht seine Fotografien so beeindruckend.

Der erste Blick ist Faszination. Der zweite auch. Die zwischen Berlin, Köln und Los Angeles hin und her pendelnde Hardhitta Gallery hat vom 7. bis zum 29. März in Köln ihre Zelte aufgeschlagen und zeigt Fotografien von Jamel Shabazz. »Reflections From The ’80s« ist die erste Einzelausstellung des Fotografen, dessen »Radio Man« fast jeder schon einmal gesehen haben dürfte.

Auf den ersten Blick ist man von der Oberfläche fasziniert: dieser unverkennbaren Ästhetik von Brooklyn in den 1980er Jahren, das Jamel Shabazz wie Spike Lee mit seinen Filmen für die Ewigkeit einzufangen vermochte. Eine Ästhetik übrigens, die durch Rapper wie die Flatbush Zombies in den zwei vergangenen Jahren wieder viel an Aktualität gewonnen hat.

Jamel Shabazz und der zweite Blick
Und dann ist da der zweite Blick. Der Blick hinter die Outfits, hinter die Accessoires und die unverwechselbare Architektur der hier gezeigten New Yorker Stadtteile. Es ist der Blick des Fotografen Jamel Shabazz, dem man als Betrachter zu folgen vermag.

»Jeder, den ich durch mein drittes Auge sehen durfte, kümmert mich zutiefst. (Jamel Shabazz)

Wie nur wenige schafft er es, dass jeder Mensch, den er fotografiert, Mensch bleibt; er erstarrt nicht im Foto, sondern behält seinen Ausdruck, erzählt weiterhin eine Geschichte. So schafft Jamel Shabazz nicht nur das Abbild faszinierender Individuen, sondern fängt einen Kosmos ein, den ein Geist, den Emotionen zusammenhalten. Es ist ein feinfühliger Blick auf eine Gemeinschaft mit all ihren Kämpfen und Freuden. Vor allem den Kämpfen widmete sich Jamel Shabazz: er half Jugendlichen, sich in die Gesellschaft zu integrieren und zeigte ihnen andere Perspektiven auf.


Ein kleines Interview mit Jamel Shabazz
Gegenwärtig befindet sich Jamel Shabazz auf Reisen. Eine Frage hat er uns trotzdem beantworten können.

In deinen Fotografien erkennt man, dass dir etwas an dem Porträtierten lag. Die Menschen, ob fremd oder bekannt, haben dich beschäftigt, die Nachbarschaft ging dich etwas an. Es gibt eine Verbindung zwischen den von dir porträtierten Personen und dir selbst. Die Menschen werden bei Dir nie zu Objekten. Die Frage – endlich – ist kurz: Wie schaffst du das?

Jamel Shabazz: Ich weiß es zu schätzen, dass du diese scharfe Beobachtung gemacht hast! Ja, jeder, den ich durch mein drittes Auge sehen durfte, kümmert mich zutiefst. Von jungen Kinder, die das Mühsal des Asphalts annehmen, zu alltäglichen Leuten, die mir über den Weg gelaufen sind. Ich schreibe es meiner Mutter zu, mir das Vorbild geliefert zu haben, in dem sie 30 Jahre lang als Krankenschwester arbeitete. Obwohl sie mit allen möglichen täglichen Hindernissen in diesem Beruf zu kämpfen hatte, blieb sie immer ein liebevoller und mitfühlender Mensch. Als Kind habe ich ihren Charakter studiert: Wie sie mit anderen Menschen interagierte, immer zuhörte, immer bereit, eine helfende Hand zu reichen. Ganz natürlich habe ich viele ihrer Eigenschaften absorbiert. Als ich das Feld der Fotografie betrat, wollte ich in meiner Gemeinde eine Veränderung bewirken. Die Kamera gab mir eine Stimme und diente als das perfekte Instrument, mit den Menschen in einem aufrichtigen Verlangen in eine konstruktive Kommunikation zu treten und in diesem Prozess ihre Geschichte festzuhalten. Alle meine Fotografien reflektieren mein Inneres und meine Liebe der Menschheit gegenüber.