Gold Panda – Einfach immer besser

02.07.2011
Foto:Sofie Fatouretchi
Sein Debüt __Lucky Shiner__ war im letzten Jahr der gemeinsame Nenner, auf den sich Beatapologeten, Caribou-Hörer und Electronic-Frickler hinreichend einigen konnten. Valentin Menedetter traf Gold Panda zum Interview und klärt Grundlegendes.

Derwin Panda ist gebürtiger Londoner. In seinen frühen Kindheitsjahren kam er bereits mit allen möglichen Sounds in Berührung und verinnerlichte sie – später kam dann Hip Hop dazu, der ihn an das Produzieren heranführte. Durch die Hilfe seines Onkels, der ihm als Teenager einen Sampler gab, fand er die Begeisterung für Sampling. Gold Pandas Sound ist von vielen Quellen inspiriert und enttäuscht nie mit seiner Vielfalt. Seine Live Shows nehmen einen auf eine Reise durch alle Tempi mit. Valentin Menedetter sprach mit ihm über seine Vergangenheit.

Was hat dein Interesse an der Musik geweckt?
Gold Panda: Ich glaube es waren die Dinge, die sich meine Mutter und mein Vater auf Vinyl am Freitag und Samstagabend angehört haben. Sie haben Wein getrunken und viele Platten ganz laut gespielt. Ein bisschen alten Rock’n’Roll, ein wenig klassische Musik. Einfach nur das Knistern der Platten war ein angenehmer und beruhigender Klang für mich.

Wie alt warst du als du selbst anfingst Platten zu kaufen?
Gold Panda: Ich glaube die erste Platte, die ich gekauft habe, war eine Soul II Soul-Scheibe. Ich habe damals in Peckham, im Süden Londons, gelebt. Ich sagte zu meinem Vater, dass ich diese Platte haben möchte und er nahm mich mit zu Woolworths. Aber dort gab es nur Charts und so bin ich in ein anderes Geschäft gegangen, dort verkauften sie Reggae und alles andere, was es damals noch so gab. Es gab die Soul II Soul-Platte dort, ich glaube sie hieß Get A Life, und ein großer Typ mit Dreadlocks gab mir die Platte – das war die erste, die ich gekauft habe. Es folgten eine Best-Of-Kassette von Pavarotti und eine gefälschte Michael-Jackson-Kassette.

Wenn man von Acid Jazz spricht, denkt man unweigerlich auch an das Label Talkin Loud. Hat das in deinem musikalischen Werdegang eine Rolle gespielt?
Gold Panda: Ich glaube, das habe ich irgendwie verpasst, weil ich bin in Hip Hop und R’n’B gekippt. Das hat dann Überhand genommen, und dann gab es nicht wirklich etwas anderes für mich. Ich ging durch eine rebellische Phase. Ich bin von London nach Chelmsford und Essex gezogen, als ich da hinkam gab es dort keine Kultur. Nur weiße Mittelklasseleute. Ich war es gewohnt in London zu leben, wo mein bester Freund ein somalischer Flüchtling war. Es war einfach eine wilde Mischung. Es waren Leute von der ganzen Welt. Und dann nach Essex – die Leute waren rassistisch und engstirnig. Es ist nicht weit weg von London, etwa 40 Minuten mit dem Zug. Ich habe viel Gangsta Rap gehört und wollte damit gegen die Leute dort rebellieren.

»Ich glaube, man will seine Tracks einfach nur immer besser machen. Das ist die Hauptsache.« (Gold Panda)

Wann war das erste Mal, das du selbst Musik gemacht hast?
Gold Panda: Mein Onkel gab mir einen Sampler, er machte selbst Musik. Er borgte mir seinen Akai und zeigte mir, wie man ihn bediente. Es war sogar ein wenig früher, als mein Freund einen Acorn Electron hatte und damit begann Sachen zu machen. Wir hatten auch Commodore Amigas und begannen damit Samplezeug und Beats zu machen. Mein Freund war da viel vertiefter als ich. Ich glaube ich war 14 Jahre alt.

Als du begonnen hast Beats zu machen, hast du da auch von Samples von Platten genommen?
Gold Panda: Ja, das war der einzige Weg. Ich hatte keine Drum Machine, keinen Synthesizer oder Vergleichbares. Ich hatte nur den Sampler und der war leer. Also stöberte ich durch die Plattensammlung meines Vaters und versuchte Beats wie Puff Daddy zu machen, wirklich offensichtliches Zeug. Als ich dann immer mehr und mehr in das Sampling hineinkam und verschiedene Platten samplete, lernte ich wie man das macht, ohne, dass es so offensichtlich war.

Als deine ersten Platten draußen waren, hast du deinen Job gekündigt. Was hat sich für dich verändert, als dir bewusst wurde, dass du jetzt davon leben musst?
Gold Panda: Zunächst nichts. Was die Dinge für mich veränderte, war, das ich ein Album machen musste. Ich wollte nicht, dass es eine Ansammlung von Beats wird, ich wollte, dass es Songs mit Anfang, Mittelteil und Ende waren. Ich glaube, man will seine Tracks einfach nur immer besser machen. Das ist die Hauptsache.

Wenn du dich zurücklehnen und entspannen möchtest, und du suchst etwas, das dich inspiriert, was legst du auf?
Gold Panda: Vor kurzem bin ich nach Hamburg gezogen, das war im Dezember. Ich bin dort also noch nicht so lange, bin viel auf Tour gewesen und habe also dort noch nicht viel Zeit verbracht. Ich höre mir eigentlich alles an. Ich habe in letzter Zeit Kate Bush gehört und das neue Kanye-West-Album, einige elektronische Labels wie 12k und Line. Ich weiß nicht… Diese Frage wird mir immer wieder gestellt und nie habe ich eine gute Antwort.

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