Jahresrückblick 2020 – Top 50 Reissues

01.12.2020

Früher war alles besser, das reden wir uns schon seit geraumer Zeit ein und seit zehn, fünfzehn Jahren versucht uns die Reissue-Industrie in dieser zur Weltanschauung geronnenen Vermutung zu bestätigen. Hier sind die Top 50 Reissues 2020.

Früher war alles besser, das reden wir uns schon seit geraumer Zeit ein und seit zehn, fünfzehn Jahren versucht uns die Reissue-Industrie in dieser zur Weltanschauung geronnenen Vermutung zu bestätigen. Weirder Pop und sanfter Ambient aus Japan, übersehen geglaubte Jazz-Meisterwerke, komisch-kosmische Musik aus allen Ecken und Jahrzehnten: Das next big thing zu entdecken scheint weiterhin Aufgabe der Schallplattenarchäologie zu sein. Aber keine Sorge, wir knicken nicht vor der grassierenden Retromanie ein, die in diesem Jahr noch naheliegender schien als sowieso schon: Wir kennen auch 50 Alben, 20 (und ein bisschen mehr) Singles und 20 Compilations aus dem Hier und Jetzt, die in diesem Jahr erschienen waren und nach vorn geblickt haben. Weshalb wir euch guten Gewissens 50 Schallplatten als Nachgang servieren, die alte Musik für unsere Zeit reaktivieren und rekontextualisieren. Früher war eben doch nicht alles besser, aber diese Musik zumindest uneingeschränkt geil. Kristoffer Cornils


Akiko Yano
Gohan Ga Dekitayo
WeWantSounds • 2020 • ab 35.99€

Gohan Ga Dekitayo ging Tadaima voraus und stellt somit den definitiven missing link zwischen dem Frühwerk von Akiko Yano und ihrer Synthie-Phase her. Hier blitzen noch die Jazz- und Rock-Einflüsse hervor, dort beweist sich mit aller Stärke, dass Yano dem Yellow Magic Orchestra einst das Laufen beibrachte. Dass sie zwischendrin noch YMOs »Tong Poo« covert, lässt sich da als kleines Schulterklopfen deuten. Ist das Resultat durchmischt? Ja. Aber eben auch wandlungsfähig wie niemand sonst im Techno-Pop-Universum.

Kristoffer Cornils

Wieder 95. Diesmal Houston. Auf »Like A Grown As Man« fehlt nichts außer vermutlich ein »s« im Titel. Ansonsten klingt hier alles, wie H-Ta’ damals halt klang, zwischen tief in den Sitz gedrückt und zeitweißem Aufmucken auf dem Parkplatz. Alles sehr rotzig und schwererziehbar. Pippo Kuhzart

Loredana Berte
Loredanaberte - 70berte Picture Disc Edition
Nar • 2020 • ab 28.99€
Sommer 2019: Die Wellen kräuseln sich an der Küste Apuliens, der Magen ist mit Focaccia Barese gefüllt und der DJ greift ausnahmsweise nicht vorbei, sondern zu »In alto mare«. Anderthalb Jahre später: Berliner Dunkelheit und Distanzmaßnahmen, dank dem Reissue von Loredana Bertès selbstbetiteltem Album von 1980 als »Loredanaberte 70berte« aber zumindest ein Restgefühl vom guten Leben. Und weil dazu auch »Normale O Super« neu aufgelegt wurde, sinken selbst im klammsten Winter die Heizkosten etwas ab. Kristoffer Cornils

Loscil
Coast / Range / Arc//
Kranky • 2020 • ab 30.99€
Zur Review
Niemand muss an Erlösung glauben. Aber wenn man sie wo findet, dann in den Drones von loscil. Mit »cost/range/arc«, das 2011 erschien und 2020 auf Kranky landete, schließt der Kanadier 1000 Plateaus in Super-Slow-Mo. Eis kracht, der Boden bebt, Armageddon in der finnischen Tundra, am Nordpol oder zu Hause in der durchgestylten Altbauwohnung. Sollte dieser Ambient-Entwurf irgendwann langweilig werden, ist man dazu angehalten, sich flüssigen Stickstoff in die Speiseröhre zu kippen. Christoph Benkeser

Maggi Payne
Ahh-Ahh
Aguirre • 2012 • ab 20.99€
Albumtitel des Jahres, klar. Hat sich Maggi Payne – Nachname des Jahres, klar – aber schon viel früher ausgedacht. »Ahh-Ahh« erschien erstmals 2012 auf Root Strata und war damals schon passé, klang aber so frisch und unkonventionell wie nur irgend möglich. Die US-Amerikanerin komponierte die zwischen Synth-Pop und Post-Minimal-Stücken vermittelnden Stücke mit einem Apple und frühen Sampling-Geräten für ein Performance-Stück und tatsächlich gelang ihr wie aus Versehen das Glanzstück, dass dieser Sound fast vier Jahrzehnte später immer noch zeitgemäß und, ja, irgendwie tanzbar klingt. Ahh! Kristoffer Cornils

Manfredo Fest
Brazilian Dorian Dream
Far Out • 1976 • ab 28.99€
Zur Review
Für Reissues war 2020 ein erfreuliches Jahr. Unter den vielen großartigen Platten hat Manfredo Fests <a href=“https://www.hhv-mag.com/d

Die Resteverwertung der kankyō-ongaku-Ära in den 80er Jahren durch einschlägige Reissue-Labels nimmt mittlerweile verzweifelte Züge an, treibt manchmal aber noch echte Perlen an die Oberfläche. Während Studio Mule mit »Virgo Indigo« den Jazz-Interessen von Yas-Kaz neues Leben einhauchte, schnappte sich das spanische Label Glossy Mistakes mit »Jomon-Sho« das eigentlich essentielle Album des Weirdo-Percussionistin und New-Age-Komponisten. Danke dafür, als nächstes dann bitte Geinoh Yamashirogumi. Kristoffer Cornils


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