Früher war alles besser, das reden wir uns schon seit geraumer Zeit ein und seit zehn, fünfzehn Jahren versucht uns die Reissue-Industrie in dieser zur Weltanschauung geronnenen Vermutung zu bestätigen. Weirder Pop und sanfter Ambient aus Japan, übersehen geglaubte Jazz-Meisterwerke, komisch-kosmische Musik aus allen Ecken und Jahrzehnten: Das next big thing zu entdecken scheint weiterhin Aufgabe der Schallplattenarchäologie zu sein. Aber keine Sorge, wir knicken nicht vor der grassierenden Retromanie ein, die in diesem Jahr noch naheliegender schien als sowieso schon: Wir kennen auch 50 Alben, 20 (und ein bisschen mehr) Singles und 20 Compilations aus dem Hier und Jetzt, die in diesem Jahr erschienen waren und nach vorn geblickt haben. Weshalb wir euch guten Gewissens 50 Schallplatten als Nachgang servieren, die alte Musik für unsere Zeit reaktivieren und rekontextualisieren. Früher war eben doch nicht alles besser, aber diese Musik zumindest uneingeschränkt geil. Kristoffer Cornils

Gohan Ga Dekitayo ging Tadaima voraus und stellt somit den definitiven missing link zwischen dem Frühwerk von Akiko Yano und ihrer Synthie-Phase her. Hier blitzen noch die Jazz- und Rock-Einflüsse hervor, dort beweist sich mit aller Stärke, dass Yano dem Yellow Magic Orchestra einst das Laufen beibrachte. Dass sie zwischendrin noch YMOs »Tong Poo« covert, lässt sich da als kleines Schulterklopfen deuten. Ist das Resultat durchmischt? Ja. Aber eben auch wandlungsfähig wie niemand sonst im Techno-Pop-Universum.
Kristoffer CornilsWieder 95. Diesmal Houston. Auf »Like A Grown As Man« fehlt nichts außer vermutlich ein »s« im Titel. Ansonsten klingt hier alles, wie H-Ta’ damals halt klang, zwischen tief in den Sitz gedrückt und zeitweißem Aufmucken auf dem Parkplatz. Alles sehr rotzig und schwererziehbar. Pippo Kuhzart

Die Resteverwertung der kankyō-ongaku-Ära in den 80er Jahren durch einschlägige Reissue-Labels nimmt mittlerweile verzweifelte Züge an, treibt manchmal aber noch echte Perlen an die Oberfläche. Während Studio Mule mit »Virgo Indigo« den Jazz-Interessen von Yas-Kaz neues Leben einhauchte, schnappte sich das spanische Label Glossy Mistakes mit »Jomon-Sho« das eigentlich essentielle Album des Weirdo-Percussionistin und New-Age-Komponisten. Danke dafür, als nächstes dann bitte Geinoh Yamashirogumi. Kristoffer Cornils
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