Masta Ace – »Es war definitiv eine Art Therapie«

09.07.2012
Foto:Tobias Hoffmann / PhyreWorX
Ganze acht Jahre nach »A Long Hot Summer« kommt Masta Ace mit einem neuen Soloalbum daher. Es heißt »MA Doom: Son Of Yvonne«. Ein Titel, der ohne Umschweife auf die wichtigsten Bezugsquellen verweist.

Ganze acht Jahre vergingen seit dem letzten Soloalbum von Masta Ace. Der Titel des Nachfolgers von »A Long Hot Summer« lässt an eine Fusionen mit dem Maskenmann im Sinne von »Doomstarks« und »Madvillainy« denken. »MA Doom« ist allerdings keine Kollaboration im eigentlichen Sinne. Masta Ace bediente sich für die Platte aus dem Beat-Antiquariat der »Herbs & Spices«-Mixtapes. Doom steuerte immerhin einen Vers für das Album bei, für den er sich aber ein halbes Jahr Zeit ließ. Für das Verständnis des Albums relevanter ist ohnehin der zweite Teil des Titels. »Son of Yvonne« ist eine Selbstbezeichnung. Masta Ace widmet das Album seiner Mutter, die 2005 unerwartet verstarb. Aus einer Mixtapeidee wurde das persönlichste Album seiner Laufbahn. Ace geht zurück in die 1970er Jahre und erinnert sich an seine Kindheit in Brooklyn. Das Gespräch über »MA Doom: Son Of Yvonne« verlief dementsprechend emotional.

Das Album ist textlich sehr persönlich. Es handelt viel von deiner Mutter, die vor einigen Jahren verstorben ist. War es mehr Selbsttherapie oder Selbstzerstörung, das Album zu schreiben?
Masta Ace: Es war definitiv eine Art Therapie. Der Tod meiner Mutter war einer der Gründe, warum ich das Album machen wollte. Sie verstarb ziemlich plötzlich und unerwartet. Du gehst durch das Leben mit den Menschen, die dir viel bedeuten und denkst, du würdest sie morgen wiedersehen. Plötzlich sind sie nicht mehr da und du wolltest ihnen noch so viel sagen. Nach ein paar Jahren habe ich realisiert, dass ich etwas machen muss, um meiner Mum zu danken. Das Album ist eine Art, genau das zu tun.

Wie hat der Tod deiner Mutter dein Leben verändert?
Masta Ace: Ich habe das Leben immer sehr geschätzt. Aber jetzt weiß ich es noch mehr zu schätzen, da ich begriff, dass alles es in einem Augenzwinkern vorbei sein kann. Als meine Mutter starb, wurde meine Tochter gerade ein Jahr alt. Die Geburtstagsfeier war einen Tag vor der Beerdigung. Das war eine harte Zeit und jedes Jahr ist es wieder schwierig. Aber der Geburtstag meiner Tochter hält mich auch in einer positiven Grundhaltung, wenn ich eigentlich traurig wäre. Das hilft mir ein wenig. Seitdem sie nicht mehr da ist, bin ich auf jeden Fall eine viel emotionalere Person. Ich gerate schneller aus der Fassung. Manchmal sehe ich im Fernsehen Familienvereinigungen oder so und fange zu weinen an. Es tut weh, und das Album hilft mir, damit klar zu kommen.

»Ich wollte, dass die Leute das Album hören und sich in die 1970er Jahre zurückversetzt fühlen. Sie sollten mich als 12-jährigen sehen, der in Brooklyn aufwächst und versucht, in seiner Nachbarschaft Rapper zu werden« (Masta Ace)

Dein letztes Album »A Long Hot Summer« spiegelt das Gefühl eines heißen Sommers in Brooklyn wider. »MA Doom« ist sehr retrospektiv. Welches Gefühl wolltest du hier transportieren?
Masta Ace: Ich wollte, dass die Leute das Album hören und sich in die 1970er Jahre zurückversetzt fühlen. Sie sollten mich als 12-jährigen sehen, der in Brooklyn aufwächst und versucht, in seiner Nachbarschaft Rapper zu werden. Das funktioniert am Besten, in dem man diese Bilder zeichnet, während man schreibt. Ich habe versucht, Bilder zu erschaffen aus dieser Zeit, bei denen du fast die Gerüche riechen und die Sounds hören kannst, die mich damals umgaben.

Welche Erinnerungen verbindest du mit der Musik, mit den Sounds von damals?
Masta Ace: Viele der Platten, die ich auf meinem ersten Album und meinem zweiten Album gesamplet habe, waren direkt aus der Plattensammlung meiner Mum. Als ich zu Marley Marl nach Hause gegangen bin, um dort aufzunehmen, habe ich eine Plastiktasche mitgenommen, wo einige Platten meiner Mutter drin waren. Wir haben aus ihrer Sammlung gesamplet. Erst jetzt, wo ich an diesem Album gearbeitet habe, bin ich innerlich zurückgegangen und habe angefangen, diese Dinge zu erinnern. Eigentlich war es die Musik, die ich jeden Tag zuhause gehört habe, die mich ins Musikbusiness geführt hat. Meine Mutter hat viel Earth, Wind and Fire, eine Menge Al Green und Minnie Riperton gehört. Wenn ich diese Musik heute höre, denke ich sofort an meine Kindheit und wie ich die Songs damals gehört habe. Das passiert mir auch mit diesem Album. Wenn ich es höre, denke ich an meine Mutter und meine Großmutter, wie sie in der Küche kochen, Fernsehen gucken und wir noch eine Familie sind.

Inwieweit haben dich die Texte von MF Doom beim Schreiben beeinflusst?
Masta Ace: Es war extrem wichtig, dass ich seine Songs nicht kannte. Ich wusste nicht, welche Raps er über die Beats geschrieben hat. Ich habe nur eine seiner Versionen vorher gehört, das war der Beat zu »The Pro«. Ich hatte sofort Zweifel, ob ich den Song trotzdem aufnehmen sollte. Ich begriff, dass ich nicht schreiben würde, wie ich möchte, wenn ich seine Sachen höre. Es hätte meine Sicht auf die Beats verändert. Also habe ich aufgehört, seine Songs zu hören. Ich hatte die Instrumentals und schrieb das, was sie mir sagten, was ich schreiben sollte.

Welchen Ratschlag würdest du dem 12 Jahre alten Masta Ace heute geben?
Masta Ace: Ich würde ihm sagen, dass er seine Mutter und seine Großmutter wirklich schätzen soll. Ihnen so oft wie er kann sagen, wie sehr er sie liebt. Sie jeden Tag küssen, mindestens 50 Mal. Wirklich das Essen genießen, was sie für ihn zubereiten. Und diese Momente würdigen, weil du nie weißt, wann sie verschwinden.

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