Modeselektor – »Der Bass ist unser Motor«

22.09.2011
Foto:Ben de Biel
Musikalisch setzen sich Modeselektor gerne zwischen die Stühle. Ob nun Techno, Dubstep, Hip Hop, Indie, egal, Hauptsache es liegt ordentlich Bass drunter. Eine Devise, der sie auch auf ihrem neuen Album __Monkeytown__ treu geblieben sind.

»Wir wollen im Bass baden, der muss brummen, wie Lastwagen« sang Denyo, seines Zeichens ein Drittel des immer noch unschlagbaren Hamburger HipHop-Trios Beginner im Jahr 2001 in seinem Solosong 60Hz. Ungefähr zur gleichen Zeit veröffentlichte das Duo Modeselektor seine erste Maxi In Loving Memory und machte unmissverständlich klar, dass auch sie am liebsten deftig in Tieftönen plantschen. Seit dem ist viel geschehen: Die Berliner Gernot Bronsert und Sebastian Szary haben zwei Alben, unzählige Maxis und Remixe produziert und sind mit Stars wie Radiohead über den Planeten getourt. Ihr Sound war dabei nie ein Zugeständnis an ein einzelnes Genre. Stets jonglierten sie spielerisch und unkalkulierbar mit Hip Hop, Techno, IDM, UK Bass und Indie. Im Zentrum kreiste stets der Bass – mal harmonisch, mal disharmonisch, immer voluminös und überwältigend. Auch auf ihrem dritten Album Monkeytown ist er der Motor. Stilistisch mäandern Modeselektor wieder von Hip Hop über Techno bis hin Dubstep und Indie-Elektronik. Dazu singen diesmal erneut Gäste wie Apparat, Miss Platnum, Anti Pop Consortium, Busdriver, Otto von Schirach und Thom Yorke. Und das stets so leidenschaftlich, das man direkt spürt, das keiner von ihnen einfach nur angeheuert wurde. Wie schafft man solch verdrehte, nicht wirklich einzuordnende Musik, ohne verkopft zu klingen? Wie kommt es, dass ein britischer Rockstar wie Thom Yorke zum zweiten Mal auf einer Modeselektor-Platte mitwirkt? Gernot Bronsert und Sebastian Szary haben uns dazu mal kurz Auskunft erteilt.

Ihr seht entspannt aus. War es nicht anstrengend zum ersten Mal ein Album für euer eigenes Label Monkeytown Records zu produzieren?
Modeselektor: Das ging eigentlich ganz gut. Wir haben ja eine kleine Armee, die auf uns aufpasst, damit wir nicht verrückt werden. Das Schwierige war eher die selbst auferlegten Zeitlimits einzuhalten. Dabei sind wir völlig an unsere Grenzen gegangen. Die ganze Platte wurde in elf verrückten Wochen aufgenommen.

Und das mit vielen Gesangsgästen… Habt ihr die bewusst angefragt oder sind das alles Kumpels von euch die spontan mitwirken?
Modeselektor: Die Vocal-Features haben sich alle so ergeben, denn alle Künstler sind Freunde von uns. Aber auch die ganze Platte ist rein aus einem Feeling entstanden. Es gab kein Konzept. Wir waren froh, dass wir plötzlich so viele Songs hatten. Auch das finale Tracklisting ist eine reine Bauchentscheidung gewesen. Nur die Tracks die zu verkopft waren haben wir weggelassen.

»Am besten fänden wir es, wenn im Plattenladen extra ein Modeselektor-Fach eingerichtet würde, denn jeder Künstler sollte eine individuelle Handschrift haben.« (Modeselektor)

Und wie kam es zum Kontakt mit Thom Yorke von Radiohead?
Modeselektor: Den kennen wir auch schon seit 2003 als wir das erste Mal mit Radiohead gespielt haben. Er ist aber nicht nur ein Freund, er ist auch Fan von uns. Wir haben ihm irgendwann Skizzen geschickt und ihn gebeten darüber zu singen. Er hat uns dann eine neue Bassdrum zu einem Track zurück geschickt. Da wussten wir: Wir müssen uns treffen. Er ist dann nach Berlin gekommen, hat sich in unserem Studio die Schuhe ausgezogen und barfuss Gitarre gespielt. Die Songs bei denen er mitwirkt, sind eigentlich keine reinen Modeselektor-Stücke, sondern eine Zusammenarbeit von uns Dreien.

Ihr seid besonders in Großbritannien sehr begehrt. Woran liegt das? An eurem Bassverständnis?
Modeselektor: Für uns ist Großbritannien die innovativste Bastion was neue Musik angeht. Wir sind einer der wenigen deutschen Acts, die in den UK-Basscamps angesagt sind. Auch viele Künstler unseres Labels funktionieren da gut. Manche kommen sogar aus Großbritannien. Und ja – unser Erfolg auf der Insel liegt wohl an unserem Bass. Wenn wir ein neues Stück anfangen, hauen wir immer genug Bass rein und gehen an die Grenze des möglichen. Das sind unsere PS. Der Bass ist unser Motor. Aber nicht so, das er nur im Club funktioniert. Unsere Musik sollte auch wunderbar im Auto funktionieren. Deshalb testen wir neue Tracks immer im Auto und fahren durch Berlin. Wenn wir nur noch auf die Strasse schauen, ist alles gut.

Früher sind eure Tracks oft aus einer Livesituation entstanden. War das bei Monkeytown auch so?
Modeselektor: Nein, kein Stück ist auf der Bühne entstanden. Früher haben wir Loops aus Konzerten gesammelt und daraus Tracks gemacht. Diesmal war es reine Studioarbeit.

Und wie muss man sich die vorstellen?
Modeselektor: Wir sind keine Musiker, die eine Form im Kopf haben. Wir schätzen den Zufall. Oft landet man dann irgendwo, wo man gar nicht hinwollte. Wir mögen das. So bleibt alles locker. Das hört man unserem neuen Album auch an. Die Platte ist nicht auf Erfolg gebürstet. Es gibt nur einen echten Techno-Track. Es hätten auch mehr sein können, aber das war uns zu heftig. Wir wollten heftig sein, ohne anzustrengen. Wir haben auch drei HipHop-Tracks und drei Indietracks auf der Platte. Wir können auf allen Hochzeiten tanzen. Am besten fänden wir es, wenn im Plattenladen extra ein Modeselektor-Fach eingerichtet würde, denn jeder Künstler sollte eine individuelle Handschrift haben.

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