O.C. – Still Diggin

23.05.2012
Nach einigen eher mittelmäßigen Releases ist der New Yorker Rapper O.C. zurück in der Spur. Zusammen mit Apollo Brown hat er gerade ein hörenswertes Album veröffentlicht und auch sonst gibt’s einige Neuigkeiten.

2012 scheint ein gutes Jahr für die verbliebenen Mitglieder der Diggin-In-The-Crates-Crew zu werden. Showbiz und AG haben wieder zusammen gefunden und mit »Mugshot Music«’ ein neues Album in der Pipeline. Lord Finesse entstaubt derweil weiter fleißig seine Archive und bringt über Slice Of Spice bislang unveröffentlichte Tracks unter die Vinylsammler, ehe im Anschluss das längst überfällige »Funky Technician« Remix-Album ansteht. Und auch der Cheflyricist O.C. war nicht untätig und hat nach längerer Solo-Abstinenz unlängst ein neues Album vorgelegt. ‘»Trophies’« heißt das Projekt, das komplett von der Detroiter Boom-Bap-Instanz Apollo Brown produziert wurde.
Dabei kam der Deal mit dem Beatbauer aus dem 313-Distrikt eher über Umwege zustande, wie O.C. verrät: »Ich wurde von Dritten kontaktiert, dass von Seiten der Mello Music Group und Apollo Brown Interesse an einem Projekt mit mir besteht. Und so nahm die Sache ihren Lauf.« Nachdem das Textgerüst für das Album stand, war ein einwöchiger Aufenthalt in Detroit für die Aufnahmesession geplant. Doch binnen zwei Tagen war das Album bereits im Kasten. Die Chemie stimmt demnach zwischen MC und Produzent, was sich mit dem kohärenten Gesamteindruck von »Trophies« deckt. »Ich kann es nicht erklären, aber zwischen uns passt es einfach. Apollos Beats haben dieses Neunziger-Feeling und dennoch einen eigenen 2012er-Touch«, ergänzt O.C..

»Ich bin an einem Punkt angelangt, an dem es mir egal ist, wenn einer Minderheit mein Kram nicht mehr gefällt.« (O.C.)

Nach zuletzt eher mittelmäßigen Releases, die Fans und Kritiker gleichermaßen unzufrieden zurück ließen, scheint der Enddreißiger wieder an die Klassiker seines Karrierebeginns anknüpfen zu können. Ob »Trophies« nun besser sei als »Word Life…« oder »Jewelz» wolle und könne er nicht beantworten. Einen zweiten Teil seines Erstlings hatte er, verglichen mit anderen MCs aus seiner Ära, auch nie in Planung. »Wenn ich ein O.C.-Fan wäre, hätte ich nie ein ›Word Life…Part 2‹ hören wollen. Um es mit Jay-Z zu sagen, ›wenn ihr den alten Stuff hören wollt, dann kauft meine alten Platten‹.« Generell scheint Omar Credle seinen Frieden mit den Begleiterscheinungen des Rap-Spiels gemacht zu haben. »Früher hat mich negative Kritik schon gestört, aber ich bin mittlerweile an einem Punkt angelangt, an dem es mir egal ist, wenn einer Minderheit mein Kram nicht mehr gefällt.« Und von Reue, ob dem Festhalten an der Untergrund-Basis anstelle des Jagens nach dem schnellen Geld keine Spur. »Als Hip Hop-Fan und Musikliebhaber bedauere ich keine meiner Karriereentscheidungen. Ich hatte schon vor der Musik genug Geld, so dass ich nie das Gefühl hatte, mich aus finanzieller Sicht künstlerisch verbiegen zu müssen.«
Eine Maxime, der auch der Großteil seiner D.I.T.C.-Kollegen treu blieb und bleiben wird. Denn die Eingangs erwähnten positiven Nachrichten für Fans des Crate-Digger-Kollektivs aus NYC reißen nicht ab. Wie aus Crewkreisen mehrfach bestätigt wurde, arbeiten Diamond D, Lord Finesse, Showbiz, AG, Buckwild und O.C. nämlich an einem neuen D.I.T.C.-Album. Still diggin’ für 2012 also. Bleibt abschließend nur die Frage, was O.C. von den jüngsten Respektsbekundungen aus Deutschland hält? Die RAG-Legende Aphroe hatte sich auf seinem Retro-Projekt »90« ja unter anderem O.C.s Klassiker »Time’s Up« zur Brust genommen. »Dope. Dies ist weit mehr als Schmeichelhaft. Dass ich Leute damit berührt habe, fühlt sich sehr würdevoll an.«