Pete Philly – »Ich habe wirklich singen gelernt«

24.02.2012
Foto:Tobias Hoffmann/PhyreWorX
Nach der Trennung von Produzent Perquisite hat Pete Philly seine Stimme zu einem eigenen Instrument weiterentwickelt. Ein Interview über das Musizieren allein und die Entdeckung des Gesangs.

Pete Philly lässt die Grenzen zwischen Rap und Gesang verschwinden. Wenn man nicht mehr weiß, was von beidem es ist, dann ist es Pete Philly. Ende Januar erschien sein Solo-Debüt »One«. Nach der Trennung von Produzent Perquisite hat Pete Philly seine Stimme zu einem eigenen Instrument weiterentwickelt. Er verbindet organische Stimmensounds mit elektronischen Instrumenten, die er dann wiederum mit Band auf die Bühne bringt. Mit neuem Label im Rücken und einem US-Management, das Großes will, geht es für den sprach- und sprech- und klangverliebten Niederländer in den nächsten Monate auf Tour durch Europa und die Staaten.

Wie war es für dich, dein erstes Album allein zu machen?
Dieses Album zu machen, war wirklich hart. Ich habe erst angefangen Beats zu programmieren, aber habe alle wieder verworfen. Dann habe ich Songs am Piano geschrieben ebenfalls alle verworfen. Irgendwann wusste ich dann, dass die Platte am ehrlichsten wird, wenn ich Beatboxing, meine Stimmlage in verschiedenen Schichten und Negro Spirituals als Basis verwende. Meine Stimme ist einzigartig, meine Stimme bin ich, also werden um sie herum erst Pianos, Synthies und dann möglichst dynamische Drums gesetzt.

Warum heißt das Album »One«?
Es bedeutet vieles. Das macht den Namen für mich so stark und so richtig für diese Platte. Es ist die erste Platte auf der ich mehr singe als rappe, die erste, auf der ich der Executive Producer bin, außerdem habe ich diesen Song, in dem es darum geht, dass wir alle miteinander verbunden sind und ich bin eben allein und seit drei Jahren nicht mehr nur Teil eines Duos.

»Seit ich 19 Jahre alt bin, bin ich ein sehr melodischer Rapper und versuche die Grenze zwischen Rap und Gesang verschwinden zu lassen. Wenn man nicht mehr sagen kann, was von beidem es ist, dann ist es Pete Philly.« (Pete Philly)

Wie ändert sich der kreative Prozess, wenn man allein statt zu zweit arbeitet?
Während dieses Albums war ich kaum unterwegs und oft allein zu Hause. Mit Perquisite hatte ich mich während der Produktionen eigentlich fasst immer in den Haaren, es war ein Hin und Her. Und darüber haben wir uns natürlich auch inspiriert. Bei »One« war es wesentlich schwieriger, denn der einzige, mit dem ich mich streiten konnte, war ich selbst, dessen Meinung wirklich wichtig war, war meine, und ich konnte nicht ausweichen oder weglaufen oder einen faulen Kompromiss schließen. Deshalb sind viele Songs so eine Art Selbstgespräch geworden.

Welche Rolle wird in Zukunft der Gesang in deiner Musik spielen?
Tja, das Interessante ist, wirklich singen gelernt habe ich eigentlich erst nach den Aufnahmen zu »One«, also gibt es da etwas, was ich kann, das die Leute aber noch nicht von mir hören können. Und auch mein amerikanisches Management bestärkt mich darin zu singen. Sie versuchen eine Tour als Voract von John Legend zu organisieren. Seit ich 19 Jahre alt bin, bin ich ein sehr melodischer Rapper und versuche die Grenze zwischen Rap und Gesang verschwinden zu lassen. Wenn man nicht mehr sagen kann, was von beidem es ist, dann ist es Pete Philly.

Welchen Erfolg malst du dir in Deutschland aus?
Mir fehlt noch der richtig große Song. Ich bin zurückhaltend, aber optimistisch. Ich glaube, dass Deutschland mich und meine Musik brauchen könnte. Ich mache einzigartige, eingängige Musik, wohne um die Ecke, mache sehr gute Live-Shows und bin fast immer verfügbar.

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