Ugly Duckling – »Nach der Tour ist vor der Tour«

01.12.2011
Foto:Tobias Hoffmann/PhyreWorX
Ugly Duckling rocken wirklich jedes Kaff. Weltweit. Rund um die Uhr. Zuletzt tourte das Trio aus Long Beach, Kolaifornien mit neuem Album im Gepäck in 51 Tagen durch 45 Tourstädte in Europa. Wir trafen sie zum Gespräch.

Ugly Duckling rocken wirklich jedes Kaff. Weltweit. Rund um die Uhr. Und die Fans des Trios aus Long Beach, Kalifornien danken es ihnen mit regelmäßigem Erscheinen zu Konzerten ganz in der Nähe sowie pflichtbewusstem Merch- und CD-Kauf. Als Ugly Duckling 1993 als Außenseiter im Gangsta- und G-Funk-Rapgeschehen an der Westküste anfingen, konnte niemand ahnen, dass 18 Jahre später keiner mehr über den zweiten Backup-MC von Snoop Dogg reden würde, aber jeder Szenekenner über diese oldschooligen Sample-Nerds Andy Cooper, Dizzy Dustin und Young Einstein, die zuletzt mit neuem Album im Gepäck in gerade mal 51 Tagen durch 45 Tourstädte in Europa gerast sind.

Eure Europa-Tour begann mit 28 Shows in Großbritannien. Wie kam es dazu?
Andy Cooper: Wir touren da drüben schon seit 1999 und haben dort ein sehr gutes Publikum. Die Leute scheinen uns zu mögen. Es gibt dort auch viele kleine Städte über die ganze Insel verstreut und wir konnten in wirklich vielen davon spielen.

Wie viele Leute kommen in solchen kleinen Städten zu den Shows?
Andy Cooper: Das kommt sehr auf den Wochentag an. Wir persönlich spielen aber lieber 25 kleine Shows als sechs große. Schön ist, dass manche Leute sogar zu zwei oder drei Shows kommen.

Wo war es bisher am schönsten?
Dizzy Dustin: Das ist schwer zu sagen. Ich liebe Australien, Japan, die Schweiz, Deutschland… Weißt du, überall wo wir waren, gab es etwas Gutes. Mal war es das Essen, mal die Leute, mal die Atmosphäre, mal die Shows. Viele Aspekte können den Aufenthalt in einer Stadt oder einem Land besonders machen. Und es ist auch jedes Mal wieder anders. Ich könnte keinen Ort hervorheben.
Andy Cooper: Also ich erinnere mich an unsere allererste Europa-Tournee. Das war surreal. Wir waren zwei Monate unterwegs und spielten einige gemeinsame Shows mit den Jungle Brothers, von denen wir große Fans waren. Wir haben all die Sehenswürdigkeiten zum ersten Mal gesehen und waren zum ersten Mal so lange und so weit von zu Hause entfernt. Das war manchmal beängstigend und ungemütlich, aber eben auch ein Abenteuer und hat uns in mancher Hinsicht die Augen geöffnet. Danach war keiner von uns mehr derselbe. Wir haben das Leben anders betrachtet, ebenso die Art und Weise, wie wir unsere Musik angehen und präsentieren wollten.

»Wir haben schon immer darüber geredet mal ein Album zu machen, das das Unterwegssein thematisiert. Und jetzt hatten wir halt den richtigen Aufhänger gefunden« (Andy Cooper)

Was bringt ihr normalerweise von so einer Tour mit nach Hause?
Dizzy Dustin: Also ich versuche nicht mehr so viele Sachen mitzubringen. Das wird nur immer teurer, je öfter man es macht. Irgendwann kann man sich selbst und sein Budget einfach nicht mehr toppen. Einstein dagegen bringt immer irgendetwas von Nando†˜s mit nach Hause und Andy ist eher so der Postkarten-Dude. Es bleibt aber alles im Rahmen.

Im Oktober erschien Moving at Breackneck Speed. Wie sind die Reaktionen darauf?
Dizzy Dustin: Also, bisher haben wir nur gutes Feedback bekommen. Über Verkaufszahlen wissen wir aber noch nichts und wollen das auch nicht. Wir konzentrieren uns nur auf die Tour. Danach werden wir sehen, ob sich das ausgezahlt hat.

Als fünftes Album ist es ja auch ein kleines Jubiläumsalbum. Hattet ihr vorher bestimmte Erwartungen daran?
Young Einstein: So haben wir es noch gar nicht betrachtet. Nein, wir wollten einfach wieder ein HipHoppigeres Album machen, zurück zu unseren Wurzeln gehen, ohne es zu verkonzeptualisieren.

Die Platte hat aber trotzdem ein Konzept: Das Davonlaufen, das Unterwegssein. Was hat es damit auf sich?
Andy Cooper: Wir haben schon immer darüber geredet mal ein Album zu machen, das das Unterwegssein thematisiert. Und jetzt hatten wir halt den richtigen Aufhänger für die Storyline gefunden, also vor dem Gesetz wegzulaufen und nicht stehen zu bleiben. Das ist als Metapher zu sehen, denn wir laufen ja nicht wirklich vor Leuten weg, die uns Böses wollen. Wir versuchen den Kopf über Wasser zu halten im Entertainmentbusiness. Wir wollen von unserer Musik leben und als Band überleben. Und in diesen Tagen fühlt es sich eben so an, als wäre man nur noch unterwegs und hat nirgendwo mehr Zeit zu verschnaufen.

Und wie fühlt es sich an, immer unterwegs zu sein?
Andy Cooper: Wir sind oft müde, hasten international von Gig zu Gig und versuchen jeden da draußen zum guten zu wenden. Das ist uns zwar eine große Ehre und macht auch sehr viel Spaß, aber es gibt auch eine andere Seite, die wir erzählen wollten. Es geht um das Adrenalin, jeden Tag eine andere Stadt, viele sehr verschiedene Menschen und ständig passiert etwas Neues. Und in dieser Veränderung wiederholt sich so vieles. Unsere Shows, unsere Tagesabläufe, unsere Erinnerungen und so weiter. Das alles findet sich auf dem Album.

Was passiert nach der Tour, habt ihr Pläne für Nebenprojekte?
Andy Cooper: Ugly Duckling am Leben zu erhalten ist ein Vollzeitjob. Dazu benötigen wir jeden Funken Energie. Nebenprojekte können für uns gar keine Rolle spielen. Alleine die Produktionsarbeit am neuen Album war ein unglaublich anstrengender Prozess. Ugly Duckling funktioniert, weil wir uns auf die wichtigsten Sachen konzentrieren. Und nach der Tour ist vor der Tour. Wir hoffen, dass wir im Dezember noch in Japan touren können. Danach geht es irgendwann nach Australien und im Sommer hoffentlich wieder nach Europa, je nachdem wie das Album sich entwickelt. Und in der Heimat müssen wir das Album zwischendurch natürlich auch noch promoten. »We just wanna get out on the road, play the new stuff and keep it rolling.«

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