Ausklang | New Music Friday – Neue Musik von Pusha T, IVVVO, Erykah Badu et al.

13.11.15
Woche für Woche picken wir Tracks, die uns in den vorausgegangenen sieben Tagen nicht aus dem Kopf gehen wollten, deren Release auf den heutigen Tag fällt oder einem anderen Pseudogrund unterliegen
»Hello (narrated by Sir David Attenborough)« by Adele
Nicht ganz sicher, ob wir mit einem aufrichtigen Freitag-der-13.-Joke, einem ironischen Freitag-der-13.-Joke oder einem meta-ironischen Freitag-der-13.-Joke den Auftakt nehmen sollten, weshalb ich statt allem mit Sir David Attenborough den Auftakt nehme, der irgendwo zwischen aufrichtig, ironisch und meta-ironisch Adeles »Hello«-Video bespricht. Ich könnte diesem Prachtexemplar (Attenborough), wie auch jeder andere Mensch mit zwei Ohren und einem Herzen, bei allem zuhören und weil er der deutsche Grzimek ist und ich mal als Kind über ein Grzimek-Buch furchtbar geweint habe, bekomme ich auch bei Attenborough ziemlich viele Fühls, was ich zum Auftakt ganz aufrichtig gestehen möchte. KC
»Ghost« by Knowsum feat. Anne Louise Hoffmann
taken from Knowsums new Album »Hi Hat Club Vol. 7: Hyasynthus«, out November 27th on Melting Pot Music
Find it at hhv.de on LP

Melting Pot Music hat dem Beat eine Kathedrale gebaut und jeder der ihn verehrt, darf eintreten und die Wände bemalen. Knowsum ist der Siebte, sein Teil soll der bislang experimentellste der Serie sein. Der erste Ausschnitt seines Deckengemäldes zeigt Flying Lotus und Erykah Badu, beide nackt und im Schneidersitz, bei Opium und Tee zusammensitzen, die Köpfe über griechischen Sagen zusammengesteckt. PK
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»Phone Down« by Erykah Badu
taken from her new mixtape »But You Caint Use My Phone«, out soon

Erykah Badu macht übrigens ganz in echt auch wieder was. Bald soll ihr neues Mixtape erscheinen, das sich um Telefone dreht wie ein liebender, aber schüchterner Jüngling, der sich nicht traut diesen einen Anruf zu machen. Den ersten Song vom Tape widmet die Badu dem Aubrey und benutzt das Zodiac-Sample das dieser auch schon auf seinem »Wu Tang Forever« verwertet hatte. Damit: eh schon ein Winner. Wenn es die Badu dann aber auch noch schafft, dass Mann sein Handy zur Seite legt, dann ist das vielleicht die größte verführerische Leistung unserer modernen Gesellschaft. PK
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»Man Of Glass« by Sevdaliza
taken from her new EP »Children Of Silk«, out November 18th

Mit Verführung und modern times hat auch Sevdalizas neuer Song zu tun. Nur, dass das Glas hier zwischen den Lovers bleibt. Die Holländerin bewirbt sich jedenfalls weiterhin überzeugend dafür, bald auch mal auf dem Twig’schen Thron Platz nehmen zu dürfen. PK
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»No Bells« by Cousin Stizz
Bei Cousin Stizz klingelts einfach nicht. Hat sich höflich vorgestellt, dabei zu sehr auf die Selbstpräsentation geachtet als darauf, den anderen tatsächlich wahrzunehmen und folgerichtig sämtliche Namen vergessen. Er geht damit um, wie ein Mensch halt so damit umgeht: Tut das Gegenüber als ohnehin unwichtig ab und denkt sich trotzig, dass sie/er (sein Gegenüber) hier eh nicht her gehört, den kennt ja keine Sau hier und das soll auch so bleiben. Hood-Willkommenskultur halt, schlimm. PK
»Dredge Up« by Florian Kupfer
Schlimm, ach so? Ach ja. Das ist: Der grauneblige Tagesanfang, das Katerklopfen hinter den Schläfen, das der Kaffee-Aspirin-Cocktail auch nicht wegwischen konnte. Unter dem Pflaster kein Strand, sondern nur braunsuppiges Dreck-Wasser-Gemisch. In der Tram: Wieso stinken die Leute um diese Zeit schon so doll. Sowieso lässt sich in dieser Stadt vor 12 Uhr mittags nicht bestimmen, ob die Menschen um dich rum immer noch müde oder schon betrunken sind. Ab 12 ausnahmslos letzteres. Warum auch nicht, eigentlich. Was Besseres als den Alltag… Etc. Ja, ach ja, ach so, schlimm. KC
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»Broad Channel« by Bing & Ruth
taken from Bing & Ruth’s new album »City Lake«, out now on RVNG Intl.
find it at hhv.de on 2LP

Es ist halt so: Entweder ihr schaut euch dieses Video an oder nicht. Wenn nicht, ist’s halt Pech für euch und wenn doch ist’s auch Pech, nur eben für euren Verstand. Alles optional, ihr könnt im Grunde jedoch nur verlieren. KC
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»When I Feel You Wet« by IVVVO
taken from IVVVO’s new EP »When I Feel You Wet«, out now on ORO

Fiorucci gave this one a hard-on. IVVVO war ja schon immer der Moschusochse unter den Todessehnsüchtlern, mit der (hoden-)gestauchten, flackrigen Found-Footage-Masturbation über seine 14minütige Industrial-Elegie »When I Feel You Wet« richtet sich seine ganze glatzköpfige Goldkettchen-Persona aber noch mal um 15° weiter auf, um den Mond anzuheulen. Oder -beulen. Tut weh, nicht nur den Augen. Aber sehr geil, auf allen möglichen Bedeutungsebenen. KC
»Maybe Not« by Heroiny
taken from Heroiny’s new LP »AHH-OHH«, out now on Dunno

Und wenn ihr schon über Hoden reden müsst, klinke ich mich doch mit dem schlimmgeilsten Künstlernamen seit Hodini ein: Heroiny ist Pole, sein bester Freund heißt wahrscheinlich Diarrheahihi, er spielt entweder wahnwitzig scheiße Gitarre und bedient dazu wahnwitzig toll die alte Roland, oder andersrum. Manchmal ist auf dessen LP auch alles gleichzeitig scheiße und toll, am ehesten vielleicht auf »Maybe Not«. Wem House immer noch nicht seltsam genug geworden ist, wird sich hier vielleicht wohlfühlen, aber vielleicht halt auch nicht. FA
»Blakk Tape« by Conway
Und bevor hier alles völlig aus dem Ruder läuft: nochmal Rap. Ganz klassisch, direkt von der QB-Parkbank, nur mit upgedateten KKK-Referenzen (Kyrie/Klay/Kendrick), Narbe auf der Backe und mit Pendlerpauschale, weil dieser Conway in Buffalo seine kaltherzigen DITC-ismen vorbereitet. Wäre das 1998 in 500er-Auflage erschienen, würde man für »Blakk Tape« jetzt bestimmt eine Monatsmiete latzen, 2015 ist das immerhin noch ein aussichtsreicher Trostspender für all jene, die nach Audiogalaxy vom Glauben abfielen und heute immer noch am lautesten Grölen wenn ein DJ ohne jegliche Verlegenheit »Full Clip« spielt. FA
»Untouchable« by Pusha T
P.S. as P.S. can: President Pusha mit dem Wort zum Wochenende. Ich hoffe ihr erwartet jetzt nicht noch ganze Sätze aus meinen zittrigen Groupie-Fingern. FA
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