Review

Amalie Dahl’s Dafnie

Star Op Med Solen

Aguirre • 2024

Eins lässt sich schon mal festhalten: Amalie Dahl‘s Dafnie haben einen Sinn für gute Anfänge. Das Quintett hatte sein Debütalbum 2022 mit einem Track namens »Don‘t get me started« eingeleitet – auf dem die dänische Bandleaderin ihr Saxofon sofort mit voller Dröhnung startet. Das zweite Album »Står Op Med Solen«, das jetzt bei Sonic Transmissions und Aguirre erschienen ist, setzt auf den gegenteiligen Effekt. Der Opener zieht mit einer langsam aufbauenden Rhythmik in seinen Bann, auf die ein wunderschöner, elegischer Bläserpart einsetzt. Wie es sich für eine Band aus dem Trondheim-Kreis gehört, klingen Dafnie, als hätten sie verschiedene künstlerische Ausdrucksformen zu Musik gemacht.

Was »Står Op Med Solen« aber besonders macht, ist seine hörbare Erkundung von allem, was am Traditionellen seltsam ist: es verweist auf einen Knick in der Akustik des Gewöhnlichen und Gewohnten. Besonders nachverfolgen lässt sich das an den drei Songs, die dem Albumtitel gleichnamig sind und die das dramaturgische Grundgerüst bilden. Getragen durch die spannende, eklektische Percussion von Veslemøy Narvesen und den Kontrabass von Nicolas Leirtrø stimmen die Bläser zu zeremoniell wirkenden Themen an, deren Umstrukturierung gerade an den ruhigeren Stellen Wirkung zeigt. »Står Op Med Solen« ist ein Album, das im norwegischen Contemporary Jazz verortet sein will, sich aber weit darüber hinaus zu artikulieren weiß.