Angel

Terra Null.

Editions Mego • 2014

Drones als Kapitalismuskritik. Das langsame Brummen, das scheinbar endlose Liegenlassen der Töne, so als wäre Zeit eben doch nicht Geld, dient dem Projekt Angel als ausgedehnte Verweigerungsgeste. Ilpo Väisänen und Dirk Dresselhaus setzen, unterstützt von der Cellistin Hildur Guðnadóttir und dem Klarinettisten Lucio Capece, dabei auf die Reduktion ihrer Mittel, konzentrieren sich auf die Kombination weniger elektronischer und akustischer Klänge. Und mit denen wollen sie eine Art tabula rasa für nichts weniger als eine neue Wirklichkeit schaffen. Mit der politischen Wirkmächtigkeit von Musik, ob sie nun direkt mit konkreten Botschaften gekoppelt wird oder nicht, ist es ja so eine Sache, aber die Ernsthaftigkeit des Anliegens ehrt die Beteiligten allemal. Man muss »Terra Null.« jedoch nicht zwangsläufig als ästhetische Strategie gegen die vorherrschende Ökonomie hören, um die Schönheit seiner elektroakustischen Frequenzreibungen würdigen zu können. Eine der faszinierenden Eigenheiten von Drone-Musik ist ja, dass geringfügige Nuancen im Arrangement des scheinbar Statischen genügen, um darüber zu entscheiden, ob das Ergebnis beim Hören für erhöhte Spannung oder für Langeweile sorgt. Angel haben exakt die richtigen Schwingungen zusammengefügt – oder weggelassen –, um von Anfang bis Ende zu elektrisieren.