Review

Beck

Morning Phase

Capitol • 2014

Wenn es nur ein Album sein darf, dann griff man bei Beck Hansen bisher zu »Sea Change«. Keine Ironie, sondern Gefühl. Keine großen Experimente, sondern akustische Perfektion. Vergleiche mit dem britischen Songwriter Nick Drake verboten sich zwar, trotzdem zogen ihn diverse Kritiker. Seit damals sind mehr als zehn Jahre und drei Alben vergangen. Nun also »Morning Phase«, der zwölfte Streich des 43-Jährigen. Und wieder besinnt sich Beck auf die offensichtlichen Dinge. »Blue Moon« startet mit dem Flehen: »I’m so tired of being alone.« Ein sanfter Chor, eine Gitarrenmelodie und ein sanfter Rhythmus – mehr braucht Beck nicht, um zu beweisen, dass er ein großer Songschreiber ist. »Morning Phase« haucht das Zurückgelehnte und das Leben durch jeden einzelnen Ton. Ein orchestrales Zwischenstück wie »Phase« zieht einen nur weiter raus in diesen Ozean aus Melodie. Wenn Beck hier eine Saite anschlägt, entsteht ein neuer Kreis, der sich ausbreitet und sich mehr und mehr verläuft. »Morning Phase« ist ein Album für die Momente, in denen man innehält und der Welt in der Hektik zusieht. Traurig, dass das alles irgendwann einmal nicht mehr sein wird. Aber gleichzeitig wunderschön, dass Du Teil dieser großen Sache sein darfst. Egal, wohin die Reise danach gehen mag. Und spätestens bei »Unforgiven« schleicht sich dieses Gefühl bei der letzten Person ein. Dieses Album ist das Summen an lauen Sonnenabenden und das Brummen der Welt am frühen Morgen. Eine Umarmung, eine Liebeserklärung. Nur wenige Musiker bekommen das so ohne Pathos und ohne große Gesten hin. Akustische Perfektion, wieder einmal.

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Beck
Morning Phase
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