Bill Wells, Solitär aus Schottland, entwickelt im Schlaf offenbar eine ähnlich rege Fantasie wie in seinem breit aufgestellten Musikschaffen. Eine verspielte Verspultheit verbindet seine Bandprojekte wie das National Jazz Trio of Scotland mit kurzfristigeren Kollaborationen, etwa mit Musiker:innen wie Stefan Schneider, Aidan Moffat oder auch Isobel Campbell. Jetzt lässt er Fans seines eigenwilligen und doch zugänglichen Schaffens an Träumen teilhaben, die er nach dem Aufwachen eingefangen hat. Kaum verwunderlich, dass viele dieser Fragmente flüchtig, nicht ganz wie von dieser Welt klingen.
In nur 25 Minuten hat Wells 21 Tracks untergebracht. Auf der A-Seite »Dreams 2024« leiht Norman Blake (of Teenage-Fanclub-Fame) den surrealen Miniaturen seine Stimme; auf der B-Seite ist es die nordenglische Musikerin Aby Vulliamy, die den Träumen aus dem Jahr 2025 eine noch schwebendere, intimere Anmutung gibt. Etliche der Miniaturen sind kürzer als eine Minute, lediglich »Anybody There_What Am I Afraid Of« reißt die zwei Minuten: ein Track, der nicht nur eine Idee skizziert, sondern mittels Klang eine kleine Geschichte erzählt. Zum Einstieg beschwören verstörende Ambientsounds eine alptraumhafte Atmosphäre, die sich jedoch bald in schunkelige Wohligkeit auflöst. Trotz der Experimentierfreude, die in den Stücken steckt, erinnern einige – angesichts des Entstehungskontexts kaum verwunderlich – an wunderbar einlullende Wiegenlieder, etwa das melodisch schepperige »Beautiful Dreams«.

Dreams '24 / '25