Review Electronic

Brunhild Ferrari / Eiko Ishibashi / Jim O’Rourke

L’Oreille Voleuse

Persistence Of Sound • 2026

»Akustische Erinnerungen« aus ihrem Tape-Archiv hat Brunhild Ferrari zum 20-minütigen Mix L’Oreille Voleuse collagiert. Die 89-Jährige ist eine der größten lebenden Pionierinnen der elektroakustischen Musik. Die Ehefrau des verstorbenen Komponisten Luc Ferrari war mit dem Musikforschungsinstitut »Groupe de recherches musicales« verbandelt, das Ende der 1950er-Jahre von Pierre Schaeffer in Paris gegründet wurde. L’Oreille Voleuse ist ein gigantischer klanglicher Maelstrom, bei dem Rhythmen, Drones, Melodiefetzen, menschliche Stimmen und Naturgeräusche wie zufällig auftauchen und wieder verschwinden – wie in einem Suchbild für musikalische und nichtmusikalische Referenzen und Bezüge.

Der Originalfassung steht die Bearbeitung der japanischen Musikerin und Komponistin Eiko Ishibashi und des amerikanischen Multitalents Jim O’Rourke gegenüber. Die Version des langjährigen Partnerduos funktioniert wie ein Remix. Ishibashi und O’Rourke lassen Teile des Ausgangsmaterials weg, betonen andere, setzen sie in unterschiedliche Kontexte und fügen ihre eigenen Sound-Fragmente hinzu. Und so entsteht eine neue Komposition, die gleichzeitig als Erinnerung an das Original und als seine Erweiterung funktioniert.