Die kanadische Künstlerin Cindy Lee, einst Kopf der Band Women, bewegt sich zwischen Ghost-Pop, 60s-Girl-Group-Ästhetik und experimentellem Flair. Mit Cat O’ Nine Tails legt sie ein dichtes, kompaktes Album vor. Innerhalb von 25 Minuten entfaltet es eine musikalische Spannung, deren Bogen chronologisch aufbaut. Cindy Lee entwirft hier in Klängen beinahe erzählerisch eine filmisch anmutende Geschichte. Auf der Platte trifft melancholischer Pop auf verzerrte Klangräume. »Love Remains« atmet vertrauten Retro-Zauber, während Instrumentalstücke wie »Cat O’ Nine Tails II« an cinematisches Synthgetöse erinnern.
Innerhalb ihres bisherigen Schaffens markiert das Album eine Phase der Konzentration. Nach früheren, ausufernd experimentellen Arbeiten wirkt Cat O’ Nine Tails gezielter, kompakter und strukturierter. Cindy Lee arbeitet hier mit bewusster musikalischer Reduktion. Das Album entfaltet hauchzarte Vocals, fragile Melodien und Lo-Fi-Texturen, die zwischen Nostalgie und Dissonanz schwingen. Der Sound bleibt roh und direkt – fast so, als würde er unmittelbar aus den Händen fließen, die ihn geschaffen haben. Eine Momentaufnahme, kontrolliert und doch spontan. Dieses Spannungsfeld erinnert an frühe Tape-Experimente. Cat O’ Nine Tails bricht den Cindy-Lee-Kosmos auf das Wesentliche: Pop in eleganter, präziser und zugleich verletzlicher Form.

Cat O' Nine Tails
