Ganz, ganz leise geht es los. Irgendwas pluckert, vielleicht ein Drumcomputer, mit einiger Wahrscheinlichkeit selbst gebaut. Nach und nach folgen die anderen Instrumente, man weiß nie so ganz, was akustisch, was elektronisch ist. Wie bei einem Drone baut sich im Titelstück der Platte alles über einem Grundton auf, aber dynamisch fließend, rhythmisch akzentuiert, zugleich mit einer Ruhe, die geeignet ist, einem bei Anspannung spontan den Stecker zu ziehen.
Als Cluster 1976 ihr viertes Album Sowiesoso veröffentlichten, waren sie in einer sehr produktiven Phase. Brian Eno kam zu Besuch nach Forst für Sessions zusammen mit ihrem WG-Partner und Harmonia-Bandkollegen Michael Rother. Wenig später folgten Aufnahmen von Cluster mit Eno. Von dieser äußerlich bewegten Zeit merkt man auf Sowiesoso nichts. »Pastoral« werden die langsam treibenden Stücke gern genannt. Das gilt insbesondere für die zweite Seite, auf der Cluster den Beat fast komplett weglassen.
»Zum Wohl« besteht aus langsam aufsteigenden Tönen, begleitet von sachte kreiselnden Klavierakkorden und synthetischem Vogelzwitschern. Mehr Klavier bietet »Es war einmal«, in dem zwei leicht leiernd verwaschene Mikromelodien zu einem Miniepos mit wehmütigem Einschlag verbunden werden. Einer ihrer schönsten Momente. Zum Abschluss ein auf seine Rudimente abgezogener Blues: leiser Puls, langsam verwehende Akkorde, spartanische Blue Notes vom Synthesizer, dazwischen gelegentliches Fiepen, um es nicht zu idyllisch geraten zu lassen. Ein Album, nun ja, für »In Ewigkeit«.

Sowiesoso 50th Anniversary Edition

