Review

Dramadigs

Das Muss Doch Nu Wirklich Nicht Sein

Augenringe Unter Dem Dritten Auge • 2012

Dem Kölner Beat-Connaiseur Twit One sei Dank, dass das Debüt der Bremer nicht in der Flut an kostenlos veröffentlichter Durchschnittsware auf der Festplatte versauert. Ursprünglich bahnte sich »Das Muss Doch Nu Wirklich Nicht Sein« Ende letzten Jahres nämlich als Free-Download seinen Weg in die einschlägigen Blogs. »Doch muss es«, dachte sich wohl Twit und reicht über das eigene Label Taschenbillard Records die Vinylveröffentlichung, in leicht abgespeckter Version, nun nach. Die zwei Bremer Dramadigs Tsnd Mrk und Konfus hätten wohl selbst am wenigsten mit so positiven Resonanzen gerechnet. Verarbeiten sie doch letztlich nichts anderes als ihren tristen Alltag in der Hansestadt, der einem »Trauerspiel« gleicht. Selbsbemitleidung und Pessimismus können doch auch so authentisch sein. Da kommt es schonmal vor, dass man den Sommertag im kalten Keller nicht mitbekommt, wie auf »Der 2. November«. Ist man doch schon am »Anfang des Monats am Rande des Komas«. Und was sind schon »Slow Jams ohne Liebeskummer«. Die liebevollen BoomBap Instrumentale, für die tief in den 70er Jahre Plattenkisten gewühlt wurde, beschehrten, außer den Protagonisten selbst, Willow Beats, Recykill und Flo Mega, der auch gleich die ein oder andere Hook einsingen durfte. Tsnd Mrk und Konfus sind Meister des Understatements, die ironische Punchlines und die Kunst des Tiefstapelns par exellence beherrschen. In Sachen Vergleiche, Charisma, Technik und Hoffnungslosigkeit hinken die zwei Dramaqueens ihrem Versagerbruder im Geiste, Kamp aus Wien, aber noch um einige Längen hinterher.