Review

Earth

Primitive And Deadly

Southern Lord • 2014

Viele Jahre ist es her, dass das letzte Mal eine Stimme über dem gewaltigen Tosen von Earth zu hören war. Es war die von Dylan Carsons ehemaligen Mitbewohner, der sich im April vor 20 Jahren das Leben nahm: Kurt Cobain. Auch Dylan Carson erging es in der Zwischenzeit nicht sonderlich gut, wenngleich er dem Tod noch von der Schippe sprang. Als Earth 2005 nach fast zehnjähriger Pause wieder das Licht der Öffentlichkeit betraten, hatte sich ihr Sound radikal verändert. Das dröhnende Gitarrenfeedback war einem repetitiven Western-Twang gewichen, massive Build-Ups machten zirkulären Strukturen Platz. Nachdem Earth diesen Sound auf dem kürzlich neu aufgelegten »The Bees Made Honey In The Lion’s Skull« perfektioniert hatten, deutete der Zweiteiler »Angels Of Darkness, Demons Of Light« mit seiner erweiterten Soundpalette einen dezenten Richtungswechsel an. Mit »Primitive And Deadly« nun nehmen Earth einen Schritt rückwärts und schreiten doch voran. Die Verzerrer werden wieder angeschmissen, dröhnen jedoch etwas dezenter als anno dazumal. Besser ist es, denn nicht nur findet die neueste Inkarnation der Band – diesmal sind neben Drummerin Adrienne Davies auch Mitglieder von Built To Spill und Sunn O))) dabei – ihre Kraft eindeutig in der Ruhe, sie müssen auch den ersten Stimmeinsätzen seit gut zwei Jahrzehnten ihren Raum lassen. Mark Lanegan mimt auf »There Is A Serpent Coming« und »Rooks Across The Gates« den ausgebrannten Crooner während Rose Widows-Sängerin Rabia Shaheen das über elf Minuten lange Kernstück »From The Zodical Light« mit Erhabenheit und Reibeisen überzieht. Mit »Primitive And Deadly« ist Carsons Projekt der Idee eines Rockalbums nahe gekommen, ohne ihren distinkten Stil zu verlieren.

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Earth
Primitive & Deadly
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