Review

Big | Brave

Au De La

Southern Lord • 2015

Montréal bleibt spannend, Montréal bügelt die Musik noch immer gegen den Strich. Neben den distanziert rasenden Ought und elektronischen Fricklern wie dem Booma Collective sind es vor allem die Constellation-nahen Acts, die das Klangbild der Stadt aktiv mitgestalten. Zwar veröffentlicht das Trio Big | Brave sein Debütalbum »Au De La« nicht auf dem Heimatlabel von Godspeed You! Black Emperor deren Mastermind Efraim Menuck allerdings hat die fünf mächtig knirschenden Songs der Platte im legendären Hotel2Tango-Studio aufgenommen und beim Opener hilft Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra & Tra-La-La Band-Mitglied Jessica Moss mit spärlichen Streicherklängen aus. Spärlich ist das Wort, das »Au De La« wohl auch am besten charakterisieren würde, wenn der Effekt von Big | Braves nicht maximal ausfallen würde. Das stoische Geriffe der beiden oftmals aneinander vorbei agierenden Gitarren von Sängerin Robin Wattie und Mathieu Bernard Ball ist alles andere als ausgeklügelt. Nein, Big | Brave scharren lieber minutenlang im selben Rhythmus mit den Hufen und überlassen Wattie das Pathos. Ihr gellender Gesang wirkt gegenüber den ebenso wuchtigen wie monotonen, von Feedbackkreischen umrankten Akkorden mehr als verloren. Wie eine hoffnungslose Kraftanstrengung. Wäre ihre Stimme nicht nicht, wäre die Musik des Trios kaum mehr als ein weiterer Aufguss, dessen, was im Fahrwasser von Slint über Shellac hin zu True Widow oder Disappears zu einer Art Subsubgenre geworden ist. Es ist die Ausweglosigkeit, die Wattie verkörpert, die »Au De La« so eindringlich macht, weniger die grollenden Gitarrenriffs. Die bilden ebenso den Passepartout-Hintergrund für Big | Brave wie Montréal für seine Musikszene, die lange nicht mehr so spannend war wie dieser Tage. Was eventuell daran liegen mag, dass Kanadas liberale Zeiten schon wieder vorbei sind. »Look At How The World Has Made A Change«, heißt nicht umsonst einer der Songs dieses starken Debütalbums.