Review

Earth Trax

Closer Now

Lapsus • 2023

Die neue Platte von Bartosz Kruczyński ist zweifellos eine Annäherung. Nicht nur zu einem meditativeren Sound, der die MDMA-getränkten Dance-Nummern auflöst, mit denen er seit 2020 als Earth Trax sein Profil geschärft hat. Auch die frühen Ambient-Arbeiten des Warschauers, die er zwischen 2016 und 2020 unter seinem bürgerlichen Namen veröffentlichte, sind »Closer Now« näher als etwa das entrückte Techno-Manifest »The Sensual World« aus dem vergangenen Jahr. Album Nummer vier hält also, was der Name verspricht – und das nicht nur auf einer rein deskriptiven Ebene. Denn verführerisch, fast sinnlich spielen Tracks wie »Understand« oder das zu Tränen rührende »Pied Piper« mit Kruczyńskis ebenso ätherischem wie ausgefeiltem Sounddesign, dessen Ingredienzien jahrelang live erprobt wurden: Die Sehnsucht nach den elegischen Trance-Nummern der frühen Neunziger, luzide Verweise auf IDM- und Warp-Compilations für Chillout-Areas, aber auch ein Gespür dafür, wie man heute tatsächlich noch eine eigene Handschrift von Ambient und Techno formulieren kann – mit besonderem Fokus auf den Ambient-Anteil. Vocalsamples, Pads und ausufernde Chords, die auf den Vorgängern noch relativ straight in einen Clubkontext eingebettet waren, kommen hier eher als Soundtrack für den Sonnenaufgang beim Waldrave daher, wo einem die Liebe seines Lebens im Elfenkostüm begegnet. Oft genug hat dieses Album genau solche romantischen, erlösenden Qualitäten, etwa wenn sich das lichtdurchflutete Buildup von »Lullaby« in einen ekstatisch schwebenden Breakbeat ergießt oder die fluoreszierenden Shots von »Bruises« eine zuversichtliche Melodie ausstaffieren. Zuversicht – ja, die strahlt »Closer Now« in jeder Sekunde aus. Ein seelisches Antidot in diesen absurd abgefuckten Zeiten.